Viveka Chudamani – Vers 553

Deutsche Übersetzung:

553. Der Befreite richtet den Sinn weder auf die Dinge dieser Welt noch wendet er sich von ihnen ab. Er bleibt ein unbeteiligter Beobachter. Sein Geist ist vom Nektar der Glückseligkeit des Selbst durchdrungen, und er hegt auch nicht die geringsten Erwartungen hinsichtlich der Früchte seines Handelns.

Sanskrit Text:

naivendriyāṇi viṣayeṣu niyuṅkta eṣa
naivāpayuṅkta upadarśana-lakṣaṇa-sthaḥ |
naiva kriyā-phalam apīṣad avekṣate sa
svānanda-sāndra-rasa-pāna-su-matta-cittaḥ || 553 ||

नैवेन्द्रियाणि विषयेषु नियुङ्क्त एष
नैवापयुङ्क्त उपदर्शनलक्षणस्थः |
नैव क्रियाफलमपीषदवेक्षते स
स्वानन्दसान्द्ररसपानसुमत्तचित्तः || ५५३ ||

naivendriyani vishayeshu niyunkta esha
naivapayunkta upadarshana-lakshana-sthah |
naiva kriya-phalam apishad avekshate sa
svananda-sandra-rasa-pana-su-matta-chittah || 553 ||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • na : nicht (Na)
  • eva : gewiss (Eva)
  • indriyāṇi : die Sinne (Indriya)
  • viṣayeṣu : auf die Sinnesobjekte (Vishaya)
  • niyuṅkte : richtet (ni + yuj)
  • eṣaḥ : er (Etad)
  • na : (auch) nicht
  • eva : gewiss
  • apayuṅkte : wendet („löst“ er sie von ihnen) ab (apa + yuj)
  • upadarśana-lakṣaṇa-sthaḥ : (sondern) ist („bleibt“, Stha) durch bloßes Zeugesein („Zuschauen“, Upadarshana) gekennzeichnet (Lakshana)
  • na : nicht
  • eva : gewiss
  • kriyā-phalam : auf die Ergebnisse („Frucht“, Phala) seines Handelns (Kriya)
  • api : auch (Api)
  • īṣat : ein bisschen (Ishat)
  • avekṣate : hofft (ava + īkṣ)
  • saḥ : er (Tad)
  • svānanda-sāndra-rasa-pāna-su-matta-cittaḥ : mit einem Geist (Chitta), der durch das Trinken (Pana) des erquickenden („starken“, Sandra) Saftes (Rasa) der Glückseligkeit (Ananda) des Selbst (Sva) aufs Höchste („sehr“, Su) beglückt („berauscht“, Matta) ist     || 553 ||

Kommentar

Ein großer Teil des Viveka Chudamani ist die Beschreibung, wie ein Weiser handelt. Wie verhält sich ein Jivanmukta? Du könntest dich fragen, was das mit deiner Lebenswelt zu tun hat? Du könntest antworten, nicht allzu viel. Aber Antoine de Saint- Exupery hat einmal gesagt: „Wenn du jemanden zeigen willst, wie er Seefahrer werden kann, dann erzähle ihm nicht so viel über die Schiffstypen und die verschiedenen Arten der Seile und der Knoten und den Segeln, sondern schwärme ihm vom Meer vor.“ Und so sind viele Schriften und gerade die Spätwerke von großen Meistern davon geprägt, dass sie einem vorschwärmen, wie großartig es ist, gottverwirklicht zu sein und wie armselig es ist, in dieser relativen Wirklichkeit zu vegetieren. Und das ist auch immer wieder gut zu wissen:
Viveka, Vairagya, Shatsampat, Mumukshutva, das sind die wichtigen Eigenschaften eines Schülers.
Mumukshutva ist der große Wunsch nach Befreiung, die Sehnsucht nach Befreiung. Diese Sehnsucht nach Befreiung wird größer, wenn du weißt, wie ein befreiter Weiser ist. Umgekehrt Vairagya, der Gleichmut bzw. Verhaftungslosigkeit und Loslassen des Relativen wird umso stärker, je weniger du denkst, dass das relative Leben gut ist. Und so gibt es viele Verse, in denen Shankara davon spricht, wie armselig ein beschränktes Leben ist, und es gibt einige Verse, in denen er davon spricht, wie großartig es ist, gottverwirklicht zu sein. Und so beschreibt er hier nochmals die Erfahrung eines Gottverwirklichten, eines lebendig Befreiten.

Viveka Chudamani 553. Vers:

„Der Befreite richtet den Sinn weder auf die Dinge dieser Welt noch wendet er sich von ihnen ab. Er bleibt ein unbeteiligter Beobachter. Sein Geist ist vom Nektar der Glückseligkeit des Selbst durchdrungen und er hegt auch nicht die geringsten Erwartungen hinsichtlich der Früchte seines Handelns.“
Lass das auf dich wirken und sie dir bewusst, so kannst auch du sein. Strebe danach!

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