Viveka Chudamani – Vers 334

Deutsche Übersetzung:

334. Der spirituelle Aspirant muss aufhören im Unwirklichen – das Anhaftung verursacht – zu verweilen. Er soll stets standhaft bleiben mit seinen Gedanken auf das Selbst gerichtet. „Das bin ich selbst.“ (svayam ayam aham asmi) Denn die Erkenntnis der eigenen Identität mit Brahman (freier übersetzt: Denn das Erkennen der Verbindung zwischen der eigenen Identität mit Brahman) schenkt durch Standhaftigkeit / Unerschütterlichkeit Glückseligkeit und entfernt das aus Unwissenheit entstandene Leid vollständig, das als Folge der Unwissenheit entstand.

Sanskrit Text:

yatir asad-anusandhiṃ bandha-hetuṃ vihāya
svayam ayam aham asmīty ātma-dṛṣṭyaiva tiṣṭhet |
sukhayati nanu niṣṭhā brahmaṇi svānubhūtyā
harati param avidyā-kārya-duḥkhaṃ pratītam || 334 ||

यतिरसदनुसन्धिं बन्धहेतुं विहाय
स्वयमयमहमस्मीत्यात्मदृष्ट्यैव तिष्ठेत् |
सुखयति ननु निष्ठा ब्रह्मणि स्वानुभूत्या
हरति परमविद्याकार्यदुःखं प्रतीतम् || ३३४ ||

yatir asad-anusandhim bandha-hetum vihaya
svayam ayam aham asmity atma-drishtyaiva tishthet |
sukhayati nanu nishtha brahmani svanubhutya
harati param avidya-karya-duhkham pratitam || 334 ||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • yatiḥ : der Weltentsager (Yati)
  • asad-anusandhim : die Hinwendung („Verbindung“, Anusandhi) zum Nichtseienden (Asat)
  • bandha-hetum : die Ursache (Hetu) der Bindung (an den Daseinswandel, Bandha)
  • vihāya : nachdem er aufgegeben hat (aufgegeben habend, Vihaya)
  • svayam : selbst (Svayam)
  • ayam : das (Selbst, Ayam)
  • aham : ich (Aham)
  • asmi : bin (Asmi)
  • iti : in der Überzeugung („so“, Iti)
  • ātma-dṛṣṭyā : das Selbst (Atman) im Blick (Drishti) habend
  • eva : nur (Eva)
  • tiṣṭhet : verweile (sthā)
  • sukhayati : beglückt (Sukhay)
  • nanu : zweifellos (Nanu)
  • niṣṭhā : das Hingegebensein (Nishtha)
  • brahmaṇi : an das Absolute (Brahma)
  • svānubhūtyā : durch die Erfahrung (Anubhuti) des Selbst (Sva)
  • harati : (und) vertreibt (hṛ)
  • param : vollkommen („äußerst“, Param)
  • avidyā-kārya-duḥkham : Leid (Duhkha), das eine Folge (Karya) der Unwissenheit (Avidya) ist
  • pratītam : das (anderenfalls) erfahrene (Pratita)     || 334 ||

Kommentar

Geht es dir manchmal so, dass deine Eltern, deine Kinder oder Geschwister oder deine besten Freunde, Freundinnen, Kollegen, Nachbarn lästern über deinen spirituellen Weg? Sie sagen, du solltest dich an dem freuen, was da ist. Die sagen, dass du nicht so viel meditieren und in den Ashram gehen sollst, sondern etwas anderes machen solltest. Menschen, die dich dazu auffordern, mal wieder ein Gläschen Wein zu trinken, den spirituellen Weg nicht so eng zu sehen, oder vielleicht gibt es sogar den einen oder anderen, der ein Evangelikaler ist oder ein überzeugter Atheist ist, ein fanatischer Atheist ist. Was machst du dann? Wie gehst du damit um?

Schauen wir, was Shankara sagt und wie wir das auf diese Situation übertragen können. Shankara schreibt im 334. Vers: Der spirituelle Aspirant muss aufhören im Unwirklichen – das Anhaftung verursacht – zu verweilen. Er soll stets standhaft bleiben mit seinen Gedanken auf das Selbst gerichtet. „Das bin ich selbst.“ Denn die Erkenntnis der eigenen Identität mit Brahman schenkt durch Standhaftigkeit / Unerschütterlichkeit Glückseligkeit und entfernt das aus Unwissenheit entstandene Leid vollständig, das als Folge der Unwissenheit entstand.
Du magst dich jetzt fragen, was das mit der Ausgangsfrage zu tun hat? Ganz ehrlich geantwortet: Nichts – und doch alles. Warum stört es dich, dass andere deinen spirituellen Weg nicht wertschätzen? Warum stört es dich, wenn andere dich kritisieren? Warum willst du dass deine Eltern, Kind, Kinder, Partner, Geschwister, Nachbarn das anerkennen, dass du auf dem spirituellen Weg bist. Es gibt keine Notwendigkeit dafür. Du bist das unsterbliche Selbst, der Atman, egal ob dich andere dafür anerkennen oder nicht.
In diesem Sinne – du bist das unsterbliche Selbst. Handle danach. Es spielt keine Rolle, ob andere dich anerkennen oder nicht.

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