Viveka Chudamani – Vers 396

Deutsche Übersetzung:

396. Überwinde mit aller Kraft die Wünsche, die aus der Identifikation mit dem unreinen grobstofflichen Körper entstanden sind. Überwinde auch die Identifikation mit dem feinstofflichen Körper, der dem unsichtbaren Wind gleicht. Erkenne das was in den Veden als das Wesen ewiger Glückseligkeit beschrieben wird, deine eigene wahre Natur ist – verwirkliche das Absolute (brahman) in dir.

Sanskrit Text:

jahi mala-maya-kośe’haṃ-dhiyotthāpitāśāṃ
prasabham anila-kalpe liṅga-dehe’pi paścāt |
nigama-gadita-kīrtiṃ nityam ānanda-mūrtiṃ
svayam iti paricīya brahma-rūpeṇa tiṣṭha || 396 ||

जहि मलमयकोशे ऽहंधियोत्थापिताशां
प्रसभमनिलकल्पे लिङ्गदेहे ऽपि पश्चात् |
निगमगदितकीर्तिं नित्यमानन्दमूर्तिं
स्वयमिति परिचीय ब्रह्मरूपेण तिष्ठ || ३९६ ||

jahi mala-maya-koshe’han-dhiyotthapitasham
prasabham anila-kalpe linga-dehe’pi pashchat |
nigama-gadita-kirtim nityam ananda-murtim
svayam iti parichiya brahma-rupena tishtha || 396 ||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • jahi : vernichte („zerschlage“, han)
  • mala-maya-kośe : in die (grobstoffliche Körper-)Hülle (Kosha), die aus Unrat (Mala) gemacht ist (Maya)
  • ahaṃ-dhiyā : (die) durch die Ich-Identifikation (Ahandhi)
  • utthāpitāśām : hervorgebrachte (Utthapita) Erwartung (Asha)
  • prasabham : entschlossen („gewaltsam“, Prasabha)
  • anila-kalpe : der dem Wind (Anila) gleicht (Kalpa)
  • liṅga-dehe : in den feinstofflichen Körper (Lingadeha)
  • api : auch (Api)
  • paścāt : danach (Pashchat)
  • nigama-gadita-kīrtim : von dessen Ruhm (Kirti) in den Veden (Nigama) gesprochen wird (Gadita)
  • nityam : als das Ewige (Nitya)
  • ānanda-mūrtim : dessen Substanz („Gestalt“, Murti) Glückseligkeit (Ananda) ist
  • svayam : (dich) selbst (Svayam)
  • iti : („so“, Iti)
  • paricīya : indem du erkannt hast („gewonnen habend“, pari + ci)
  • brahma-rūpeṇa : als („in Form“, Rupa) das Absolute (Brahman)
  • tiṣṭha : lebe („weile“, sthā)     || 396 ||

Kommentar

Wünsche zu haben, heißt unvollkommen zu sein. Du denkst du brauchst etwas. Diese Vorstellung, dass du etwas brauchst ist irrtümlich. Deshalb überwinde die Wünsche. Man kann sagen, dass die Wünsche auf einer relativen Ebene einen gewissen Sinn haben. Ich sage gerne, dass Wünsche Handlungsempfehlungen mit Energie in der äußeren Welt sind. Wünsche sagen dir, wann es Zeit ist Flüssigkeit zu dir zu nehmen. Wann es Zeit ist, zu essen. Wünsche sagen dir, wann es gut ist, dich anzuziehen usw.
Die Ursprünge der Wünsche sind zunächst einmal hilfreich für den physischen Körper. Aber die Wünsche verselbstständigen sich irgendwann und du willst immer mehr. Hier kannst du deinen Wünschen sagen: Danke für die Handlungsempfehlung. Danke – aber das heißt nicht, dass du ihnen folgen musst. Höre auf, Wünsche sofort zum Anlass zu nehmen, etwas zu tun oder frustriert zu sein! Lächele über deine Wünsche! Du selbst bist nicht deine Wünsche. Wünsche sind Handlungsempfehlungen mit Energie. Du hast deinen Körper. Für diesen Körper hast du eine gewisse Verantwortung. Der Körper ist Teil dieser Lila, dieses kosmischen Spiels, Teil des Raumes Gottes. Aber identifiziere dich weder mit den Wünschen noch mit deinen Gedanken, Emotionen, dem Astralkörper. Man könnte sagen der physische Körper ist wie dein Kostüm, was du in dieser Welt hast, um in diesem kosmischen Drama zu spielen. Deine Psyche ist so etwas wie die Rolle, die du hast, um letztlich in dieser Rolle in diesem Kostüm zu handeln. Aber du selbst bist weder die Rolle noch das Kostüm. Du bist das unsterbliche Selbst, der Atman.
Mache dir öfters bewusst: Nicht ich bin Vata, Pitta, Kapha, sondern da ist ein Temperament, mit dem ich wirke und mit dem ich die Welt wahrnehme und in die Welt hinein handle. Das ist die Welle, aus der ich handele, aber nicht ich bin energetisch, feurig, luftig, introvertiert, extrovertiert usw. Das sind alles Eigenschaften des Feinstoffkörpers. Ich selbst bin das unsterbliche Selbst. Mache dir das immer wieder bewusst. Löse dich von Identifikationen! Erfahre dich als das höchste Selbst!

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