Viveka Chudamani – Vers 331

Deutsche Übersetzung:

331. Wann immer der Weise (besser wäre: der spirituelle Aspirant) nur den geringsten Unterschied in der Absoluten Wirklichkeit wahrnimmt, wird das, was als Unterschied durch Irrtum wahrgenommen wird, sofort zur Quelle der Angst für ihn.

Sanskrit Text:

yadā kadā vāpi vipaścid eṣa
brahmaṇy anante’py aṇu-mātra-bhedam |
paśyaty athāmuṣya bhayaṃ tadaiva
yad vīkṣitaṃ bhinnatayā pramādāt || 331 ||

यदा कदा वापि विपश्चिदेष
ब्रह्मण्यनन्ते ऽप्यणुमात्रभेदम् |
पश्यत्यथामुष्य भयं तदैव
यद्वीक्षितं भिन्नतया प्रमादात् || ३३१ ||

yada kada vapi vipashchid esha
brahmany anante’py anu-matra-bhedam |
pashyaty athamushya bhayam tadaiva
yad vikshitam bhinnataya pramadat || 331 ||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • yadā kadā : wann immer (Yada Kada)
  • vāpi : auch (Va Api)
  • vipaścit : Weise (Vipashchit)
  • eṣaḥ : der (Etad)
  • brahmaṇi : Absoluten (Brahman)
  • anante : im unendlichen (Ananta)
  • api : selbst (Api)
  • aṇu-mātra-bhedam : nur (Matra) eine winzige (Anu) Unterscheidung, Verschiedenheit (Bheda)
  • paśyati : wahrnimmt („sieht“, paś)
  • atha : dann (Atha)
  • amuṣya : ihm (Adas)
  • bhayam : (das wird) zum Schrecken (Bhaya)
  • tadā : sogleich („zu der Zeit“, Tada)
  • eva : genau (Eva)
  • yat : was (Yad)
  • vīkṣitam : er wahrgenommen („gesehen“, Vikshita) hat
  • bhinnatayā : als etwas (davon) Getrenntes (Bhinnata)
  • pramādāt : aufgrund von Unaufmerksamkeit (Pramada)     || 331 ||

Kommentar

Bist du jemand, der öfters Lampenfieber hat? Bist du jemand, der vielleicht vor einer Yogastunde oder wenn er einen neuen Kurs gibt, etwas Lampenfieber hat? Du hast Lampenfieber, wenn du unter Kollegen etwas sprichst oder wenn du eine Präsentation vor Kunden machst oder einen Vortrag geben sollst?
Du kannst hören, was Shankara dir empfiehlt:

Wann immer der Weise (besser wäre: der spirituelle Aspirant) nur den geringsten Unterschied in der Absoluten Wirklichkeit wahrnimmt, wird das, was als Unterschied durch Irrtum wahrgenommen wird, sofort zur Quelle der Angst für ihn.

Wenn du denkst, dass zwischen dir und deinen Zuhörern ein Unterschied ist, dann ist Angst da. Wenn du andere beeindrucken willst mit deinem Wissen, dann ist Angst da. Wie kannst du also Lampenfieber überwinden? Spüre Einheit.
Bevor du eine Yogastunde gibst, einen Vortrag hältst, eine Präsentation vor Kollegen oder Kunden machst, verbinde dich im Herzen mit den Herzen der anderen. Mache dir bewusst, dass wir alle Brahman sind. Wir sind alle eins mit dem Unendlichen. Spüre die Tiefe deiner Seele. Spüre die Tiefe der Seele der Anderen. Fühle dich eins und wenn du so eins bist, dann brauchst du keine Angst zu haben. Selbst wenn du irgendwelchen Unsinn erzählen magst, dann spielt es keine Rolle. Natürlich ist es wichtig, dass du dich vorbereitest. Ich sage ja immer, dass Emotionen Handlungsempfehlungen und Informationen mit Energie sind. Das Lampenfieber will dich darauf aufmerksam machen, dass da etwas Wichtiges ist. Es ist wichtig sich vorzubereiten. Es ist wichtig zu wissen, was zu tun ist. In diesem Sinne hat Lampenfieber auch etwas Gutes. Aber du brauchst das Lampenfieber nicht zur Angst werden zu lassen. Es ist eine Information, bereite dich vor. Mache deine Sache gut. Und dann ist es auch eine Aufforderung an dich, dich mit anderen zu verbinden. Spüre vom Herzen her die Einheit, mit der du gegenüber den anderen einen Vortrag geben wirst. Vom Herzen her spüre die Einheit, dich mit all denen zu verbinden, zu denen du sprechen wirst. Du bist das unsterbliche Selbst. Du bist der Atman. Die anderen sind es auch. Fühle die Einheit. Gehe mit Euphorie hinein.
Lampenfieber ist Aktivierung von Prana. Lampenfieber macht dich wach. Interpretiere es nicht als Angst, sondern als Wachheit und mit dieser Wachheit des Lampenfiebers verbinde dich mit allen anderen. Lass die kosmische Energie durch dich hindurch wirken, in dich hinein wirken, fühle dich mit allen verbunden. So wie Swami Sivananda auf seiner All-India-Tour 1950, als er durch ganz Indien gereist ist und täglich mehrere Vorträge gegeben hat vor bis zu mehreren Hunderttausend Menschen, die sich versammelt haben (Millionen haben ihn direkt erlebt), mal gesagt hat: „Sarvam kalvidam Brahman – alles ist wahrhaftig Brahman.“ Gott hat sich vor ihm ausgebreitet. Gott hat ihn inspiriert. Gott war der Sprecher. Gott war der Zuhörer. Es war einfach nur ein euphorisches Gemeinschaftsgefühl. Das kannst du auch im Kleinen haben. Freue dich über das nächste Lampenfieber und probiere aus, was ich dir geraten habe. Dann schreibe doch in einem Kommentar, wie das für dich gewirkt hat. Lass mich wissen, ob das hilfreich gewesen ist.

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