Viveka Chudamani – Vers 568

Deutsche Übersetzung:

568. Nachdem er den Zustand des ungeteiltem Absoluten erreicht hat, das reine Sein, die körperlose Einheit, kehrt er nicht mehr zurück / gibt es keine Wiedergeburt mehr.

Sanskrit Text:

evaṃ videha-kaivalyaṃ san-mātratvam akhaṇḍitam |
brahma-bhāvaṃ prapadyaiṣa yatir nāvartate punaḥ || 568 ||

एवं विदेहकैवल्यं सन्मात्रत्वमखण्डितम् |
ब्रह्मभावं प्रपद्यैष यतिर्नावर्तते पुनः || ५६८ ||

evam videha-kaivalyam san-matratvam akhanditam |
brahma-bhavam prapadyaisha yatir navartate punah || 568 ||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • evam : (wer) in dieser Weise (Evam)
  • videha-kaivalyam : den Zustand der höchsten Freiheit nach dem Tod („als Körperloser“, Videhakaivalya)
  • san-mātratvam : Zustand reinen („bloßen“, Matra) Seins (Sat)
  • akhaṇḍitam : den ununterbrochenen (Akhandita)
  • brahma-bhāvam : das Identischsein mit dem Absoluten (Brahmabhava)
  • prapadya : erlangt hat („erlangt habend“, pra + pad)
  • eṣaḥ : dieser (Etad)
  • yatiḥ : Weltentsager (Yati)
  • na : nicht (Na)
  • āvartate : kehrt zurück (ā + vṛt)
  • punaḥ : mehr, wieder (Punar)     || 568 ||

Kommentar

Wir sind inzwischen beim 568. Vers angekommen. Es sind so ziemlich die letzten Verse vom Viveka Chudamani und hier spricht Shankara darüber, wer das Höchste erfahren hat, wer sich selbst als Brahman erfahren hat, Moksha erreicht hat, alle Identifikationen losgelassen hat, der braucht nicht mehr zurückzukehren. Für den gibt es keine Wiedergeburt.

Jetzt magst du dich vielleicht fragen, warum es gut ist, nicht mehr wiedergeboren zu werden. Wäre es nicht schön wiedergeboren zu werden? Es gibt im Buddhismus das sogenannte Bodhi-Sattva-Gelübde. Das meint, dass jemand, der kurz vor der Erleuchtung steht, sagt, dass er auf die Erleuchtung verzichtet, um anderen zu helfen. In dem Gelübde verspricht der Aspirant solange wiedergeboren zu werden, bis alle die Erleuchtung erlangt haben. Wir finden so etwas auch im Yoga. Da gibt es die sogenannten Siddhas. In einer Interpretation sind die Siddhas solche, die nicht nach der Erleuchtung in das Höchste eingehen, sondern sie existieren weiter auf feinstoffliche Weise, um Aspiranten zu helfen, auf den Gang der Weltgeschichte einen positiven Einfluss zu nehmen.
Wir finden auch die Möglichkeit, dass wir uns als Deva, als Engelswesen, als eine der Gottheiten manifestieren, um so übergeordnete Aufgaben zu übernehmen. Auch das finden wir im Yoga Vedanta System und im Hinduismus. Aber klug ist, nicht wiedergeboren zu werden. Letztlich ist diese Welt ein Traum. Und so wenig wie du dir Gedanken machst, was mit den Leuten im Traum passiert, wenn du aufgewacht bist, sowenig ist es wirklich erheblich, was in dieser Welt geschieht. Wenn du aufgewacht bist, wenn du die Erleuchtung erreicht hast, dann weißt du, dass alles Leiden in dieser Welt nur ein scheinbares Leiden ist. In Wahrheit gibt es nur Brahman, das Unendliche, das Ewige und dieses gilt es zu verwirklichen.

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