Viveka Chudamani – Vers 163

Deutsche Übersetzung:

163. So wie dir niemals in den Sinn käme, dich für den Schatten des Körpers oder für das Spiegelbild des Körpers, oder für den Körper im Traum oder in Gedanken zu halten, so darfst du dich auch nicht mit dem lebenden Körper (jivat sharira) identifizieren.

Sanskrit Text:

chāyā-śarīre pratibimba-gātre
yat svapna-dehe hṛdi kalpitāṅge |
yathātma-buddhis tava nāsti kācij
jīvac-charīre ca tathaiva māstu || 163 ||

छायाशरीरे प्रतिबिम्बगात्रे
यत्स्वप्नदेहे हृदि कल्पिताङ्गे |
यथात्मबुद्धिस्तव नास्ति काचि-
ज्जीवच्छरीरे च तथैव मास्तु || १६३ ||

chhaya-sharire pratibimba-gatre
yat svapna-dehe hridi kalpitange |
yathatma-buddhis tava nasti kachij
jivach-chharire cha tathaiva mastu || 163 ||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • chāyā-śarīre : in bezug auf den Schatten (Chhaya, deines) Körpers (Sharira)
  • pratibimba-gātre : in bezug auf das Spiegelbild (Pratibimba, deines) Körpers (Gatra)
  • yat : oder etwa („was“, Yad)
  • svapna-dehe : in bezug auf (deinen) Körper (Deha) im Traum (Svapna)
  • hṛdi : im Geiste („Herzen“, Hrid)
  • kalpitāṅge : (oder) in bezug auf einen imaginierten (Kalpita) Körper (Anga)
  • yathā : so wie (Yatha)
  • ātma-buddhiḥ : Vorstellung (Buddhi) vom Selbst (Atman)
  • tava : dir (Tvad)
  • na : nicht (Na)
  • asti : (in den Sinn) kommt („ist“, Asti)
  • kā-cit : irgendeine (Ka + Chid)
  • jīvac-charīre : in bezug auf den lebendigen (Jivat) Körper (Sharira)
  • ca : auch (Cha)
  • tathā : derselben Weise (Tatha)
  • eva : (in) ganz (Eva)
  • mā : nicht (Ma)
  • astu : soll (eine solche Vorstellung) existieren (as)     || 163 ||

Kommentar

Du kannst die Analogie gerade mal überlegen. Du siehst hinter dir einen Schatten oder du siehst vor dir einen Schatten. Der Schatten bewegt sich. Der Schatten, wenn du denkst, ich bewege den Kopf, bewegt sich auch der Schatten. Wenn du denkst, ich bewege die Arme, dann bewegen sich auch die Arme des Schattens. Bist du deshalb der Schatten?
Nein natürlich nicht. Du weißt: Der Schatten ist einfach etwas, was kommt durch den Körper. Sonnenlicht projiziert den Körper als Schatten zum Beispiel auf den Boden vor dir oder zur Wand. Oder genau so, angenommen du schaust in den Spiegel, dann siehst du im Spiegel siehst du ein Spiegelbild eines Körpers. Wenn dir der Körper dann nicht gefällt, wirst du den Spiegel nicht boxen. Du weißt: Ich bin nicht das Spiegelbild.
Oder angenommen du wachst morgens auf und du hattest im Traum irgendwo schwere Rückenschmerzen, dann wirst du dir jetzt keine Sorgen mehr machen. Du sagst: Es war nur ein Traum. Und was im Traum passiert ist, dass ist nicht so wichtig. Es ist unerheblich. Es spielt keine Rolle. Auf diese Weise ist auch letztlich der Körper wie ein Spiegelbild, ein Schatten deiner Seele. Du bist nicht der Körper, auch wenn der Körper sich bewegt. Auch wenn du den Körper siehst. Auch wenn du den Körper fühlst. Du bist trotzdem nicht der Körper. Der Körper ist wie ein Schatten von dir. Er ist wie ein Spiegel von dir. Aber du bist nicht der Körper.
Denke nach über diese Analogie – Körper als Spiegel deiner Selbst – Körper als Schatten deiner Selbst.
Oder das alle beste Beispiel ist sicherlich: Der Traum. Wenn du aufwachst, erkennst du: Ich bin nicht der Körper des Traumes. Und so ähnlich auch, wenn du morgens aufwachst, dann sage dir oder wenn du abends zu Bett gehst sage dir auch: Ich bin nicht der Körper. So wie ich jetzt das Körperbewusstsein verlieren werde beim Einschlafen und so wie ich morgens aufwachen werde und das Traumkörperbewusstsein verlieren werde, bin ich weder der Wachkörper noch der Traumkörper.

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