Viveka Chudamani – Vers 183

Deutsche Übersetzung:

183. Auch die emotionale Hülle, Geisthülle (manomaya kosha) kann nicht das Höchste Selbst sein, denn manomaya kosha hat einen Anfang und ein Ende, ist Veränderungen unterworfen, wird von Leid und Freude geprägt, wird als Objekt wahrgenommen. Der Seher kann aber nicht als sichtbares Objekt gesehen werden.

Sanskrit Text:

mano-mayo nāpi bhavet parātmā
hy ādyanta-vattvāt pariṇāmi-bhāvāt |
duḥkhātmakatvād viṣayatva-hetor
draṣṭā hi dṛśyātmatayā na dṛṣṭaḥ || 183 ||

मनोमयो नापि भवेत्परात्मा
ह्याद्यन्तवत्त्वात्परिणामिभावात् |
दुःखात्मकत्वाद्विषयत्वहेतो-
र्द्रष्टा हि दृश्यात्मतया न दृष्टः || १८३ ||

mano-mayo napi bhavet paratma
hy adyantavattvat parinami-bhavat |
duhkhatmakatvad vishayatva-hetor
drashta hi drishyatmataya na drishtah || 183 ||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • mano-mayaḥ : die aus Geist bestehende (Hülle, Manomaya)
  • na : nicht (Na)
  • api : auch (Api)
  • bhavet : kann sein (bhū)
  • parātmā : das höchste Selbst (Paratman)
  • hi : gewiss (Hi)
  • ādyanta-vattvāt : weil (sie) einen Anfang (Adi) und ein Ende hat (Antavant)
  • pariṇāmi-bhāvāt : weil (sie ihrem) Wesen nach (Bhava) veränderlich (Parinamin) ist
  • duḥkhātmakatvāt : weil (sie ihrem) Wesen nach (Atmaka) leidvoll (Duhkha) ist
  • viṣayatva-hetoḥ : weil (sie selbst, Hetu) ein Objekt der Wahrnehmung (Vishaya) ist
  • draṣṭā : der Seher (Drashtri)
  • hi : denn (Hi)
  • dṛśyātmatayā : als (Atmata) Objekt („etwas Wahrzunehmendes“, Drishya)
  • na : nicht
  • dṛṣṭaḥ : wird wahrgenommen („gesehen“, Drishta)     || 183 ||

Kommentar

In diesem Vers geht es immer noch um die manomaya kosha (Geisthülle), es geht immer noch um manas (Geist). Shankara sagte vorher, wir sollen manas überwinden. Hier sagt er nochmals: „Du bist nicht manas.“ Und da du manas nicht bist, wird es dir auch leichter fallen, an manas zu arbeiten und jenseits davon zu gehen.
Warum bist du nicht manas?
Zum einen, weil er einen Anfang und ein Ende hat, aber du selbst bist anfangslos.
Und zum anderen, weil er durch Veränderungen hindurch geht, insbesondere in Manifestationen. Manas hat Wünsche. Plötzlich entsteht ein Wunsch, und du kannst beobachten `ah da ist ein Wunsch`. Erst kommt ein kleiner Gedanke. Aus diesem kleinen Gedanken entsteht eine Vorstellung `man könnte doch mal`. Daraus entsteht ein Wunsch `muss ich haben`, eine Gier `unbedingt haben `, daraus wiederum Emotion `warum kriege ich das nicht`, auch Angst `vielleicht bekomme ich es doch nicht`, oder Depression `ich hab es geschafft und es war doch nicht das richtige`… All das sind verschiedene Stadien, durch die der Geist uns schickt, Gedanken, Wünsche und Emotionen kommen und gehen.
Und da du dir das bewusst machen kannst, weißt du, du bist nicht deine Emotionen, du bist nicht deine Leidenschaften und deine Gier, du bist nicht deine Gedanken.
Beobachte das. Das nächste Mal wenn du eine Getriebenheit in dir bemerkst, beobachte: Wann tritt sie auf, durch welche Stadien geht sie und wie ebbt sie wieder ab? Und dann weißt du: Ich bin nicht die Getriebenheit.

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