Viveka Chudamani – Vers 478

Deutsche Übersetzung:

478. Wenn der Schüler aus Erfahrung das eigene ungeteilte Selbst (atman) selbst erkennt, ist er selbstverwirklicht und lebt in der Essenz mit dem Selbst im Selbst, das frei von jeglichem Konzept der Dualität ist.

Sanskrit Text:

svānubhūtyā svayaṃ jñātvā svam ātmānam akhaṇḍitam |
saṃsiddhaḥ saṃmukhaṃ tiṣṭhen nirvikalpātmanātmani || 478 ||

स्वानुभूत्या स्वयं ज्ञात्वा स्वमात्मानमखण्डितम् |
संसिद्धः संमुखं तिष्ठेन्निर्विकल्पात्मनात्मनि || ४७८ ||

svanubhutya svayam jnatva svam atmanam akhanditam |
samsiddhah sammukham tishthen nirvikalpatmanatmani || 478 ||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • svānubhūtyā : durch eigene (Sva) Erfahrung (Anubhuti)
  • svayam : selbst (Svayam)
  • jñātvā : erkennend („erkannt habend“, jñā)
  • svam : sein eigenes (Sva)
  • ātmānam : Selbst (Atman)
  • akhaṇḍitam : unverletzliches („unzerbrechliches“, Akhandita)
  • saṃsiddhaḥ : glückselig (Samsiddha)
  • saṃmukham : im Angesicht, in Gegenwart (Sammukha)
  • tiṣṭhet : man verweile (sthā)
  • nirvikalpātmanā : mit einem Geist (Atman) frei von Dualität („nicht differenziert“, Nirvikalpa)
  • ātmani : des Selbst (Atman)     || 478 ||

Kommentar

Erfahre dein höchstes Selbst. Erfahre dein wahres Selbst. Verwirkliche deine wahre Natur. Darum geht es im Leben. Das ist Ziel und Essenz von allem. Dazu will dich Shankara immer wieder ermutigen, immer wieder inspirieren.
Genauso will dich Swami Sivananda inspirieren. In seinen Büchern ist immer wieder die Rede von: „Frage: Wer bin ich? Erkenne dein Selbst und sei frei.“
Du bist das unsterbliche Selbst, erfahre und erkenne es. Gib dich nicht mit weniger zufrieden.
Und so sagt Shankara im 478. Vers des Viveka Chudamani:
„Wenn der Schüler aus Erfahrung das eigene ungeteilte Selbst (atman) selbst erkennt, ist er selbstverwirklicht und lebt in der Essenz mit dem Selbst im Selbst, das frei von jeglichem Konzept der Dualität ist.“
svānubhūtyā : durch eigene (Sva) Erfahrung (Anubhuti). Es ist wichtig, dass du selbst erfährst. Es ist nicht wichtig daran zu glauben, obgleich Shraddha, ein gewisses Grundvertrauen hilfreich ist, dass du überhaupt mehr praktizierst und dich damit auseinandersetzt. Aber es soll die eigene Anubhuti sein und nicht die von anderen. Es nutzt nichts, wenn andere die große Erfahrung machen und du sie verehrst. Du musst selbst die Erfahrung machen. Und du musst svayam (selbst) jnatva (erkennen).

In anderen Werken von Shankara gibt es manchmal die Diskussion, was wichtiger ist: Die eigene Erfahrung oder die Erkenntnis. Im Viveka Chudamani sagt Shankara, dass beides wichtig ist. So wie Krishna in der Bhagavad Gita im 9. Kapitel davon spricht, dass es die höhere Erkenntnis mit Erfahrung und Verwirklichung gepaart braucht. Es gilt in Nirvikalpa Samadhi zu gehen, das ist die Verwirklichung. Daraus muss dann Jnana kommen, das höchste Wissen.
Wenn du nur in einem Verzückungszustand bist, dann reicht das nicht aus. Vielmehr ist es wichtig, dass du in Samadhi kommst und dabei die Einheit verwirklichst. Und die Erkenntnis bekommst, dass alles wahrhaftig Brahman ist. Und diese Erkenntnis bleibt selbst dann, wenn du wieder ins Normalbewusstsein zurückkommst. Und du erkennst durch diese Erkenntnis svam ātmānam: sein eigenes Selbst (Atman) und dieses ist unzerbrechlich (akhaṇḍita). Vielleicht kennst du Akhanda Kirtan, der ununterbrochene Kirtan. Und so ist auch akhandita, ununterbrochen und auch akhandita saṃsiddhaḥ, d.h. die unverletzliche Glückseligkeit. Durch eigene Verwirklichung bekommst du die eigene Glückseligkeit dauerhaft.
In diesem Vers sagt Shankara, in dieser Gegenwart (Sammukha) verweile (tishet) dort nirvikalpatmana, im Nirvikalpa Samadhi und erfahre dort Atman durch atmani, das Selbst in deinem eigenen Selbst.
Handle danach. Lebe danach. Verwirkliche es.

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