Viveka Chudamani – Vers 548

Deutsche Übersetzung:

548. Die Sonne ist nicht verschluckt, obwohl sei dem Schein nach von der Finsternis (von dem Dämonen Rahu) verschluckt ist. In ihrer Verblendung und Unkenntnis sagen /behaupten Menschen, die nicht die wahre Natur der Sonne kennen, sie würde (bei einer Sonnenfinsternis) verschluckt.

Sanskrit Text:

tamasā grasta-vad bhānād agrasto’pi ravir janaiḥ |
grasta ity ucyate bhrāntyā hy ajñātvā vastu-lakṣaṇam || 548 ||

तमसा ग्रस्तवद्भानादग्रस्तो ऽपि रविर्जनैः |
ग्रस्त इत्युच्यते भ्रान्त्या ह्यज्ञात्वा वस्तुलक्षणम् || ५४८ ||

tamasa grasta-vad bhanad agrasto’pi ravir janaih |
grasta ity uchyate bhrantya hy ajnatva vastu-lakshanam || 548 ||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • tamasā : durch die Finsternis (in Form des Dämonen Rahu, Tamas)
  • grasta-vat : (ist) wie (Vat) verschluckt (Grasta)
  • bhānāt : dem Anschein nach (Bhana)
  • agrastaḥ : (sie) nicht (wirklich) verschluckt (Agrasta) ist
  • api : obwohl (Api)
  • raviḥ : die Sonne (Ravi)
  • janaiḥ : von den Leuten (Jana)
  • grastaḥ : verschluckt (Grasta)
  • iti : als („so“, Iti)
  • ucyate : wird bezeichnet (vac)
  • bhrāntyā : durch einen Irrtum, eine Täuschung (Bhranti)
  • hi : in der Tat, gewiss (Hi)
  • ajñātvā : ohne erkannt zu haben („nicht erkannt habend“, a + jñā)
  • vastu-lakṣaṇam : den (wirklichen) Charakter (Lakshana) der Sonne („Sache“, Vastu)     || 548 ||

Kommentar

Heutzutage sind wir wissend. Wir wissen, dass die Sonne das Zentralgestirn dieses Sonnensystems ist. Sonnenfinsternis bedeutet im Wesentlichen, dass der Mond die Sonne verdeckt. Und so sieht die Sonne bei der Sonnenfinsternis dunkel aus und es wird dunkel. Bei der vollen Sonnenfinsternis wird es dunkel, soweit du blicken kannst. In früheren Zeiten war das ganz besonders furchterregend. Die Sonne war plötzlich weg, mitten am Tag war alles dunkel. Aber Shankara wusste, dass die Sonne nicht verschluckt wird. Manche dachten, dass die Sonne von einem Dämonen verschluckt wurde. Die Sonne wird nicht von einem Dämonen verschluckt, nur vorübergehend ist es dunkel. So wenig wie die Sonne verschwindet, wenn sie abends und nachts untergeht, so wenig verschwindet sie, wenn sich Wolken sich vor sie schieben.
So ähnlich bist du das unsterbliche Selbst, der Atman, reines Sein. Du bist nicht davon beeinflusst, dass scheinbar schlimme Dinge passieren. Deinem Körper kann etwas passieren, aber dir nicht. Wenn dein Knie wehtut, dann tut es weh. Aber du bist immer noch das unsterbliche Selbst.
Oder wenn deine Psyche in Negativität ist, dann bist du selbst nicht davon beeinflusst. Wenn Wolken der Traurigkeit auf deinem Gemüt sind, du selbst verlierst deine Freude niemals. Sage niemals: „Ich habe meine Freude verloren.“ Denn du bist Freude. Sage auch niemals: „Ich habe mich selbst verloren.“ Das geht gar nicht. Aber es können sich Wolken vor dein Bewusstsein schieben. Es kann auch einmal vorübergehend sich die Erde von der Sonne wegdrehen, d.h. dein Alltagsbewusstsein geht weg von der Freude des Selbst und es kann auch einmal eine Sonnenfinsternis geben, aber dein Selbst wird davon nicht beeinflusst. Daher erfahre dich selbst als reine Freude, die auch dann bleibt, wenn es einmal scheinbar dunkel ist, wenn sich der Mond vor deine Freude geschoben hat oder die Wolken.

Audio

Video

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.