Viveka Chudamani – Vers 555

Deutsche Übersetzung:

555. Der höchste Kenner des Absoluten ist schon zu Lebzeiten für immer befreit. Er hat sein Ziel erreicht. Nachdem er alle Begrenzungen (upadhi) überwunden hat, verschmilzt er mit der nicht-dualen Wirklichkeit, dem Absoluten.

Sanskrit Text:

jīvann eva sadā muktaḥ kṛtārtho brahma-vittamaḥ |
upādhi-nāśād brahmaiva san brahmāpyeti nirdvayam || 555 ||

जीवन्नेव सदा मुक्तः कृतार्थो ब्रह्मवित्तमः |
उपाधिनाशाद्ब्रह्मैव सन्ब्रह्माप्येति निर्द्वयम् || ५५५ ||

jivann eva sada muktah kritartho brahma-vittamah |
upadhi-nashad brahmaiva san brahmapyeti nirdvayam || 555 ||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • jīvan : zu Lebzeiten („lebend“, Jivat)
  • eva : schon (Eva)
  • sadā : immer (Sada)
  • muktaḥ : (ist) frei, erlöst (Mukta)
  • kṛtārthaḥ : (und) zufrieden („einer, der sein Ziel erreicht hat“, Kritartha)
  • brahma-vittamaḥ : ein vorzüglicher („der beste“, -tama) unter den Kennern des Absoluten (Brahmavid)
  • upādhi-nāśāt : infolge des Verschwindens (Nasha) der begrenzenden Attribute (Upadhi)
  • brahma : das Absolute (Brahman)
  • eva : (obwohl er) schon
  • san : ist („seiend“, Sat)
  • brahma : Absolute
  • apyeti : geht er ein (api + i)
  • nirdvayam : in das nicht-duale (Nirdvaya)     || 555 ||

Kommentar

Haben alle möglichen Menschen Erwartungen an dich? Hast du das Gefühl, du musst diesen allen gerecht werden? Fühlst du dich getrieben und denkst, du schaffst das alles nicht? Bist du vielleicht überfordert mit all den Erwartungen? Was sagt Shankara im 555. Vers des Viveka Chudamani dazu?

jīvann eva sadā muktaḥ kṛtārtho brahma-vittamaḥ |
upādhi-nāśād brahmaiva san brahmāpyeti nirdvayam || 555 ||

„Der höchste Kenner des Absoluten ist schon zu Lebzeiten für immer befreit. Er hat sein Ziel erreicht. Nachdem er alle Begrenzungen (upadhi) überwunden hat, verschmilzt er mit der nicht-dualen Wirklichkeit, dem Absoluten.“

Ein selbstverwirklichter Heiliger ist befreit. Befreit von den Wünschen, befreit von Verhaftungen, auch befreit von Erwartungen. Der selbstverwirklichte Weise hat sein Ziel erreicht. Das Ziel des Lebens ist nicht, den Erwartungen anderer gerecht zu werden. Das Ziel des Lebens ist die Gottverwirklichung zu erreichen, ein selbstverwirklichter Heiliger zu werden und wenn du das erreicht hast, wenn du ein selbstverwirklichter Heiliger geworden bist, dann hast du alles erreicht. Daher bist du das unsterbliche Selbst, der Atman. Es geht nicht darum, den Erwartungen anderer gerecht zu werden. Es geht darum, das Selbst aller Wesen zu erfahren. Auf der physischen Ebene bist du begrenzt. Du kannst nur bestimmte Dinge tun und es ist gut, anderen zu helfen und zu dienen. Bis zu einem gewissen Grade ist es auch nötig, den Erwartungen anderer gerecht zu werden, aber denke nicht, dass du durch den Versuch, den Erwartungen anderer gerecht zu werden, einen Teil deines Lebens leichter machst.
Wenn du den Erwartungen anderer einmal gerecht geworden bist, dann haben sie neue Erwartungen. Wenn du einen Wunsch erfüllt hast, dann kommen neue Wünsche. So ist das ein endloser Kreislauf. Es ist wie ein Hinterherjagen. Du jagst deinen Schatten. Angenommen du hast einen Schatten vor dir. Du willst den Schatten erreichen und gehst einen langsamen Schritt auf den Schatten zu, dann geht der Schatten ein Stück weiter. Du rennst etwas schneller, der Schatten geht etwas schneller. Du rennst so schnell du kannst, der Schatten ist noch schneller weg. Also den Erwartungen der Menschen gerecht zu werden und zu denken, dass du danach deinen Frieden hast, ist Unsinn. Je mehr du den Erwartungen der anderen gerecht wirst, desto mehr steigen die Erwartungen. Daher versuche anderen zu helfen. Werde dabei den Erwartungen anderer möglicherweise gerecht, aber glaube nicht, dass dies dir anschließend weniger Druck machen wird. Was dir weniger Druck machen würde ist die Erkenntnis, dass du das unsterbliche Selbst bist, dass du der Atman bist.

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