Viveka Chudamani – Vers 269

Deutsche Übersetzung:

269. Um dein inneres Selbst zu verstehen, als ein Zeuge deines Intellekts und seinen Abwandlungen und bei immerwährender Aufrechthaltung des Gedankens „dies bin ich“ (so’ham), besiege deine Identifikation mit dem Nicht-Selbst (anatman).

Sanskrit Text:

jñātvā svaṃ pratyag-ātmānaṃ buddhi-tad-vṛtti-sākṣiṇam |
so’ham ity eva sad-vṛttyānātmany ātma-matiṃ jahi || 269 ||

ज्ञात्वा स्वं प्रत्यगात्मानं बुद्धितद्-वृत्तिसाक्षिणम् |
सो ऽहमित्येव सद्-वृत्त्यानात्मन्यात्ममतिं जहि || २६९ ||

jnatva svam pratyag-atmanam buddhi-tad-vritti-sakshinam |
so’ham ity eva sad-vrittyanatmany atma-matim jahi || 269 ||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • jñātvā : nachdem du erkannt hast („erkannt habend“, jñā)
  • svam : dich selbst (Sva)
  • pratyag-ātmānam : als das innere Selbst (Pratyagatman)
  • buddhi-tad-vṛtti-sākṣiṇam : den Zeugen (Sakshin) des Geistes („Intellekts“, Buddhi) und seiner (Tad) Funktionen (Vritti)
  • saḥ : der („dieser“, Tad)
  • aham : (bin) ich (Aham)
  • iti : des Inhalts („so“, Iti)
  • eva : nur (Eva)
  • sad-vṛttyā : mit dem der Realität entsprechenden („seienden“, Sat) Gedanken (Vritti)
  • anātmani : mit dem („auf das“) Nichtselbst (Anatman)
  • ātma-matim : die Selbst-Identifikation (Atmamati)
  • jahi : besiege ( „zerschlage“, han)     || 269 ||

Kommentar

Shankara spricht hier von jahi. Jahi heißt, besiege atma-matim, die Identifikation (matim) mit dem, was du denkst, dass du es bist, atma (deines Selbst) mit anatmani (mit dem auf das Nichtselbst). Und wie überwindest du diese Identifikation mit dem Nichtselbst? Du überwindest sie, indem du eva (nur) immer wieder sagst: soham, das bin ich. Aham, ich bin das Unendliche und das Ewige. Und wie erreiche ich das?
Indem ich Sakshi bin. Sakshi heißt der Zeuge, der Beobachter, Zeuge von Buddhi, vom Intellekt. Sei der Zeuge von Vritti, allen Gedanken, die kommen mögen. Warum sollte man das tun?
Man sollte innerlich erkannt haben (jnatva), dass du selbst (svam) das innere Selbst (Pratyagatman) bist.
Du hast jetzt schon vieles über Vedanta und Jnana Yoga gehört. Du hast vermutlich für dich erkannt, dass es schon richtig ist, dass du das Höchste Selbst bist. Wie kommst du dorthin? Indem du dich von den Identifikationen löst.
Wie löst du dich von den Identifikationen? Du löst dich indem du beobachtest. Und das möchte ich dir für den heutigen oder morgigen Tag empfehlen.

Sei dir bewusst, dass der Atem einströmt und ausströmt. „Ich bin etwas anderes. Ich kann den Atem steuern.“ Du kannst ihn langsamer und tiefer oder schneller und flacher machen. Aber der Atem läuft auch ohne dein Zutun ab. Du bist nicht der Atem. So ähnlich auch kannst du einen Schlüssel heben und senken. Aber auch ohne dass ich etwas tue, fällt der Schlüssel auf den Boden. Ich bin nicht der Schlüssel und nicht der Prozess des Aufhebens. So ähnlich ist es auch: Ich esse, ich verdaue, ich scheide aus. Aber nicht ich esse, nicht ich verdaue, nicht ich scheide aus. Der Körper macht all das. Du hast einen gewissen Einfluss auf den Körper, aber nur einen beschränkten Einfluss auf den Körper. Du bist nicht der Körper.

Genauso kommen die Gedanken und sie gehen wieder. Du hast einen gewissen Einfluss auf die Gedanken, kannst etwas tun, um die Gedanken zum Stillstand zu bringen. Trotzdem bist du nicht die Gedanken. Neti-Neti, nicht Dies, nicht Dies.
Oder wenn du Emotionen hast und plötzlich Ärger verspürst. Mache dir bewusst, dass Ärger kommt und wieder geht. Du kannst etwas tun, um den Ärger wieder zu reduzieren, aber der Ärger vergeht auch ohne, dass du etwas tust. Du bist nicht der Ärger.
Beobachte das. Entwickle Sakshi, die Einstellung eines Beobachters, und überwinde so alle Identifikationen.

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