Viveka Chudamani – Vers 569

Deutsche Übersetzung:

569. Durch die Verwirklichung der Einheit des Individuellen Selbst und Brahman werden seine Körper (grobstofflich, subtil und kausal) – bestehend aus Unwissenheit usw. – verbrannt, und er wird selbst Brahman. Wie kann Brahman (das Ungeborene) jemals wiedergeboren werden?

Sanskrit Text:

sad-ātmaikatva-vijñāna-dagdhāvidyādi-varṣmaṇaḥ |
amuṣya brahma-bhūtatvād brahmaṇaḥ kuta udbhavaḥ || 569 ||

सदात्मैकत्वविज्ञानदग्धाविद्यादिवर्ष्मणः |
अमुष्य ब्रह्मभूतत्वाद्ब्रह्मणः कुत उद्भवः || ५६९ ||

sad-atmaikatva-vijnana-dagdhavidyadi-varshmanah |
amushya brahma-bhutatvad brahmanah kuta udbhavah || 569 ||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • sad-ātmaikatva-vijñāna-dagdhāvidyādi-varṣmaṇaḥ : desjenigen, dessen aus Unwissenheit (Avidya) usw. (Adi) bestehender Körper (Varshman) durch die Erkenntnis (Vijnana) der Identität („Einheit“, Ekatva) des universalen („seienden“, Sat) und individuellen Selbst (Atman) verbrannt (Dagdha) ist
  • amuṣya : dieses (Adas)
  • brahma-bhūtatvāt : infolge seines zum Absoluten Gewordenseins (Brahmabhuta)
  • brahmaṇaḥ : Absoluten (Brahman)
  • kutaḥ : woher (käme, Kutas)
  • udbhavaḥ : (eine erneute) Geburt (Udbhava)     || 569 ||

Kommentar

In diesen Versen, dem vorigen und diesem, beschreibt Shankara, was aus der ewigen Seele wird. Er beschreibt, was nach dem Tod passiert mit dem selbstverwirklichten Weisen. Es gibt ja die verschiedenen Stufen in den Bhumikas:

Erste Stufe: Shubheccha – die Sehnsucht nach Wahrheit.

Zweite Stufe: Vicharana – Rechte Befragung, rechtes Praktizieren, rechtes Streben

Dritte Stufe: Tanumanasana – durchlässig werden des Geistes, transparent werden des Geistes. Zugang zu den ersten höheren Bewusstseinsstufen.

Vierte Stufe: Satvapati – das Erlangen von Reinheit. Savikalpa Samadhi wird erreicht. Tiefe höhere Bewusstseinsstufen werden erreicht.

Fünfte Stufe: AsamshaktiNirvikalpa Samadhi wird erreicht. Eigentlich ist die Befreiung schon erreicht, die Einheit erfahren. Aber jetzt läuft das Karma noch ab. Auf Asamshakti ist das Sanchita Karma verbrannt, da der Sinn des Lebens erfahren ist, brauchst du nichts mehr Neues zu lernen. Du hast alles gelernt, was es zu lernen gibt. Daher Sanchita verschmilzt. Du hast keine Identifikation mehr mit einem begrenztem Körper und der Psyche. Daher schaffst du auch kein neues Karma, Agami Karma entfällt. So lange du aber noch Prarabdha Karma hast, also das Karma hast, was begonnen hat, Früchte zu tragen, scheint es nur noch so zu sein wie andere. Du handelst. Wenn das Karma irgendwann weniger wird, dann folgt Padarthabhavani.

Sechste Stufe: Padarthabhavani. Und in Padarthabhavani tust du nichts mehr aus eigenem Antrieb. Du weißt, dass du das unsterbliche Selbst bist. Du identifizierst dich mit anderen Körpern sowie mit diesem Körper und immer wieder verlässt du die Körperebene. Aber es gibt noch etwas Karma und so kümmert sich das Prarabdha Karma darum, dass dieser Körper noch etwas zu essen bekommt. Das Prarabdha Karma kümmert sich darum, dass du noch die eine oder andere Aufgabe hast. Andere werden dich dazu auffordern, andere werden dir etwas geben. Es läuft ab. Schließlich folgt Turiya als siebte Stufe.

Siebte Stufe: Turyia – das Karma ist vorbei. Du gehst in ewigen Samadhi ein und innerhalb von drei Tagen bis maximal drei Wochen fällt der Körper ab. Du verlässt dann den physischen Körper. Du hast noch den Astralkörper. Viele Meister erscheinen dann noch ihren engsten Schülern innerhalb der ersten drei Tage. Vielleicht sogar etwas länger drei Wochen oder bis zu sechs Wochen, bis zu 40 Tagen kann der Meister noch seinen Schülern erscheinen. Danach verlässt der Meister diese Ebene. Eventuell lässt er einen Sankalpa zurück. Sankalpa heißt einen machtvollen Gedanken, eine Gedankenform, über die er weiter seine Schüler leiten kann und inspirieren kann. So wie wir zum Beispiel eine tiefe Beziehung zu Swami Sivananda haben. Wir haben das tiefe Gefühl und die Überzeugung, dass Swami Sivananda hinter Yoga Vidya steht. Aber er existiert nicht mehr als Individuum, sondern er hat einen Sankalpa, eine Gedankenform, eine Gedankenkraft herausgeschickt durch die Ishvara, Gott selbst wirkt. Der Meister löst danach Pranamaya Kosha auf (Energiehülle), Manomaya Kosha auf (Geistige Hülle) und Vijnanamaya Kosha (Wissenshülle) auf, alle Schichten des Astralkörpers auf. Dann löst der Meister auch Anandamaya Kosha und damit Karana Sharira auf, d.h. den Kausalkörper und danach bleibt nichts mehr übrig. Brahman ist nur Brahman, sogar die Spiegel in denen sich Brahman gespiegelt hat verschwinden. Ewige Befreiung, auf ewig eins mit dem Unendlichen. Keine Wiederkehr, keine Begrenzung, noch nicht einmal teilweise gespiegelte Begrenzung. Nur reines Bewusstsein. Tat tvam asi – das bist du. Strebe danach! Nur das wird dich dauerhaft glücklich machen.

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