Viveka Chudamani – Vers 516

Deutsche Übersetzung:

516. Ich handele nicht, ich bin unveränderlich und ohne Teile. Ich habe keine Form/Gestalt, ich bin frei von Vielfalt. Ich bin absolut und ewig, unabhängig von allem. Ich bin frei von Dualität.

Sanskrit Text:

niṣkriyo’smy avikāro’smi niṣkalo’smi nirākṛtiḥ |
nirvikalpo’smi nityo’smi nirālambo’smi nirdvayaḥ || 516 ||

निष्क्रियो ऽस्म्यविकारो ऽस्मि निष्कलो ऽस्मि निराकृतिः |
निर्विकल्पो ऽस्मि नित्यो ऽस्मि निरालम्बो ऽस्मि निर्द्वयः || ५१६ ||

nishkriyo’smy avikaro’smi nishkalo’smi nirakritih |
nirvikalpo’smi nityo’smi niralambo’smi nirdvayah || 516 ||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • niṣkriyaḥ : frei von Handlung (Nishkriya)
  • asmi : (ich) bin (Asmi)
  • avikāraḥ : frei von Veränderungen (Avikara)
  • asmi : (ich) bin
  • niṣkalaḥ : ungeteilt (Nishkala)
  • asmi : (ich) bin
  • nirākṛtiḥ : ohne Form (Nirakriti)
  • nirvikalpaḥ : ohne Vorstellungen, Unterscheidungen (Nirvikalpa)
  • asmi : (ich) bin
  • nityaḥ : ewig (Nitya)
  • asmi : (ich) bin
  • nirālambaḥ : ohne Stütze (Niralamba)
  • asmi : (ich) bin
  • nirdvayaḥ : nicht-dual (Nirdvaya)     || 516 ||

Kommentar

Bist du vielleicht ein sehr ordentlicher Mensch? Liebst du es, wenn dein Arbeitsplatz gut aufgeräumt ist? Findest du auch, dass dein Zuhause ordentlich sein sollte? Hast du Kollegen, die das anders sehen? Hast du ein Kind, das vielleicht unordentlich ist? Einen Nachbar, der den Garten verkommen lässt oder der den Müll nicht wegräumt? Hast du einen Teenie, der sich deinen Erziehungsversuchen widersetzt? Bist du deshalb wütend, ärgerlich, frustriert, schimpfst du? Setzt du gar deine Beziehung deswegen aufs Spiel?

Lasst uns hören, was Shankara dir raten würde vom Vedanta-Standpunkt aus. Shankara sagt:

niṣkriyo’smy avikāro’smi niṣkalo’smi nirākṛtiḥ |
nirvikalpo’smi nityo’smi nirālambo’smi nirdvayaḥ || 516 ||

„Ich handele nicht, ich bin unveränderlich und ohne Teile. Ich habe keine Form/Gestalt, ich bin frei von Vielfalt. Ich bin absolut und ewig, unabhängig von allem. Ich bin frei von Dualität.“

Sage dir das und mache dir bewusst, dass Ordnung oder Unordnung keine so große Rolle spielen. Deine Psyche mag Ordnung lieben. Die Psyche eines anderen Menschen mag die Ordnung nicht lieben. Hinter beidem ist das gleiche Selbst. Ein Garten mag aufgeräumt sein und der andere Garten nicht. Hinter beiden ist das gleiche Bewusstsein.
Ein Schreibtisch mag aufgeräumt sein und der andere nicht. Hinter allen ist das gleiche Brahman. Mache dir nicht so viele Sorgen. Auf einer Ebene magst du schauen, ob es angemessen ist, zielführend ist. Aber auf der tiefen Ebene sei dir bewusst, dass du das unsterbliche Selbst, der Atman bist. Mache dir keine Sorgen und überbewerte die Konzepte von Ordnung und Unordnung nicht. In dem Moment, in dem du zum Selbst hingehst, spielt das andere nicht mehr die große Rolle.

2. Kommentar:

Stehst du vielleicht vor einer Entscheidung und weißt nicht, wie du sie treffen sollst? Weißt du nicht, wie die Entscheidung gut zu treffen ist? Machst du dir Sorgen, dich falsch zu entscheiden?

Shankara will dir im 516. Vers des Viveka Chudamani etwas die Sorgen nehmen. Er schreibt: „Ich handele nicht, ich bin unveränderlich und ohne Teile. Ich habe keine Form/Gestalt, ich bin frei von Vielfalt. Ich bin absolut und ewig, unabhängig von allem. Ich bin frei von Dualität.“

Mache dir keine Sorgen. In der Tiefe deines Wesens handelst du nicht. Du bist unveränderlich ohne Teile. Wie auch immer du dich entscheidest, spielt keine allzu große Rolle. Natürlich wollen wir im Yoga und als spirituelle Menschen, als ethische Menschen uns gut entscheiden, nach bestem Wissen und Gewissen. Aber Krishna sagt in der Bhagavad Gita, dass wir uns nach bestem Wissen und Gewissen entscheiden und dann loslassen sollen.
In diesem Sinne entscheide dich, bitte um Führung, bitte Gott um Führung, bitte das Höhere um Führung, bitte den Meister um Führung. Wäge gut ab, frage andere, die es vielleicht betrifft. Hole dir die Informationen ein! Aber wisse: Wenn du dich nach bestem Wissen und Gewissen entscheidest, dann ist alles in Ordnung. Du brauchst dir keine Sorgen zu machen. Du brauchst keine Probleme aus etwas zu machen, wo es keine Probleme gibt. Du bist das unsterbliche Selbst und egal, wie du dich entscheidest, an deinem Selbst ändert sich nichts. Und auch für die anderen – vielleicht machst du dir auch Sorgen, welche Auswirkungen es auf die anderen hat – ändert es nichts an deren unsterblichem Selbst. Wenn du um Führung bittest, Gott um Führung bittest, den Meister um Führung bittest, dein höheres Selbst um Führung bittest, dann wirst du dich so entscheiden, dass das Karma gut ablaufen kann. Das Kriterium, ob du eine gute Entscheidung getroffen hast, ist ja nicht, ob es nachher erfolgreich war oder nicht.
Das Ziel des Lebens ist ja nicht erfolgreich zu sein. Ziel des Lebens ist die Erfahrungen zu machen, die du brauchst um spirituell zu wachsen, um mehr zu wissen, dass du das unsterbliche Selbst, der Atman bist.
In diesem Sinne entscheide dich nach bestem Wissen und Gewissen und wenn nachher etwas schief geht, soll es so sein. Durch dieses Schiefgehen können andere daran wachsen.

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