Viveka Chudamani – Vers 213

Deutsche Übersetzung:

213. Der erhabene Meister spricht: „Wahr  (satyam) hast du gesprochen, du Gelehrsamer. Geschickt bist du in der Methode der Unterscheidung! Derjenige, der all die Umwandlungen (der Urnatur) wie das Ego usw. wahrnimmt, sowie deren Abwesenheit …

Sanskrit Text:

śrī-gurur uvāca |
satyam uktaṃ tvayā vidvan nipuṇo’si vicāraṇe |
aham-ādi-vikārās te tad-abhāvo’yam apy anu || 213 ||

श्रीगुरुरुवाच |
सत्यमुक्तं त्वया विद्वन्निपुणो ऽसि विचारणे |
अहमादिविकारास्ते तदभावो ऽयमप्यनु || २१३ ||

shri-gurur uvacha |
satyam uktam tvaya vidvan nipuno’si vicharane |
aham-adi-vikaras te tad-abhavo’yam apy anu || 213 ||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • śrī-guruḥ : der verehrte (Shri) Meister (Guru)
  • uvāca : sagte (vac)
  • satyam : zutreffend, wahr (Satya)
  • uktam : gesprochen (Ukta)
  • tvayā : hast du („durch dich“, Tvad)
  • vidvan : du Kluger („Wissender“, Vidvams)
  • nipuṇaḥ : geschickt, erfahren (Nipuna)
  • asi : (du) bist (Asi)
  • vicāraṇe : in der (Methode der) Unterscheidung (Vicharana)
  • aham-ādi-vikārāḥ : Umwandlungen (wie, Vikara) das Ich (Aham) usw. (Adi)
  • te : diese (Tad)
  • tad-abhāvaḥ : Abwesenheit (Abhava) derselben (Tad)
  • ayam : die (Ayam)
  • api : sowie (Api)
  • anu : wiederum (Anu)*     || 213 ||

*Anmerkung: Der im zweiten Halbvers beginnende Satz wird im folgenden Vers (214) fortgesetzt.

Kommentar

Der Meister lobt seinen Schüler. Er hat erkannt, dass der Schüler durchaus weise ist. Er sagt: „Du bist klug (vidva). Du hast Wahres gesagt (satya), gesprochen (uktam) und das hast du (tvaya), du bist (asi) geschickt (nipunah) in der Methode (vacarane) der Unterscheidung (Vicharana). Es ist gut zu unterscheiden und der Meister lobt den Schüler und bittet ihn damit fortzufahren. Erkenne aham-ādi-vikārāḥ die Umwandlungen, durch die das Ich so hindurchgeht. Das musst du erkennen. Sei dir der Umwandlungen des Ichs bewusst und bevor du die Antwort des Meisters weiter hörst, sei dir bewusst. Die Umwandlungen des Ichs sind ja die Identifikationen.
Mal sagst du: „Ich bin zu dick oder zu dünn.“ Du identifizierst dich mit dem Körper. „Ich bin gesund, ich bin krank“ – Du identifizierst dich mit dem Körper.
„Ich habe so viel Energie“ – Du identifizierst dich mit dem Körper.
„Ich bin so unruhig“ – du identifizierst dich mit dem Prana.
„Ich bin wütend.“ Du identifizierst dich mit den Emotionen.
„Ich bin so beglückt.“ – Du identifizierst dich mit Anandamaya Kosha.
„Ich habe etwas verstanden.“ – Du identifizierst dich mit der Vijnanamaya Kosha.
„Der ist in meine Privatsphäre eingedrungen.“ Du identifizierst dich mit deiner Wohnung oder anderem.
Sei dir immer wieder der Umwandlungen des Ego bewusst. Eine Weise zu erkennen, wer du nicht bist, ist erst einmal zu erkennen, womit du dich alles identifizierst und wie sich die Identifikationen wandeln. Der Mensch hat verschiedene Rollen, mit denen er sich identifiziert. Wenn du bei der Arbeit bist, dann identifizierst du dich als guter oder schlechter Angestellter. Wenn du zuhause bist, dann identifizierst du dich vielleicht mit deinem Vater oder Mutterdasein und mit der Rolle von Mann oder Frau. Wenn du in einer Yogaschule bist, dann identifizierst du dich vielleicht mit der Rolle eines guten oder schlechten Yogaschülers. „Ich kann so gut den Kopfstand.“ „Ich kann die Luft nur so kurz anhalten.“ Das sind Identifikationen. Schon allein die Umwandlungen des Egos, des Ich-bin-Gedankens zu beobachten, kann dir helfen, zu erkennen, wie unwirklich dieses Ich-bin ist. Mache dir bewusst, heute oder morgen öfters mal einen Moment inne zu halten und spüre womit du dich identifizierst. Spüre die Umwandlungen des Egos. Sei dir bewusst, wie oft du „aham“ sagst, ich bin dieses, ich bin jenes und dann wird es dir vielleicht leichter fallen zu erkennen, dass du das unsterbliche Selbst bist. Beobachte also bewusst die Umwandlungen des Ich-bin-Empfindens.

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