Viveka Chudamani – Vers 576

Deutsche Übersetzung:

576. In Anbetracht dessen, dass du ein Sucher nach Befreiung bist, unberührt von den Sünden dieses dunklen Zeitalters (Kali Yuga), mit einem Geist frei von Wünschen, habe ich dir heute – so wie ich es meinem eigenen Sohn gegenüber getan hätte – das höchste und tiefste Geheimnis, die innerste /verborgenste Essenz von Vedanta, das Kronjuwel aller Schriften offenbart.

Sanskrit Text:

sakala-nigama-cūḍā-svānta-siddhānta-rūpaṃ
param idam atiguhyaṃ darśitaṃ te mayādya |
apagata-kali-doṣaṃ kāma-nirmukta-buddhiṃ
sva-suta-vad asakṛt tvāṃ bhāvayitvā mumukṣum || 576 ||

सकलनिगमचूडास्वान्तसिद्धान्तरूपं
परमिदमतिगुह्यं दर्शितं ते मयाद्य |
अपगतकलिदोषं कामनिर्मुक्तबुद्धिं
स्वसुतवदसकृत्त्वां भावयित्वा मुमुक्षुम् || ५७६ ||

sakala-nigama-chuda-svanta-siddhanta-rupam
param idam atiguhyam darshitam te mayadya |
apagata-kalidosham kama-nirmukta-buddhim
sva-suta-vad asakrit tvam bhavayitva mumukshum || 576 ||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • sakala-nigama-cūḍā-svānta-siddhānta-rūpam : in Form (Rupa) der Essenz („Herz“, Svanta) der (vedantischen) Lehrsätze (Siddhanta), dem Kronjuwel (Chuda) sämtlicher (Sakala) heiliger Schriften (Nigama)
  • param : höchste (Para)
  • idam : dieses (Idam)
  • atiguhyam : große Geheimnis (Atiguhya)
  • darśitam : wurde gezeigt (Darshita)
  • te : dir (Tvad)
  • mayā : von mir (Mad)
  • adya : heute (Adya)
  • apagata-kali-doṣam : als einen, von dem die schädlichen Eigenschaften (Dosha) des gegenwärtigen Zeitalters (Kali) abgefallen („gewichen“, Apagata) sind
  • kāma-nirmukta-buddhim : als einen, dessen Geist („Intellekt“, Buddhi) von Wünschen (Kama) befreit ist (Nirmukta)
  • sva-suta-vat : wie (Vat) den eigenen (Sva) Sohn (Suta)
  • asakṛt : wiederholt (Asakrit)
  • tvām : dich (Tvad)
  • bhāvayitvā : erkennend („erkannt habend“, bhū)
  • mumukṣum : als einen, der Erlösung erheischt (Mumukshu)     || 576 ||

Kommentar

Der Meister hat den Schüler unterwiesen.
Zu Anfang hat Shankara gesagt: „Es gibt nichts Wertvolleres als die Erkenntnis des Selbst. Du hast einen Körper. Du hast eine Psyche. Du hast einen Geist, der denken kann. Du hast die Sehnsucht nach Wahrheit. Verschwende nicht dein Leben. Strebe danach, die Wahrheit zu erfahren.“

Shankara hat dich dann aufgefordert, wie ein Schüler zu sein. Der Schüler geht zum Meister und bittet den Meister um Unterweisung und der Meister lehrt den Schüler.
Auf diese Weise hast du dich vielleicht Shankara genähert oder Swami Sivananda genähert. Du hast meine Vorträge gehört. Vielleicht bist du jetzt beim 576. Vers und bist schon 1 ½ Jahre dabei, Viveka Chudamani zu studieren. Vielleicht bist du erst jetzt auf diese Hörsendung gestolpert, weil sie eine der letzten ist, siehst du sie vielleicht als erstes.

Sei dann wie dieser Schüler, der den Meister um Unterweisung bittet. Der Meister hat dem Schüler gesagt, dass er die Sadhana Chatustaya entwickeln soll, die vier edlen Tugenden, Eigenschaften eines Aspiranten. Diese sind:
Vairagya – Loslassen, Entsagung
Viveka – Unterscheidungskraft.

Entwickle Samadhi Shatkam, die sechs edlen Tugenden der Gelassenheit und vor allem kultiviere Mumukshutva, den intensiven Wunsch nach Befreiung.
Erkenne, dass ein sinnliches Leben kein Glück hat. Zu versuchen Besitztümer anzuhäufen, Ruhm anzuhäufen, viele Menschen zu Freunden zu haben, beruflichen Erfolg zu haben, ist alles unsinnig. Es geht alles vorbei und wird dich nicht zufriedenstellen. Aber schaue dir die großen Meister an, die die Gottverwirklichung erreicht haben. Das kannst auch du haben. Entwickle Mumukshutva.

Dann entwickle die Unterscheidung Viveka. Die Unterscheidung zwischen dem Ewigen und dem Vergänglichen. Alles, was vergänglich ist, ist es nicht wirklich wert, diesem hinterherzulaufen. Suche das Ewige und erkenne an, dass das Vergängliche vergänglich ist. Trauere nicht um das Vergängliche. Entwickle die Unterscheidung zwischen Atma und Anatma, zwischen Selbst und Nicht-Selbst. Du bist nicht der Körper und nicht die Psyche. Du bist das Bewusstsein hinter Körper und Psyche. Du bist nicht die Emotion. Du bist das Bewusstsein hinter den Emotionen. Du bist auch nicht das Temperament. Du bist das Bewusstsein dort hinter. Identifiziere dich nicht damit. Du bist das unsterbliche Selbst. Entwickle die Unterscheidung zwischen wahrem Glück Ananda und Sukha, vergänglichem Vergnügen. Sinnesobjekte scheinen dir Vergnügen zu geben, aber nicht dauerhaft. Du bist das unsterbliche Selbst. Da ist deine wahre Freude. Du hast die Sehnsucht nach dieser Freude, weil du weißt, dass du die wahre Freude bist. Du wirst nie mit der vergänglichen Freude zufrieden sein.
Und selbst die vergänglichen Freuden sind nicht in den Objekten. Die Objekte haben kein Gramm Glück. Sie können nur das Glück des Selbst wiederspiegeln. Daher erkenne, dass du das unsterbliche Selbst bist. Strebe danach. Entwickle die Unterscheidung zwischen dem Wirklichen und dem Unwirklichen. Die Welt, wie sie sich dir darstellt, ist unwirklich. Sie ist in Zeit und Raum unwirklich.
Die Sinneserfahrungen, die du machst, machst du wegen den Sinnen. In der Welt gibt es weder Klänge noch Farben noch Gerüche. Löse dich von all dem Unwirklichen. Entwickle diese Viveka. Dann praktiziere spirituelle Praktiken, um die Ruhe des Geistes zu bekommen.
Übe das, was hilfreich ist, um ein subtiles Verständnis zu bekommen. Übe das, was hilfreich ist, um den Geist zur Ruhe zu bringen. Bei diesem subtilen Verständnis, dieser Ruhe des Geistes, frage: „Wer bin ich?“ Erkenne dein Selbst und sei frei!

In Atman Jnana, der Erkenntnis des Selbst, ist die Ruhe des Geistes. In der Ruhe des Geistes kommt Atman Jnana. Wenn du das erfahren hast, dann wirst du zum Jivanmukta. Du siehst in allem nur das Selbst. Du siehst hinter allem nur das Selbst. Du bist verankert im Glück. Du hast alles Beschränkte selbst. Das ist die Essenz des Viveka Chudamani.

Und jetzt will ich den Vers lesen, den der Meister dem Schüler zum Abschluss sagt:

„In Anbetracht dessen, dass du ein Sucher nach Befreiung bist, unberührt von den Sünden dieses dunklen Zeitalters (Kali Yuga), mit einem Geist frei von Wünschen, habe ich dir heute – so wie ich es meinem eigenen Sohn gegenüber getan hätte – das höchste und tiefste Geheimnis, die innerste /verborgenste Essenz von Vedanta, das Kronjuwel aller Schriften offenbart.“

sakala-nigama-cūḍā-svānta-siddhānta-rūpaṃ
param idam atiguhyaṃ darśitaṃ te mayādya |
apagata-kali-doṣaṃ kāma-nirmukta-buddhiṃ
sva-suta-vad asakṛt tvāṃ bhāvayitvā mumukṣum || 576 ||

So hat der Meister dem Schüler alles gesagt. Er konnte es dem Schüler sagen, weil der Schüler ein Sucher nach Befreiung ist. Er konnte es ihm sagen, weil er frei von unethischer Gesinnung ist. Frei von der Gier, die im Kali Yuga so viel ist. Ein Geist frei von Wünschen. Und so hat der Meister dem Schüler mit großer Liebe alles gesagt. Er hat ihm das tiefste Geheimnis der Selbsterkenntnis offenbart und der Schüler hat während dieser Unterweisung die Befreiung erlangt.

Hast du die Befreiung erlangt. Falls nicht, dann übe so weiter wie der Meister es gelehrt hat. Übe Viveka, Vairagya, Shatsampat! Kultiviere Mumukshutva!
Entwickele vor allem die Viveka als Unterscheidung zwischen Wirklichem und Unwirklichem, Selbst und Nicht-Selbst, Ewigem und Vergänglichem, wahrem Glück und vorübergehendem Vergnügen! Praktiziere und komme zum höchsten Bewusstseinszustand! Du wirst die Befreiung erlangen. Es ist es wert, das ganze Leben darauf auszurichten.

Willst du mehr wissen? Dann gibt es noch fünf weitere Vorträge zum Viveka Chudamani. Aber es gibt noch mehr. Ich habe auch Vorträge über Atma Bodha gehalten, bei dem diese Dinge noch etwas komprimierter beschrieben werden. Es gibt die Bhagavad Gita, bei der du die Spiritualisierung des Alltags lernen kannst. Es gibt das Yoga Sutra mit allen Vorträgen, bei dem ich auch darüber spreche, wie du den Geist zur Ruhe bringen kannst. Und es gibt Bhakti Sutra, wo du lernen kannst, dein Herz ganz zu öffnen.
So hast du noch viele Möglichkeiten, spirituell zu wachsen. Am besten ist natürlich, du kommst in einen Ashram. In einer Ashram-Atmosphäre wird das, was ich hier so nenne, sehr leicht erfahrbar. So wie Shankara auch in einigen der Verse gesagt hat: Es ist gut mal vorübergehend alles Weltliche loszulassen und dich ganz der Erkenntnis der Wahrheit zu widmen. Wirklich ein paar Tage das Leben nur der spirituellen Praxis zu widmen und die Sehnsucht zu erfüllen: Wer bin ich? Woher komme ich? Wohin gehe ich?

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