Viveka Chudamani – Vers 559

Deutsche Übersetzung:

559. Das Aufgeben von Körper, Wanderstab und Wasserkrug ist an sich noch keine Befreiung. Wer immer aber den Knoten der Unwissenheit im Herzen löst, ist befreit.

Sanskrit Text:

dehasya mokṣo no mokṣo na daṇḍasya kamaṇḍaloḥ |
avidyā-hṛdaya-granthi-mokṣo mokṣo yatas tataḥ || 559 ||

देहस्य मोक्षो नो मोक्षो न दण्डस्य कमण्डलोः |
अविद्याहृदयग्रन्थिमोक्षो मोक्षो यतस्ततः || ५५९ ||

dehasya moksho no moksho na dandasya kamandaloh |
avidya-hridaya-granthi-moksho moksho yatas tatah || 559 ||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • dehasya : des Körpers (Deha)
  • mokṣaḥ : das Aufgeben (Moksha)
  • no : nicht (No)
  • mokṣaḥ : die Erlösung (ist, Moksha)
  • na : (auch) nicht (Na)
  • daṇḍasya : des Bettelstabs (Danda)
  • kamaṇḍaloḥ : (oder) des Wasserkrugs (Kamandalu)
  • avidyā-hṛdaya-granthi-mokṣaḥ : (ist) das Lösen (Moksha) des in der Unwissenheit (bestehenden, Avidya) Knotens (Granthi) im Herzen (Hridaya)
  • mokṣaḥ : die Erlösung
  • yataḥ : weil (Yatas)
  • tataḥ : deshalb (Tatas)     || 559 ||

Kommentar

Manche Menschen hängen zu sehr am Aufgeben. Sie wollen dieses und jenes aufgeben und anderes auch noch aufgeben. Ständig sprechen sie davon, was sie alles aufgeben wollen. Es sind aber nicht die äußeren Dinge, die so wichtig sind aufzugeben, sondern es gilt den Knoten der Unwissenheit aufzugeben.
Du kannst durchaus ein Haus haben, Familie haben, du kannst gutes Essen haben, Sexualität leben, erfolgreich im Beruf sein und trotzdem auf dem spirituellen Weg gut voranschreiten.
Wichtig ist, dass du erkennst, dass der Körper und die Psyche nur Instrumente sind. Das bist du nicht wirklich. Das ganze Leben ist wie eine Traumwelt. Hinter allem ist die eine unendliche Wirklichkeit. So ähnlich vielleicht auch wie du mit deinen Kindern gespielt hast oder spielst. Vielleicht spielst du zusammen Indianer und Cowboy. Vielleicht spielst du irgendwelche anderen Spiele oder vielleicht hast du auch schon mal solche Computerspiele gespielt, bei denen du dir einen eigenen Avatar, eine eigene virtuelle Persönlichkeit zulegst. Du spielst all das, du bist es nicht. Solange du dich dabei nicht identifizierst, ist alles in Ordnung. So spiele die Rollen, die du zu spielen hast, gib nicht die Rollen vorschnell auf. Erfülle deine Rollen und Pflichten. Aber sei dir bewusst, dass du weder die Aufgaben noch die Pflichten bist. Du bist das unsterbliche Selbst, der Atman. Und selbst wenn du einiges aufgegeben hast, dann sei dir bewusst, dass danach wieder etwas in dich hineinkommt. So wie die Geschichte von einem König namens Bharata zeigt.
Er hatte sein Königreich gut regiert, lange Zeit gelebt und jetzt die große Sehnsucht entwickelt, Gott zu verwirklichen. Also hat er sein Königreich aufgegeben und gedacht, dass er durch das Aufgeben des Königreiches zur Verwirklichung kommen würde. Er zog in eine kleine Einsiedelei. In dieser Einsiedelei lebte er von den Früchten, die der Wald ihm gab und dem einen oder anderen, was die Bewohner der Gegend ihm brachten. Ansonsten meditierte er viel, las die Schriften und machte große Fortschritte auf dem Weg.
Aber eines Tages sah er ein Reh, was offensichtlich keine Mutter mehr hatte. Er adoptierte dieses Rehkitz und zog es groß. Er entwickelte Verhaftung an das Rehkitz. Er hatte sein ganzes Königreich aufgegeben, aber an das Rehkitz war er jetzt verhaftet. Und in der letzten Stunde seines Lebens dachte er nur an sein Rehkitz und anstatt, dass er in der Stunde seines Todes die Gottverwirklichung erreichte, wurde er im nächsten Leben zu einem Reh. Er musste danach noch ein weiteres Leben haben, um zu verwirklichen. Selbst wenn du also alles aufgibst, sofort identifiziert sich der Geist mit etwas anderem. Es ist nicht so wichtig alles andere aufzugeben. Es ist wichtig Verhaftungen aufzugeben und das höchste Wissen zu erlangen. Das höchste Wissen ist Aham Brahma asmi. Ich bin Brahman. So löse Avidya Hridaya Granthi auf, den Knoten (Granthi) des Unwissens (Avidya) im Herzen (Hridaya).

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