Viveka Chudamani – Vers 326

Deutsche Übersetzung:

326. Wenn das Gemüt /der Geist (cetas) sich den Sinnesobjekten zuwendet, denkt er über ihre Eigenschaften nach. Aus dem ständigen Nachdenken entstehen Wünsche (kama). Aus Wünschen entsteht der Drang, sie zu erfüllen.

Sanskrit Text:

viṣayeṣv āviśac cetaḥ saṃkalpayati tad-guṇān |
samyak-saṃkalpanāt kāmaḥ kāmāt puṃsaḥ pravartanam || 326 ||

विषयेष्वाविशच्चेतः संकल्पयति तद्-गुणान् |
सम्यक्संकल्पनात्कामः कामात्पुंसः प्रवर्तनम् || ३२६ ||

vishayeshv avishach chetah sankalpayati tad-gunan |
samyak-sankalpanat kamah kamat pumsah pravartanam || 326 ||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • viṣayeṣu : mit den Sinnesobjekten (Vishaya)
  • āviśat : der sich beschäftigt („eindringt“, ā + viś)
  • cetaḥ : ein Geist (Chetas)
  • saṃkalpayati : denkt nach über (sam + kḷp)
  • tad-guṇān : deren (Tad) Eigenschaften (Guna)
  • samyak-saṃkalpanāt : aufgrund des intensiven („vollständigen“, Samyak) Nachdenkens (Sankalpana)
  • kāmaḥ : (entsteht) Verlangen (Kama)
  • kāmāt : aufgrund des Verlangens (Kama)
  • puṃsaḥ : des Menschen (Pums)
  • pravartanam : (entsteht) das Handeln (Pravartana)     || 326 ||

Kommentar

Hier beschreibt Shankara wie es kommt, dass du neue Wünsche kultivierst. Du hast nicht nur alte Wünsche, sondern auch neue Wünsche. Du gehst durch die Stadt, bleibst irgendwo vor einem Schaufenster stehen und siehst etwas. Du fängst an darüber nachzudenken. Du denkst, dass es doch schön wäre, das zu haben, wofür könnte ich das gebrauchen? Es wäre doch gut, es zu haben. Daraus entsteht der Wunsch, es zu erwerben. Aus dem Wunsch, es erwerben zu wollen, entsteht der Drang, es erwerben zu wollen. Du sagst dir: „Einfachheit, einfach leben, erhaben Denken, ich lasse es im Geschäft.“
Aber auf dem Nachhauseweg denkst du wieder darüber nach: „Es war doch schön. Das sollte ich doch kaufen.“ Oder du bekommst per E-Mail eine dieser Nachrichten, dass es ein besonderes Sonderangebot gibt. Dieses Sonderangebot gibt es nur die nächsten drei Tage bis 12.00 Uhr mittags zum halben Preis oder mit 20 % Nachlass. Am nächsten Tag wiederholt sich das. Du denkst, dass du das haben willst und spürst, dass jede Faser deines Wesens das haben will. Hier kannst du nein sagen. Ich bin der Herr im Haus. Und es fängt alles mit den Gedanken an. Wende die Gedanken ab. Du musst nicht ständig darüber nachdenken, dass du das nicht willst, nicht brauchst. Es gibt manchmal das Problem, dass Menschen zu lange überlegen, warum sie es nicht haben wollen. Indem sie zu lange darüber nachdenken, warum sie es nicht haben wollen, denken sie ständig darüber nach. Und indem man lange über etwas nachdenkt, kommen dann auch die Wünsche.
In diesem Sinne denke nicht so viel darüber nach, sondern beherrsche deine Gedanken und dann verschwinden auch die Wünsche. Es ist gut einmal einen festen Entschluss gefasst zu haben und danach gib keine Gedankenenergie mehr hinein. Wenn du zum Beispiel feststellst, dass du sehr verhaftet bist jeden Abend die Nachrichten auf dem Smartphone anzuschauen und das als so schön empfindest, dann fasse einen festen Entschluss, eine Woche lang keine Nachrichten auf dem Smartphone anzuschauen, mindestens nicht eine halbe Stunde vor dem Schlafengehen. Fasse den Entschluss und so wie der Wunsch kommt, das doch zu tun und deine Hände dorthin gehen, sage: „Stopp.“ Du musst nicht mehr begründen, warum du es nicht machen willst, sondern einfach nur Stopp sagen oder sagen, dass du dich entschlossen hast, es nicht zu tun. Dann lenke den Geist ab. Sage nicht, wie schlimm du bist, dass du es schon wieder machen wolltest, sondern lenke deinen Geist ab. Wiederhole z.B. ein Mantra. Lies ein gutes Buch oder höre einen spirituellen Podcast. Da spricht ja nichts dagegen. Bleibe dabei. Jede Art von Gedanken bei Sinnesobjekten führt dazu, dass der Geist sich damit beschäftigt, und wenn der Geist sich damit beschäftigt, klebt er daran. Wenn er daran klebt, schafft er Wünsche. Aus Wünschen kommt Emotionalität und die Gier es zu bekommen. Oder es kommt das Gegenteil, die Abneigung. All das braucht es nicht. Du bist das unsterbliche Selbst.
Angenommen du hast dir vorgenommen drei Tage lang keine Facebook Nachrichten anzuschauen, nicht auf Facebook zu gehen. Fasse den festen Entschluss. Dann denke nicht mehr darüber nach. Immer dann, wenn der Geist dir den Vorschlag macht, wieder darüber nachzudenken mit Gedanken wie: „Man könnte doch noch einmal kurz schauen oder was ist so schlimm daran zu schauen?“ oder deine Hände fast automatisch auf die Facebookapp gehen wollen, stoppe sie. Überlege nicht warum, sondern sage einfach nur: „Ich habe mich entschlossen, es nicht zu tun.“ Und dann lenke dich ab. So gibt es eine ganze Menge.
Fasse einen Entschluss und setze ihn um. Erlaube deinem Geist, nicht daran zu denken. Beobachte, wenn dein Geist anfängt, neue Wünsche zu entwickeln, indem er über etwas nachdenkt, sage dir zwischendurch: „Stopp. Das will ich nicht.“ Wiederhole ein Mantra, denke an Gott, wiederhole ein Gebet, mache gute Wünsche, schicke Lichtgedanken überall hin und erinnere dich an das Göttliche überall. Erlaube deinem Geist, nicht neue Wünsche zu schaffen, und erlaube deinen Gedanken, nicht wild zu werden.

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