Viveka Chudamani – Vers 414

Deutsche Übersetzung:

414. Wenn er den Körper einmal aufgegeben hat, wie eine Leiche, hat der Weise (mahatman) keine Bindung mehr an ihn. Wie ein Schatten ist er jedoch noch sichtbar als eine Erscheinung aufgrund von Wirkungen vergangener Handlungen.

Sanskrit Text:

chāyeva puṃsaḥ paridṛśyamānam
ābhāsa-rūpeṇa phalānubhūtyā |
śarīram ārāc chava-van nirastaṃ
punar na saṃdhatta idaṃ mahātmā || 414 ||

छायेव पुंसः परिदृश्यमान-
माभासरूपेण फलानुभूत्या |
शरीरमाराच्छववन्निरस्तं
पुनर्न संधत्त इदं महात्मा || ४१४ ||

chhayeva pumsah paridrishyamanam
abhasa-rupena phalanubhutya |
shariram arach chhava-van nirastam
punar na sandhatta idam mahatma || 414 ||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • chāyā : der Schatten (Chhaya)
  • iva : wie (Iva)
  • puṃsaḥ : eines Mannes (Pums)
  • paridṛśyamānam : der erscheint („angesehen wird“, pari + dṛś)
  • ābhāsa-rūpeṇa : als („in Form“, Rupa) bloßer Schein (Abhasa)
  • phalānubhūtyā : aufgrund der Erfahrung (Anubhuti) der Früchte (vergangener Leben, Phala)
  • śarīram : den Körper (Sharira)
  • ārāt : (den er) weit (von sich, Arat)
  • śava-vat : wie (Vat) eine Leiche (Shava)
  • nirastam : geworfen hat („verworfen“, Nirasta)
  • punaḥ : wieder (Punar)
  • na : nicht (Na)
  • saṃdhatte : nimmt in Besitz (sam + dhā)
  • idam : diesen (Idam)
  • mahātmā : ein Edler, Hochherziger („eine große Seele“, Mahatman)     || 414 ||

Kommentar

Ein Weiser hat keine Verhaftungen mehr an seinen Körper. Er weiß, ich bin nicht der Körper. So ähnlich wie du hoffentlich auch keine Verhaftung an deine Kleidung hast. Du bist nicht die Kleidung. Aber natürlich in bestimmten gesellschaftlichen Gegebenheiten brauchst du eine bestimmte Kleidung. Du hast die Kleidung, aber du bist nicht die Kleidung. Manche Menschen identifizieren sich mit ihrer Kleidung sehr stark. Und wehe ein Kleidungsstück geht kaputt, vielleicht die falsche Temperatur in der Waschmaschine oder man bleibt irgendwo hängen, jemand klaut die Kleidung. Dann sind manche Menschen sehr entsetzt. Man sagt zwar, Kleider machen Leute, was heißen soll, dass die Menschen äußerlich sind. Sie achten auf Kleider als Äußerlichkeiten. Aber Kleider machen keine Leute. Du bist das unsterbliche Selbst. Du hast einen Körper und du hast Kleidung, aber du bist nicht der Körper und nicht die Kleidung. Ein Weiser hat das erkannt, er weiß, dass er nicht der Körper und nicht die Kleidung ist.
Weiterhin ist der Körper weiter da und Atman wirkt über den Geist an diesem Körper, aber der Weise hat keine Verhaftung an diesen Körper. Er weiß, der Körper geht irgendwann zu Ende. Er weiß, er geht durch Erfahrungen, durch Unfälle und Krankheiten, Gesundheit usw. Irgendwann altert er und stirbt. Aber ich bin nicht dieser Körper. Der Körper ist dem Karma unterworfen. Solange noch Karma für den Körper vorhanden ist, solange ist das Bewusstsein noch lose mit dem Körper verbunden. Der Weise kann aber auch sein Bewusstsein lösen und in der Meditation sich erfahren als das Bewusstsein hinter allem. Der Weise kann sich auch bewusst machen, dass er das Bewusstsein hinter anderen Körpern ist. Solange aber noch Karma da ist, solange sind Körper und Psyche noch da, aber nicht mehr verhaftet.

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