Viveka Chudamani – Vers 273

Deutsche Übersetzung:

273. Der betörende /himmlische Duft des Adlerholzes (Agaru) wird durch den schlechten Geruch verunreinigt, der vom faulen Wasser herrührt. Sobald man den fremden Geruch vertrieben hat, duftet das Holz wieder frisch und rein.

Sanskrit Text:

jalādi-saṃsarga-vaśāt prabhūta-
durgandha-dhūtāgaru-divya-vāsanā |
saṃgharṣaṇenaiva vibhāti samyag
vidhūyamāne sati bāhya-gandhe || 273 ||

जलादिसंसर्गवशात्प्रभूत-
दुर्गन्धधूतागरुदिव्यवासना |
संघर्षणेनैव विभाति सम्य-
ग्विधूयमाने सति बाह्यगन्धे || २७३ ||

jaladi-samsarga-vashat prabhuta-
durgandha-dhutagaru-divya-vasana |
sangharshanenaiva vibhati samyag-
vidhuyamane sati bahya-gandhe || 273 ||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • jalādi-saṃsarga-vaśāt : aufgrund (Vasha) des Kontakts (Samsarga) mit (schmutzigem) Wasser (Jala) usw. (Adi)
  • prabhūta-durgandha-dhūtāgaru-divya-vāsanā : der himmliche (Divya) Duft (Vasana) des Adlerholzes (Agaru), der von dem Gestank (Durgandha) verdeckt wurde („entfernt“, Dhuta), der entstanden ist (Prabhuta)
  • saṃgharṣaṇena : durch das Abreiben (Sangharshana)
  • eva : allein (Eva)
  • vibhāti : erscheint (vi + bhā)
  • samyak : (wieder) vollkommen (Samyak)
  • vidhūyamāne : sobald vertrieben (vi + dhū)
  • sati : ist („seiend“, Sat)
  • bāhya-gandhe : der überdeckende („äußere“, Bahya) Geruch (Gandha)     || 273 ||

Kommentar

Das ist ein schönes Beispiel von Shankara. Gut, du magst jetzt kein Adlerholz kennen (Agaru), und ich muss zugeben, ich kenne es auch nicht. Aber trotzdem ist das Beispiel gut, denn bestimmte Holzarten riechen gut und angenehm, aber wenn man sie in ein faules Wasser hineingibt, dann riecht es nachher faul. Wenn man dann das Verfaulte abwäscht, dann riecht es wieder gut.
So ähnlich ist es, du bist das unsterbliche Selbst. In diesem unsterblichen Selbst ist reine Freude. Dort ist reine Liebe. Dort ist Verbundenheit und alles Gute. Dieses reine Selbst mag vielleicht zwischendurch verunreinigt werden durch Emotionen, durch Gefühle, durch Schmerz usw. Aber das ist nur vorübergehend. Du musst dich davon lösen, dann bist du wieder voller Freude.
In diesem Sinne, wenn du ärgerlich bist, dann bist du nicht der Ärger, sondern dein Geist hat den Ärger. Im Chitta ist eine Vritti von Ärger entstanden, eine rajassige Vritti, eine rajassige Welle, die kommt und geht.
Ein anderes Beispiel ist, wenn du Lampenfieber hast. Du bist nicht das Lampenfieber. Es ist ein vorrübergehendes Gefühl, dass sich auf dich legt und kommt und geht. Du kannst mit allen Emotionen so umgehen. Du kannst dir bewusst machen, dass Emotionen wie Geruchswasser sind, das sich auf das Holz legt und vorrübergehend anders riecht. Aber wenn du das Geruchswasser wieder abwäschst, dann kommt der ursprüngliche Geruch durch. Und selbst wenn du es nicht abwäschst, verfliegt der Fremdgeruch von selbst. Angenommen du nimmst ein bisschen verfaultes Wasser und gibst es über ein Holz. Eine Weile riecht es unangenehm. Nach einer Weile ist das Wasser dann verdunstet, der Geruch ist weg und das Holz riecht wieder gut.
Genauso ist es bei dir. Es mag sein, dass du vorübergehend mal unangenehme Gefühle hast, Emotionen usw. aber das geht vorbei. Das nächste Mal, wenn du dich wieder über etwas ärgerst, wenn du dich ängstigst usw. sei dir bewusst, dass es wie der faule Geruch ist, der sich über ein Holz legt. Du könntest auch etwas tun und sagen: „Danke, liebes Unterbewusstsein, dass du mir diese Information gegeben hast, mit dieser Energie. Danke, dass du deshalb einen Ärger erzeugt hast, der mir zeigt, dass jemand sich nicht freundlich mir gegenüber verhalten hat. Danke und ich bin das unsterbliche Selbst und meine wahre Natur ist SeinWissenGlückseligkeit.“
In dem Moment, in dem du das sagst, ist schon der verfaulte Geruch weggewischt. Identifiziere dich nicht und dann fällt es dir leicht die oberflächlichen Flüssigkeiten, die sich festsetzen, die oberflächlichen Wellen in deinem Geist auflösen zu lassen. Du bist das unsterbliche Selbst, der Atman.

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