Viveka Chudamani – Vers 152

Deutsche Übersetzung:

152. Um sich von der Bindung zu befreien, muss der Weise zwischen dem Selbst und dem Nicht-Selbst unterscheiden. Erst dann wird er glücklich, wenn er erkennt, das Selbst zu sein, absolutes Sein, Wissen und Glückseligkeit.

Sanskrit Text:

ātmānātma-vivekaḥ
kartavyo bandha-muktaye viduṣā |
tenaivānandī bhavati
svaṃ vijñāya sac-cid-ānandam || 152 ||

आत्मानात्मविवेकः
कर्तव्यो बन्धमुक्तये विदुषा |
तेनैवानन्दी भवति
स्वं विज्ञाय सच्चिदानन्दम् || १५२ ||

atmanatma-vivekah
kartavyo bandha-muktaye vidusha |
tenaivanandi bhavati
svam vijnaya sach-chid-anandam || 152 ||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • ātmānātma-vivekaḥ : die Unterscheidung (Viveka) zwischen Selbst (Atman) und Nichtselbst (Anatman)
  • kartavyaḥ : ist zu praktizieren („zu machen“, Kartavya)
  • bandha-muktaye : für die Befreiung (Mukti) aus der Gefangenschaft („Bindung“,  Bandha)
  • viduṣā : von einem Weisen (Vidvams)
  • tena : dadurch (Tad)
  • eva : nur (Eva)
  • ānandī : glückselig (Anandin)
  • bhavati : wird er (bhū)
  • svam : das Selbst (Sva)
  • vijñāya : indem er erkennt („erkannt habend“, vi + jñā)
  • sac-cid-ānandam : als Sein, Bewusstsein und Glückseligkeit (Sachchidananda)     || 152 ||

Kommentar

Hier beschreibt Shankara also Atma, Anatma, Viveka. Die Unterscheidung, Viveka zwischen dem Selbst, Atman und dem Nichtselbst, Anatman.

Und er sagt Kartavia, das solltest du praktizieren, das ist zu machen. Karta hat etwas mit Tun zu tun, Krieg, Karma, Kartavia. Das solltest du machen. Unterscheide zwischen dem Selbst und dem Nichtselbst. Und wozu ist das gut? Und hier sagt er: Banda muktaiye, für die Befreiung, Mukti aus der Gefangenschaft, Bindung, Banda.

Und zwar sollte das gemacht werden von einem Weisen, einem Vidva. Also wenn du etwas erreichen willst dann werde ein Weiser. Und als Weiser unterscheide dann zwischen dem Selbst und dem Nichtselbst. Und dann sagt er Tena, dadurch, eva, nur dadurch anandi, wirst du zu einem Glückseligen. Ananda ist Freude, Anandi ist derjenige, der Freude erfährt. Bhavati, dadurch wirst du Swam, das Selbst, Vignjaja wird erkannt.

Also, indem du das Selbst erkennst, wirst du glückselig. Denn das Selbst ist Sat, Chit, Ananda – Sein, Wissen und Glückseligkeit.

Warum ist das Selbst Sein, Wissen und Glückseligkeit? Da gibt es verschiedene Überlegungen. All das, was du beobachten kannst, bist du nicht. Logischerweise kannst du auch keine Grenzen sein. Denn alle Grenzen sind beobachtbar.

Wenn du siehst, der Körper beginnt hier vorne oder hinten oder links oder rechts, das sind Grenzen. Du bist nicht die Grenzen. Du bist nicht das, was begrenzt ist. Du bist das unendliche Selbst. Daher alles, was begrenzt ist, das bist du nicht.

Also musst du unbegrenzt sein, unendliches Sein. Weil du unbegrenzt bist, bist du auch nicht sterblich. Also brauchst du auch keine Angst vor dem Tod zu haben. Nur das Begrenzte kann vergehen. Das Unbegrenzte kann nicht vergehen. Und du bist reines Bewusstsein, Chit. Du bis nicht die Emotionen, derer du bewusst sein kannst. Du bist nicht die Gedanken, derer du bewusst sein kannst. Dein Bewusstsein ist immer da. Egal ob Gedanken da sind, weniger Gedanken da sind, mehr Gedanken da sind, freundliche Gedanken da sind. Du bist immer da als Bewusstsein.

Und du bist Ananda. Denn, wenn du aufhörst begrenzt zu sein, wenn du wirklich dich als unbegrenztes Sein erlebst, wenn du nicht mehr dich begrenzt durch Emotionen und Gedanken, wenn du reines Bewusstsein bist, da ist reine Freude. Du brauchst nichts, um glücklich zu sein. Äußere Dinge machen dich weder glücklich noch unglücklich. Äußere Dinge sind da oder nicht da. Erfahre dich immer wieder als Sein, Wissen und Glückseligkeit.

Wie machst du das? Zwischendurch beobachte den Körper und sage neti neti, nicht dies nicht das. Ich bin das unsterbliche Selbst. Wenn Emotionen da sind, sei dir bewusst, ich bin nicht die Emotionen.

Du kannst ja auch sagen auf einer oberflächlichen Ebene fühle ich mich begrenzt. Auf einer oberflächlichen Ebene manifestieren sich Emotionen. Aber in der Tiefe meines Wesens bin ich jetzt und in jeder Zeit eins mit dem Unendlichen.

Und auch, wenn ich jetzt Schmerzen erfahre und Emotionen da sind. In der Tiefe meines Wesens bin ich jetzt und jederzeit Freude. Und auch wenn ich mich jetzt getrennt fühle von anderen in der Tiefe meines Wesens bin ich eins und verbunden mit allen.

Du könntest auch die Wahrnehmungen als wichtige Wahrnehmungen ansehen. Ich habe da einen etwas anderen Ansatz als Shankara, zugegebenermaßen. Shankara will uns lösen von Identifikationen indem er sagt, es ist schlimm. Mein Ansatz ist durchaus eher zu sagen alle Emotionen, alle Gedanken mögen auch ihre Funktion haben, mögen einen Sinn haben.

Aber du bist nicht darauf begrenzt. Erkenne deine Emotionen als Informationen und Handlungsempfehlungen mit Energie. Aber du bist reine Freude. So ähnlich, angenommen, du wärst der Chef und dann kommen alle möglichen Mitarbeiter aufgeregt zu dir hin. Du bist der Chef. Wenn die sich über alles mögliche beschweren, du musst dich darum nicht kümmern. Du kannst, aber du musst nicht.

Du bist das unsterbliche Selbst. Deine Mitarbeiter, Angst, Ärger, Depressionen, Neid, Eifersucht, Vorstellungen, Wünsche, usw. kommen dort hin. Aber du bist das unsterbliche Selbst. Praktiziere das immer wieder.

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