Viveka Chudamani – Vers 502

Deutsche Übersetzung:

502. Es sind nur die begrenzenden Attribute, die kommen und gehen, die Handlungen verrichten und genießen, die altern und sterben. Ich (das Selbst) bleibe unbewegt, wie ein Felsmassiv.

Sanskrit Text:

upādhir āyāti sa eva gacchati
sa eva karmāṇi karoti bhuṅkte |
sa eva jīryan mriyate sadāhaṃ
kulādri-van niścala eva saṃsthitaḥ || 502 ||

उपाधिरायाति स एव गच्छति
स एव कर्माणि करोति भुङ्क्ते |
स एव जीर्यन्म्रियते सदाहं
कुलाद्रिवन्निश्चल एव संस्थितः || ५०२ ||

upadhir ayati sa eva gachchhati
sa eva karmani karoti bhunkte |
sa eva jiryan mriyate sadaham
kuladri-van nishchala eva samsthitah || 502 ||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • upādhiḥ : das begrenzende Attribut (Upadhi)
  • āyāti : kommt (ā + )
  • saḥ : dieses (Tad)
  • eva : nur (Eva)
  • gacchati : geht (gam)
  • saḥ : dieses
  • eva : nur
  • karmāṇi : Taten (Karman)
  • karoti : verrichtet (kṛ)
  • bhuṅkte : (und) genießt (sie, bhuj)
  • saḥ : dieses
  • eva : nur
  • jīryan : indem es gebrechlich wird („gebrechlich werdend“, jṝ)
  • mriyate : stirbt (mṛ)
  • sadā : immer (Karman)
  • aham : ich (Karman)
  • kulādri-vat : wie (Vat) ein Gebirgsmassiv („Hauptberg“, Kuladri)
  • niścalaḥ : unbeweglich (Nishchala)
  • eva : völlig (Eva)
  • saṃsthitaḥ : verweile (Samsthita)     || 502 ||

Kommentar

Begrenzende Attribute kommen und gehen. Das ist so ähnlich wie die Sonne, die strahlt. Aber warum gibt es die verschieden Farben? Ich habe zum Beispiel ein gelbes Gewand an, meine Haare sind braun, meine Gesichtsfarbe ist gesichtsfarben. Hinter mir ist Shankaracharya mit seinem rot-orangenen Gewand und seine Schüler mit ihren orangenen Gewändern. Was macht rot? Was macht gelb, braun? Es gibt eine Sonne und verschiedene Materialien absorbieren einen Teil des Sonnenlichtes. Sie sind also begrenzend. Und das, was übrig bleibt, ist nachher die Farbe. Das kunterbunte im Universum ist letztlich das Wegnehmen von etwas. Aber die Sonne wird davon nicht beeinflusst. So ähnlich auch bist du das unsterbliche Selbst, der Atman. Nichts kann dich beeinflussen. Aber Körper und Psyche können dieses Selbst reflektieren und zwar beschränkt reflektieren und scheinbar unterschiedlich und vergänglich reflektieren.

Ein zweites Beispiel ist der Kinofilm und das Licht. Ich weiß, dass heute alles digital ist. Aber manche Menschen erinnern sich vielleicht noch an die Zeit, wo es Filmrollen gab. Der Projektor strahlt ständig das reine Licht aus und die Leinwand ist immer weiß. Warum erscheinen dann die Bilder? Es ist dieser Film und er nimmt einen Teil des Lichtes weg und weil ein Teil des Lichtes weggenommen wird, ergibt es die Unterschiede.

In diesem Sinne bist du das unsterbliche Selbst und die Unterschiede entstehen deshalb, weil ein Teil des Lichtes unterschiedlich reflektiert wird. Du selbst bleibst gleich. So ähnlich ist es auch, wenn die Sonne in Pfützen reflektiert wird. Die Pfützen sind unterschiedlich und sie strahlen und leuchten unterschiedlich, je nachdem wie das Wasser gefärbt ist, aber die Sonne selbst verändert sich nicht. So bist du das unsterbliche Selbst, aber du veränderst dich nicht. Du wirst in Körper und Psyche reflektiert, aber du selbst bist unendlich und ewig.

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