Viveka Chudamani – Vers 15

Deutsche Übersetzung:

15. Der nach der Wahrheit von Atman strebende Aspirant soll weiter über das Selbst nachdenken, sich im Selbst vertiefen, nachdem er einen spirituellen Meister aufgesucht hat, der Brahman verwirklicht hat und dessen Herz ein Ozean der Barmherzigkeit / Gnade/ Liebe ist.

Sanskrit Text:

ato vicāraḥ kartavyo jijñāsor ātma-vastunaḥ |
samāsādya dayā-sindhuṃ guruṃ brahma-vid-uttamam || 15 ||

अतो विचारः कर्तव्यो जिज्ञासोर् आत्मवस्तुनः |
समासाद्य दयासिन्धुं गुरुं ब्रह्मविदुत्तमम् || १५ ||

ato vicharah kartavyo jijnasor atma-vastunah |
samasadya daya-sindhum gurum brahma-vid-uttamam || 15 ||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • ataḥ : daher, deshalb (Atas)
  • vicāraḥ : das Verfahren (der Unterscheidung des Selbst vom Nichtselbst, Vichara)
  • kartavyaḥ : ist anzuwenden („ist zu machen“, Kartavya)
  • jijñāsoḥ : von einem Sucher (Jijnasu)
  • ātma-vastunaḥ : nach der Wirklichkeit (Vastu) des Selbst (Atman)
  • samāsādya : nachdem er aufgesucht hat („aufgesucht habend“, sam + ā + sad)
  • dayā-sindhum : der ein Ozean (Sindhu) an Mitgefühl (Daya) ist
  • gurum : einen Lehrer, Meister (Guru)
  • brahma-vid-uttamam :  einen vorzüglichen („besten“, Uttama) unter den Kennern des Absoluten (Brahmavid)     || 15 ||

Kommentar

Wenn du jetzt immer noch zu hörst, dann bist Du ziemlich sicher, ein nach der Wahrheit des Selbst strebender Aspirant. Damit richten sich die Worte von Shankaracharya direkt an Dich.
Laut Shankaracharya sollst Du über das Selbst nachdenken und Dich fragen „Wer bin ich?“.
In späteren Versen wird er darüber genauer nachdenken und Dich anleiten.
Du sollst Dich in das Selbst vertiefen. Du kannst nachdenken und die Vertiefung in das Selbst ist letztlich auch eine Form der Meditation. Meditiere, gehe in die Meditation, löse Dich von allem Äußeren. Lasse in der Meditation alles andere los, gehe in das Selbst.

Es gibt viele Meditationstechniken, zum Beispiel Mantrameditation, Energiemeditation, Eigenschaftsmeditation, Achtsamkeitsmeditation und Hunderttausend andere. Patanjali sagt: „Meditiere so, wie es dir liegt.
Gehe immer wieder während der Meditation tief in das Selbst hinein. Sei es in dein Herz oder durch die Ausdehnung Deines Bewusstseins. Spüre, Du selbst als Selbst, bist unendlich und ewig. Es gibt nichts, was Du nicht wärst

Meditiere in diesem Sinne über dein höchstes Selbst und erfahre Deine wahre Natur.
Wie machst du das? – Indem du den Lehren der Meister folgst. Suche einen spirituellen Meister auf.

Was sind die Charakteristiken eines Meisters? – Zunächst hat er Brahman verwirklicht, das höchste Selbst, die höchste Wirklichkeit, und sein Herz ist ein Ozean der Barmherzigkeit.
Wenn du bei einem Meister bist, der nur streng ist, hat er sich vermutlich nicht voll verwirklicht. Denn die Verwirklichung geht einher mit der Tiefe, Liebe, Barmherzigkeit, Mitgefühl zu anderen Geschöpfen. Vielleicht hast Du das Glück, einen selbstverwirklichen Meister zu haben. Selbst wenn du keinen lebenden selbstverwirklichen Meister hast, kannst Du Dich dennoch auf große Meister wie Shankaracharya oder Swami Sivananda beziehen, Dich ihnen geistig zu Füßen legen, ihre Werke studieren. Und – wie Du es jetzt auch machst – Dir Viveka Chudamani Vorträge anhören oder auch Internetseiten über die Viveka Chudamani studieren.

Dieser Vortrag ist ein Teil der großen Yoga Vidya Seite über Viveke Chudamani. Wenn Du zum Beispiel die Yoga Vidya Seite, www.yoga-vidya.de, besuchst und dort nach Viveka Chudamani suchst, dann findest Du alles, was Du dazu wissen musst. Um auf dem Weg der Erkenntnis tiefer zu gehen, steht Dir dort zu jedem Vers ein Vortrag als Audio, Video oder Text – mit Wort für Wort Übersetzung, Übersetzung und in Sanskrit – zur Verfügung.
Strebe nach Wahrheit. Mache Dir bewusst, dass das Streben nach Wahrheit besonders wichtig ist. Denke über das Selbst nach. Frage Dich „Wer bin ich?“. Meditiere, indem Du dich im Selbst versenkst und folge den Lehren der Meister.

Audio

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2 Gedanken zu „Viveka Chudamani – Vers 15“

  1. Das Herz des Erwachten ist ein Ozean der Barmherzigkeit, Gnade und Liebe. Ein wunderbares Bild. Der große Mystiker und Dichter Rumi sagte: „Oh Allah, zerbrich mein Herz, und schaffe einen neuen Raum, der grenzenlose Liebe zu halten vermag“

  2. Ich bin ich und ich bin alles rund um mich und ich bin gleichzeitig nichts das man fassen kann. Ich bin die ich bin, vollkommen zeitlos, ein gütig weises Gefühl, wohlige Wärme und das ewige Leuchten meines Seins. Alt wie das Universum und gleichzeitig ebenso jung. Pulsierende Energie in ihrer reinsten Form.

    Jedoch vereint sich in mir alles – und erst das macht mich vollkommen. Die Dunkelheit in mir ist voller Licht, das Licht ist voller Dunkelheit, das Böse steht neben dem Guten und das was ich bin, darf und muss sich täglich aus sich selbst heraus neu entscheiden, was von den beiden Gegensätzen es wählt, denn es ist zu jedem Zeitpunkt alles gleichzeitig in mir vorhanden.

    Alles was ich gerade jetzt bin ist wohlwollende Liebe, die Liebe zu mir selbst und zu allem Sein und diese Liebe ist dennoch selbstlos. Sie will nichts und sie braucht nichts, sie gibt nichts und sie erwartet nichts, aber sie ist da – für dich und für mich und für alles – und sie strahlt in die Unendlichkeit wie ein Versprechen auf Beständigkeit in alle Zeiten.

    So schließt sich der Kreislauf meines Seins und erst dadurch kann ich mich in allem wiedererkennen, das rund um mich existiert. Nur so bin ich ich und nur so kann ich auch alles rund um mich und gleichzeitig ebenso nichts sein, das man fassen kann, sondern ausgedehnt ins Unendliche, überall und nirgendwo zugleich, aber immer kraftvoll und in liebender Güte und umfassendem Verständnis für alles was erschaffen wurde, ein leuchtender majestätischer Zustand und das Gefühl, einfach existent zu sein.

    Vom Anbeginn aller Zeiten, für alle Zeiten, bis in alle Ewigkeiten.

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