Viveka Chudamani – Vers 220

Deutsche Übersetzung:

220. Ebenso wenn man den Körper, das Intellekt und die Reflexion des Bewusstseins darin beiseite lässt, erkennt man vollständig das eigene wahre Wesen, den in der Intuition, im Herzen versteckten Seher, das Selbst, das ungeteilte Bewusstsein, das alles erleuchtet. Es unterscheidet sich/ es ist verschieden vom Sichtbaren und vom Unsichtbaren, ewig, allmächtig, allgegenwärtig, alles durchdringend und sehr subtil. Es hat weder Innenraum noch Äußere und ist identisch mit der Höchsten Wirklichkeit/ Brahman.

Sanskrit Text:

dehaṃ dhiyaṃ cit-pratibimbam evaṃ
visṛjya buddhau nihitaṃ guhāyām |
draṣṭāram ātmānam akhaṇḍa-bodhaṃ
sarva-prakāśaṃ sad-asad-vilakṣaṇam || 220 ||

देहं धियं चित्प्रतिबिम्बमेवं
विसृज्य बुद्धौ निहितं गुहायाम् |
द्रष्टारमात्मानमखण्डबोधं
सर्वप्रकाशं सदसद्विलक्षणम् || २२० ||

deham dhiyam chit-pratibimbam evam
visrijya buddhau nihitam guhayam |
drashtaram atmanam akhanda-bodham
sarva-prakasham sad-asad-vilakshanam || 220 ||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • deham : vom Körper (Deha)
  • dhiyam : vom Intellekt (Dhi)
  • cit-pratibimbam : von der Reflektion (Pratibimba) des (höchsten) Bewusstseins (Chit)
  • evam : ebenso, in derselben Weise (Evam)
  • visṛjya : (wenn man) sich gelöst hat („losgelassen habend“, vi + sṛj)
  • buddhau : im Intellekt (Buddhi)
  • nihitam : verborgenen (Nihita)
  • guhāyām : im Herzen („Höhle“, Guha)
  • draṣṭāram : (und) den Seher (erfährt, Drashtri)
  • ātmānam : das Selbst (Atman)
  • akhaṇḍa-bodham : (als) vollkommene, ununterbrochene (Akhanda) Erkenntnis (Bodha)
  • sarva-prakāśam : das alles (Sarva) erhellt, sichtbar macht (Prakasha)
  • sad-asad-vilakṣaṇam : verschieden (Vilakshana) vom Manifesten („Seienden“, Sat) und Unmanifesten („Nichtseienden“, Asat) …*     || 220 ||

*Anmerkung: Der in diesem Vers beginnende Satz wird in den beiden folgenden Versen (221 und 222) fortgesetzt.

Kommentar

Was ist das Selbst? Wer bist du wirklich? Shankara sagt, es ist verschieden, also es ist verschieden vom Körper (deha). Es ist verschieden vom Intellekt (Dhi). Es ist verschieden von der Reflektion des höchsten Bewusstseins. Man muss sich losgelöst haben (visrjya). Losgelöst (vi-sri) haben vom Intellekt (buddhau). Wenn man sich vom Intellekt losgelöst hat, dann erkennt man das Selbst als verschieden vom Körper und der Psyche. Und dann erkennt man dieses ganz verborgen (nihita) im Herzen (guhaya) in der Höhle, in der Tiefe und dort ist der Seher (Drashtri) und dieser Seher ist das Selbst (Atman). Er ist ununterbrochen (Akahanda) und reine Erkenntnis (bodha) und dieses Selbst (Sarva-Prakasam) erhellt alles, prakasha macht sichtbar oder ist das Licht von allem. Und dieses ist verschieden (vilaksana) von allem Manifesten und allem Unmanifesten.
Denke darüber nach, lass diese Worte auf dich wirken. Lasse Körper und Intellekt und die Reflektion des Bewusstseins als Individuum beiseite. Gehe tief in dein Herz. Erfahre dich dort als reines Bewusstsein. Mit diesem Bewusstsein nimmst du alles andere wahr. Aber du bist nicht auf irgendetwas begrenzt.

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