Viveka Chudamani – Vers 567

Deutsche Übersetzung:

567. Wenn Milch zu Milch, Öl zu Öl und Wasser zu Wasser gegossen wird, vereinigen sie sich zu einem. Genauso wird derjenige, der das Selbst erkannt hat, eins mit dem Selbst.

Sanskrit Text:

kṣīraṃ kṣīre yathā kṣiptaṃ tailaṃ taile jalaṃ jale |
saṃyuktam ekatāṃ yāti tathātmany ātma-vin muniḥ || 567 ||

क्षीरं क्षीरे यथा क्षिप्तं तैलं तैले जलं जले |
संयुक्तमेकतां याति तथात्मन्यात्मविन्मुनिः || ५६७ ||

kshiram kshire yatha kshiptam tailam taile jalam jale |
samyuktam ekatam yati tathatmany atma-vin munih || 567 ||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • kṣīram : Milch (Kshira)
  • kṣīre : in Milch
  • yathā : so wie (Yatha)
  • kṣiptam : gegossen („geworfen“, Kshipta)
  • tailam : Öl (Taila)
  • taile : in Öl
  • jalam : Wasser (Jala)
  • jale : in Wasser
  • saṃyuktam : (sich zu einem) verbinden („verbunden ist“, Samyukta)
  • ekatām : zur Einheit (Ekata)
  • yāti : gelangt ()
  • tathā : genauso (Tatha)
  • ātmani : im (universellen) Selbst (Atman)
  • ātma-vit : der (sein) Selbst erkannt hat (Atmavid)
  • muniḥ : der Weise (Muni)     || 567 ||

Kommentar

Es gibt verschiedene Ebenen der Betrachtung. Eine Ebene der Betrachtung wäre: Sei dir bewusst, dass du das unsterbliche Selbst bist. Aber auch andere sind das unsterbliche Selbst. So wie er sagt: Wasser zu Wasser, Milch zu Milch, Öl zu Öl. Gehe raus aus der Identifikation nur mit diesem Körper. Du kannst es natürlich mit Bewusstsein machen. Du kannst Aham Brahma Asmi sagen, ich bin Brahman. Du kannst auch tat tvam asi – du bist das sagen. Ich bin in dir, du bist in mir, wie Jesus es gesagt hat. Aber du kannst es auch praktisch umsetzen und tätige Nächstenliebe üben. Liebe deinen Nächsten wie dich selbst und liebe deinen Nächsten als dich selbst. Anstatt dich nur um die Bedürfnisse dieses Körpers zu kümmern, kümmere dich auch um die Bedürfnisse anderer Körper. Und auch anstatt dich nur um die Bedürfnisse zu kümmern, die nur mit diesem Körper zu tun haben, also Kinder, Mann, Frau, Eltern, Geschwister etc. kümmere dich auch um andere, die nicht im direkten Kontakt mit dem Körper stehen. Wann immer du jemanden siehst, grüße ihn mit „Hallo“. Es heißt ja „He Lord – ich grüße das Göttliche in dir.“ Oder grüße mit „Namaste“ – „Ehrerbietung dem Göttlichen in dir.“ Selbst „Guten Tag“ oder „Ich wünsche dir einen guten Tag“ sind schöne Grüße. Freue dich, wenn andere sich freuen und glücklich sind. Teile, was du hast, mit anderen.
Und so füge Wasser zu Wasser, Öl zu Öl und Milch zu Milch, in dem Sinne, was du für dich tust, das tue auch für andere. Was du von anderen willst, gib den anderen und so löst du die Identifikation von einer Psyche mit einer anderen Psyche von einem Körper mit einem anderen Körper auf und du wirst weiter.
Und dann fällt es leichter Gott überall zu erfahren, Brahman überall zu erfahren.

Du kannst auch noch weitergehen. Engagiere dich zum Beispiel in einer spirituellen Gemeinschaft, wie z.B. bei Yoga Vidya. Hilf und diene und übe uneigennützigen Dienst! Nicht nur als Karma Yogi, um nichts bezahlen zu müssen und trotzdem an allem teilnehmen zu können, sondern gehe hin um zu dienen, um durch uneigennütziges Dienen Gott zu erfahren. So wächst du spirituell und wenn du so deine Bewusstheit ausdehnst, dem Meister dich hingibst, Swami Sivananda, Swami Vishnu-devananda, dich als Teil ihres Körper fühlst auf einer physischen Ebene, eben Wasser zu Wasser, dann spürst du nicht mehr diesen Körper, sondern du spürst mehr das große Werk. Wenn du das große Werk spürst, dann spürst du die Seele hinter allem und das ist Brahman, das göttliche Selbst.
Aber passe auf, dass du dich da nicht plötzlich identifizierst und sagst: „Ich bin Yoga Vidya.“ Es ist gut, schon mal weiter zu sein. Es geht weiter. Verbinde dich auch mit anderen spirituellen Traditionen. Es gibt nicht nur Yoga. Es gibt nicht nur Vedanta, sondern auch Sufismus, Buddhismus, Zen, Thai Chi, Shiatsu, Taoismus u.v.m. Sie alle sagen das Gleiche: Verbinde dich mit allen Menschen überall, mit allen Tieren überall, mit der Erde überall. Aber dann lasse los. Es macht keinen Sinn mit allen zu leiden. Sich mit allen zu verbinden, hilft die kleine Identifikation loszuwerden. Danach gehe ins Unendliche, das ewige Brahman. Verlasse alle Identifikationen. Von der kleinen Identifikation zur größten Identifikation und von der größten Identifikation in die reine Bewusstheit.

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