Viveka Chudamani – Vers 376

Deutsche Übersetzung:

376. Vollständige Losgelöstheit führt zu Samadhi, Samadhi führt zur dauerhafter Erleuchtung/ Selbstverwirklichung, Selbstverwirklichung führt zur Freiheit von Bindungen, Freiheit von Bindungen führt zur ewiger Glückseligkeit.

Sanskrit Text:

atyanta-vairāgyavataḥ samādhiḥ
samāhitasyaiva dṛḍha-prabodhaḥ |
prabuddha-tattvasya hi bandha-muktiḥ
muktātmano nitya-sukhānubhūtiḥ || 376 ||

अत्यन्तवैराग्यवतः समाधिः
समाहितस्यैव दृढप्रबोधः |
प्रबुद्धतत्त्वस्य हि बन्धमुक्तिः
मुक्तात्मनो नित्यसुखानुभूतिः || ३७६ ||

atyanta-vairagyavatah samadhih
samahitasyaiva dridha-prabodhah |
prabuddha-tattvasya hi bandha-muktih
muktatmano nitya-sukhanubhutih || 376 ||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • atyanta-vairāgyavataḥ : demjenigen, der vollständige (Atyanta) Leidenschaftslosigkeit besitzt (Vairagya-vat)
  • samādhiḥ : (wird der Zustand der) Versenkung (zuteil, Samadhi)
  • samāhitasya : demjenigen, der gesammelt, versenkt ist (Samahita)
  • eva : nur, allein (Eva)
  • dṛḍha-prabodhaḥ : (wird dauerhafte (Dridha) Erkenntnis („Erwachen“ zuteil, Prabodha)
  • prabuddha-tattvasya : demjenigen, der die Wahrheit (Tattva) erkannt hat (Prabuddha)
  • hi : wahrlich, gewiss (Hi)
  • bandha-muktiḥ : (wird) die Befreiung (Mukti) aus der Gefangenschaft (des Daseinswandels zuteil, Bandha)
  • muktātmanaḥ : dem Befreiten, Erlösten (Muktatman)
  • nitya-sukhānubhūtiḥ : (wird) die beständige (Nitya) Erfahrung (Anubhuti) von Glückseligkeit (zuteil, Sukha)     || 376 ||

Kommentar

Hier beschreibt Shankara, dass das eine zum anderen führt und letztlich alles miteinander zusammenführt. Warum sollte man diese Losgelöstheit entwickeln? Warum sollte man Anta-tyaga und bahis-tyaga üben? Warum sollte man Entsagung üben?
Warum? Um zu Samadhi zu kommen. Wenn es dir gelingt, dich von äußeren Bindungen und inneren Verhaftungen zu lösen, dann fällt es leicht zu meditieren.
Warum ist Meditation schwer? Weil du voller Identifikationen bist und aus Identifikationen Wünsche kommen. Daher löse dich von diesen Identifikationen. Dann wird der Geist ruhig. Du kommst zu Samadhi.
Samadhi ist jetzt hier mehr als Versenkung zu übersetzen. Es ist noch nicht gleich die höchste Samadhistufe gemeint. Samadhi führt nicht zur Erleuchtung. Samadhi ist die Erleuchtung. Er sagt hier, dass durch Losgelöstheit deine Meditation tiefer wird. Wird deine Meditation tiefer, erfährst du Selbstverwirklichung. Du erfährst dein wahres Selbst. Und wenn du dein wahres Selbst erfahren hast, dann bist du frei von Bindungen. Freiheit von Bindungen führt zu Samadhi und Selbstverwirklichung. Selbstverwirklichung führt zu Freiheit von Bindungen. Freiheit von Bindungen führt zu ewiger Glückseligkeit.
Mache dir das nochmals bewusst. Es ist nicht so, dass du glücklicher wirst, wenn du deine Wünsche befriedigst. Es ist nicht so, dass du glücklicher wirst, wenn du danach strebst, dass andere dich anerkennen und dein Ego füttern. Es ist das Loslassen von Verhaftungen. Das führt zu Samadhi. Samadhi führt zur Selbstverwirklichung. Das führt zur Erleuchtung. Das führt zur Losgelöstheit. Das führt zu ewiger Glückseligkeit.
Willst du also glücklich sein, dann entwickle Losgelöstheit. Denn Entsagung, Loslösung und Verzicht sind das, was dich glücklich macht. Das mag diametral dem entgegengesetzt sein, was die Gesellschaft dir beibringen will. Die sagt: Erfülle deine Wünsche! Mache, was du willst! Mehre deinen Besitz, dann geht es dir gut!
Nein, dir geht es dann gut, wenn du durch Verzicht zu Samadhi und Selbstverwirklichung kommst. Dann bist du in dauerhafter Glückseligkeit. Denke darüber nach und lebe aus diesem Geist!

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