Viveka Chudamani – Vers 349

Deutsche Übersetzung:

349. Seher, Gesehenes und das Sehen – diese drei – werden erkannt, wenn man die wahre Natur des Seils richtig sieht. Deshalb muss der Weise, um sich von Bindungen zu befreien, die Dinge in ihrer wahren Natur erkennen.

Sanskrit Text:

etat tritayaṃ dṛṣṭaṃ
samyag-rajju-sva-rūpa-vijñānāt |
tasmād vastu-sa-tattvaṃ
jñātavyaṃ bandha-muktaye viduṣā || 349 ||

एतत्त्रितयं दृष्टं
सम्यग्रज्जुस्वरूपविज्ञानात् |
तस्माद्वस्तुसतत्त्वं
ज्ञातव्यं बन्धमुक्तये विदुषा || ३४९ ||

etat tritayam drishtam
samyag-rajju-sva-rupa-vijnanat |
tasmad vastu-sa-tattvam
jnatavyam bandha-muktaye vidusha || 349 ||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • etat : diese (Etad)
  • tritayam : drei (Dinge, Tritaya)*
  • dṛṣṭam : werden beobachtet („wird gesehen“, Drishta)
  • samyag-rajju-sva-rūpa-vijñānāt : aufgrund der vollkommenen (Samyak) Erkenntnis (Vijnana) der wahren Natur (Svarupa) des Seiles (Rajju)
  • tasmāt : daher, deshalb (Tasmat)
  • vastu-sa-tattvam : das wahre Wesen (Satattva) eines Gegenstandes (der Betrachtung, Vastu)
  • jñātavyam : muss erkannt werden (Jnatavya)
  • bandha-muktaye : für die Befreiung (Mukti) aus der Gefangenschaft („Bindung“,  Bandha)
  • viduṣā : von einem Weisen (Vidvams)     || 349 ||

*Anmerkung: Die „drei Dinge“ beziehen sich im engeren Kontext auf die im vorangehenden Vers (348) genannten drei Erscheinungen: das Verschwinden der Verhüllung, die Vernichtung falscher Erkenntnis und das Verschwinden des aufgrund der Verwirrung durch falsche Erkenntnis erzeugten Leids.

Kommentar

Machst du dir über die Zukunft Gedanken? Überlegst du dir, wie es weiter gehen soll? Hast du vielleicht ein Yogazentrum, aber weißt nicht, ob es noch lange laufen wird? Hast du schon ein gewisses Alter und überlegst, was in der Rente passiert? Hast du Kinder, die vielleicht demnächst aus dem Haus gehen? Ist vielleicht eure Beziehung nicht so gut? Oder die Beziehung zu deinem Partner, deiner Partnerin nicht so gut? Oder geht es deinen Eltern oder einem Elternteil nicht so gut und du denkst, dass du demnächst etwas für die Pflege übernehmen musst? Du machst dir Sorgen und das ist verständlich. Wie gehst du damit um?
Lasst uns hören, was Shankara als Anregung dazu gibt im 349. Vers des Viveka Chudamani:

Seher, Gesehenes und das Sehen – diese drei – werden erkannt, wenn man die wahre Natur des Seils richtig sieht. Deshalb muss der Weise, um sich von Bindungen zu befreien, die Dinge in ihrer wahren Natur erkennen.
Sei dir bewusst, dass du das unsterbliche Selbst bist. Sei dir bewusst, da ist die Zukunft und diese ist ein Objekt. Du malst dir die Zukunft aus. Sie ist in Wahrheit noch nicht mal ein äußeres Objekt, sondern die Zukunft, um die du dir Sorgen machst, sind letztlich Gedanken. Du bist das unsterbliche Selbst und du nimmst Gedanken wahr. Es gibt den Prozess der Wahrnehmung der Gedanken und der Protektion von Gedanken. Du bist das unsterbliche Selbst und Gedanken und Sorgen sind das, was wahrgenommen werden kann, das Wahrnehmbare. Du selbst verbindest dich mit diesem Wahrnehmbaren und so gibt es drei Dinge. Es gibt den Drishta, das ist das, was beobachtet wird. Dann gibt es als zweites den Seher Drish und es gibt den Prozess des Sehens, Dri. Diese drei sind drei verschiedene. Das gilt es zu erkennen. Wenn du dir Sorgen machst, dann nimm einen Moment die Sorgen wahr und dann sei dir bewusst, dass du die Sorgen wahrnimmst. Dann sei dir des Wahrnehmungsprozesses bewusst und dann erkenne, dass du das unsterbliche Selbst bist. Da sind Sorgen und die mögen ihre Berechtigung haben, aber da bin ich und ich bin jenseits aller Sorgen und Nöte. Ich bin das unsterbliche Selbst. Und das heißt, dass das Wahrnehmbare für den Wahrnehmenden da ist, dann kannst du auch das Wahrnehmbare beeinflussen. Du kannst sagen: „Danke lieber Geist, dass du Sorgen produzierst, die ich wahrnehme. Ich nehme sie wahr und ich bin das unsterbliche Selbst. Ich bin das unsterbliche Selbst und weil ich das unsterbliche Selbst bin, kann mir nichts passieren und deshalb will ich mich verbinden mit dem Unendlichen und dem Ewigen. Ich weiß, dass ich das Unendliche und das Ewige bin und daraus kommt Vertrauen.“ Das sind die Schritte. Unterscheidung zwischen Wahrnehmenden, Wahrnehmbaren und dem Prozess der Wahrnehmung, vielleicht auch der Prozess des Erzeugens des Wahrnehmens. Das sind ja zwei Sachen. Dann löse dich von dem Wahrnehmbaren u.a. die Zukunftsängste. Nimm dich wahr als unsterbliches Selbst und wenn du willst ändere von innen heraus das Wahrnehmbare. Verwandle Ängste in Hoffnung und Zuversicht. Du musst es aber nicht. Du kannst dir auch weiterhin Sorgen machen, aber erkenne, dass du nicht die Sorgen bist.

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