Viveka Chudamani – Vers 427

Deutsche Übersetzung:

427. Wer in der Erleuchtung gefestigt ist und der Welt entsagt, erfreut sich immerwährender Glückseligkeit. Seine Seele ruht ausschließlich im Absoluten, unwandelbar, reglos, still.

Sanskrit Text:

sthita-prajño yatir ayaṃ yaḥ sadānandam aśnute |
brahmaṇy eva vilīnātmā nirvikāro viniṣkriyaḥ || 427 ||

स्थितप्रज्ञो यतिरयं यः सदानन्दमश्नुते |
ब्रह्मण्येव विलीनात्मा निर्विकारो विनिष्क्रियः || ४२७ ||

sthita-prajno yatir ayam yah sadanandam ashnute |
brahmany eva vilinatma nirvikaro vinishkriyah || 427 ||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • sthita-prajñaḥ : (besitzt) eine gefestigte Erkenntnis (Sthitaprajna)
  • yatiḥ : Weltentsager (Yati)
  • ayam : derjenige (Ayam)
  • yaḥ : der („welcher“, Yad)
  • sadānandam : beständige Wonne (Sadananda)
  • aśnute : erfährt ()
  • brahmaṇi : im Absoluten (Brahman)
  • eva : allein (Eva)
  • vilīnātmā : dessen Geist (Atman) aufgelöst, absorbiert ist (Vilina)
  • nirvikāraḥ : der unveränderlich (ist, Nirvikara)
  • viniṣkriyaḥ : (und) frei von Handlung (Vinishkriya)     || 427 ||

Kommentar

Wir sind dabei über die Früchte des Erleuchteten zu sprechen. Was bringt es erleuchtet zu sein? Wie erkennst du, ob jemand die Gottverwirklichung erreicht hat? Was ist deine Zukunft?
Du könntest diese Verse auch nehmen und dich fragen, wie du in der Zukunft sein wirst. Stelle es dir vor, sei es dir bewusst. Um etwas zu erreichen, ist es auch gut, es sich vorzustellen. In diesem Sinne wenn du die Gottverwirklichung erreichen willst, dann überlege dir, was die Gottverwirklichung bedeutet.
Shankara schreibt hier: „[…] in der Erleuchtung gefestigt und der Welt entsagt […]“ Also wenn du nicht nur ab und zu mal Peak-Experience hast, wenn du nicht nur ab und zu mal Verzückungszustände hast, sondern in der Erleuchtung gefestigt bist, wie er hier sagt: Sthita-prajnah, es ist also nicht nur die Erleuchtung, sondern prajnah, was ja auch die Erkenntnis heißt. Also wenn du ein Sthita-prajnah bist, jemand von beständiger Weisheit, wie es auch übersetzt wird, und dabei auch Yathi bist, ein Weltentsagter bist, also jemand, der an nichts in dieser Welt hängt, jemand, der auf einer Pilgerreise ist. Yatra heißt auch Pilgerreise und ein Yathi ist jemand, der weiß, dass er sich auf einer Pilgerreise befindet.
Wir gehen durch diese Welt. Wir brauchen nirgends festzuhalten und dieser (ayam) erfährt (asnute) ständige Wonne (Sadananda). Sada (beständig), Ananda (Wonne). Und wo erfährt er das? Brahmani (im Absoluten) allein. Und sein Geist oder sein Atman (vilinatma) ist ständig absorbiert im Unveränderlichen (Nirvikara) und er ist viniṣkriyaḥ, frei von Handlungen, d.h. frei von Karma. Er erzeugt kein Karma mehr, er ist dem Karma nicht mehr so unterworfen. Er lebt einfach im Unendlichen.

Und so sei dir bewusst, dass du jetzt schon Yathi bist, Pilger auf dieser Welt bist. Und du hast auch kleine Erkenntnisse. Du bist ein Prajna, jemand der Erkenntnisse hat. Werde zum Sthitaprajna, der beständige Erkenntnis hat und sich immer wieder bewusst ist. Genieße die Wonne von Brahman immer wieder. So schwer ist das nicht.
Du kannst jederzeit tief nach innen gehen und in deinem Herzen Brahman erfahren. Du kannst immer wieder dein Bewusstsein weit ausdehnen und so Brahman erfahren und du kannst Herzensverbindungen herstellen zu anderen Wesen und so Brahman erfahren. So ruht deine Seele im Absoluten.

So kannst du diesen Vers auf drei Weisen interpretieren:
Zum einen kannst du wissen, wie ein Vollendeter ist.
Zum anderen kannst du sagen: So werde ich sein, wenn ich Sthita-prajna sein werde.
Zum letzten kannst du sagen: Lass mich schon mal etwas davon verwirklichen. Immer wieder, denn wenn du so tust als ob, dann wirst du es irgendwann erreichen.

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