Viveka Chudamani – Vers 442

Deutsche Übersetzung:

442. So wie die Flüsse, die in den Ozean münden, diesen nicht verändern, ebenso wenig verändert sich der befestigte Geist des Schülers durch die Sinneseindrücke, wenn er in der Absoluten Wirklichkeit absorbiert ist. Er ist tatsächlich /wahrlich befreit (vimukta).

Sanskrit Text:

yatra praviṣṭā viṣayāḥ pareritā
nadī-pravāhā iva vāri-rāśau |
linanti san-mātratayā na vikriyām
utpādayanty eṣa yatir vimuktaḥ || 442 ||

यत्र प्रविष्टा विषयाः परेरिता
नदीप्रवाहा इव वारिराशौ |
लिनन्ति सन्मात्रतया न विक्रिया-
मुत्पादयन्त्येष यतिर्विमुक्तः || ४४२ ||

yatra pravishta vishayah parerita
nadi-pravaha iva vari-rashau |
linanti san-matrataya na vikriyam
utpadayanty esha yatir vimuktah || 442 ||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • yatra : in den („wo“, Yatra)
  • praviṣṭāḥ : eintretend, verschwindend („eingetreten“, Pravishta)
  • viṣayāḥ : die Sinnesobjekte (Vishaya)
  • pareritāḥ : die von anderen (Para) gebracht („geschickt“, Irita) werden
  • nadī-pravāhāḥ : die Wasserströme (Pravaha) der Flüsse (Nadi)
  • iva : wie (Iva)
  • vāri-rāśau : im Ozean (Varirashi)
  • linanti : sich auflösen ()
  • san-mātratayā : weil (er) reines („bloßes“, Matra) Sein (ist, Sat)
  • na : nicht (Na)
  • vikriyām : eine Veränderung (Vikriya)
  • utpādayanti : hervorrufen (ud + pad)
  • eṣaḥ : dieser (Etad)
  • yatiḥ : Weltentsager (Yati)
  • vimuktaḥ : ist befreit (Vimukta)     || 442 ||

Kommentar

Das ist ein schönes Beispiel. Der Ozean ist riesengroß. Wenn da jetzt ein kleiner Fluss Wasser hinein bringt, dann macht das dem Ozean nichts. Er wird dadurch nicht verändert. So ähnlich auch siehst du Brahman überall. Und bist du dir bewusst, dass überall Brahman ist? Wirst du auch nicht beeinflusst, wenn du etwas siehst, hörst oder schmeckst? Wenn du weißt, dass die unendliche Seligkeit in der Meditation kommt, dann brauchst du jetzt nicht übermäßig viel abgelenkt werden, wenn du jetzt ein kleines Vergnügen bekommst. Und wenn du weißt, dass was auch immer geschieht, du die unendliche Glückseligkeit bist, dann macht dir das auch nichts aus, wenn der Körper mal die eine oder andere Krankheit hat, wenn das eine oder andere schief geht, was du begonnen hast. Das Glück des Selbst ist immer da. Und ebenso, wenn du weißt, dass in jedem Menschen Brahman ist, und die Essenz von jedem Brahman ist, dann machst du dir auch keine Sorgen, wenn ein Mensch aus deinem Gesichtsfeld tritt. Und du brauchst dir auch keine Sorgen zu machen, wenn jemand anderes stirbt oder auch wenn jemand anderes Verluste hat. Auf einer relativen Ebene solltest du natürlich dich um andere kümmern, aber wie jeder Arzt weiß, sterben Patienten irgendwann und die Psychotherapeuten wissen, dass sie nicht jedem Klienten helfen können. Yogalehrerende wissen, dass nicht jeder Yogaschüler von allen Krankheiten befreit wird durch die Yogapraxis. Es ist auch nicht so erheblich. Es ist schon wichtig, dass du dich bemühst, anderen zu helfen. Das gehört zu deinem Dharma, das sind deine Aufgaben aber jeder ist Brahman. So wenig wie wenn du aufwachst und dir Sorgen machst über die Personen, die im Traum dagewesen sind, denen es im Traum schlecht ging, so wenig brauchst du dir Sorgen zu machen um die anderen. Diese Welt ist wie eine Traumwelt. Trotzdem, wenn du im Traum bist, hilf anderen. Solange du in dieser Welt bist, hilf anderen. Aber verzweifle nicht, wenn deine Hilfe nicht ausreichend ist.

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