Viveka Chudamani – Vers 371

Deutsche Übersetzung:

371. Die Körper, Pranas, Sinnesorgane, Geist, Intellekt, etc., mit welchem dieser konditionierenden/prägenden Attribute auch immer der Geist sich verbindet, gleichsam wird auch der Yogi in selbiges verwandelt.

Sanskrit Text:

deha-prāṇendriya-mano-buddhy-ādibhir upādhibhiḥ |
yair yair vṛtteḥ samāyogas tat-tad-bhāvo’sya yoginaḥ || 371 ||

देहप्राणेन्द्रियमनोबुद्ध्यादिभिरुपाधिभिः |
यैर्यैर्वृत्तेः समायोगस्तत्तद्भावो ऽस्य योगिनः || ३७१ ||

deha-pranendriya-mano-buddhy-adibhir upadhibhih |
yair yair vritteh samayogas tat-tad-bhavo’sya yoginah || 371 ||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • deha-prāṇendriya-mano-buddhy-ādibhiḥ : (wie) Körper (Deha), Lebenskräfte („Atem“, Prana), Sinnesvermögen (Indriya), Geist (Manas), Intellekt (Buddhi) usw. (Adi)
  • upādhibhiḥ : begrenzenden Attributen (Upadhi)
  • yair yaiḥ : mit welchen jeweiligen (Yad)
  • vṛtteḥ : der geistigen Aktivität (besteht, Vritti)
  • samāyogaḥ : eine Verbindung (Samayoga)
  • tat-tad-bhāvaḥ : deren jeweilige (Tad) Seinsebene („Wesen“, Bhava)
  • asya : (wird) dem (Idam)
  • yoginaḥ : Praktizierenden (zuteil, Yogin)     || 371 ||

Kommentar

Shankara will uns erzählen, wie wir zur Gottverwirklichung kommen, zur Verwirklichung von Brahman, zur Verwirklichung von Atman unseres Selbst. Wir sind gerade dabei, Yogatechniken zu besprechen. Shankara geht jetzt im 371. Vers auf die Gefahr von Identifikation ein und ermahnt uns Identifikationen zu vermeiden:

„Die Körper, Pranas, Sinnesorgane, Geist, Intellekt, etc., mit welchem dieser konditionierenden/prägenden Attribute auch immer der Geist sich verbindet, gleichsam wird auch der Yogi in selbiges verwandelt.“

Das ist eine große Gefahr. Du hast Instrumente. Shankaracharya nennt sie die begrenzenden Attribute, die Upadhis. Es gibt verschiedene begrenzende Attribute, Instrumente des Handelns, Instrumente der Erfahrung, und Menschen verwandeln sich in diese.
Angenommen du fährst Auto, dann identifizierst du dich mit deinem Auto. Angenommen du parkst dein Auto irgendwo und dann fragt dich jemand, wo du stehst. Du antwortest: „Dort hinten.“ Du hast dich soweit mit dem Auto identifiziert, dass du das sagst.
So ähnlich denkst du, wenn du mit deinem Körper zu tun hast, vom ich. Wenn der Körper Rückenschmerzen produziert, dann sagst du: „Ich habe Schmerzen.“ Oder wenn deine Psyche Ärger produziert, dann sagst du, dass du so ärgerlich bist und identifizierst dich damit. Aber das ist alles ein Irrtum. Es gilt dieses zu vermeiden. Wenn dein Auto dort steht, dann steht dein Auto dort, nicht du.
Wenn dein Körper irgendwelche Verspannungen hat, dann hat der Körper Verspannungen, nicht du. Er weist vielleicht auf die Spannungen mittels eines Schmerzes hin. Aber nicht du bist der Schmerz.
Wenn in deiner Psyche Ärger ist, dann weißt dich deine Psyche auf etwas hin. Ich sage ja gerne, Emotionen sind Handlungsempfehlungen mit Informationen plus Energie. Nicht du bist ärgerlich, sondern in deinem Manas gibt es gerade eine Information und das ist eine Information mit Handlungsempfehlung plus Energie. So wenig wie du zum Smartphone wirst, wenn dir das Smartphone irgendwelche Informationen gibt, so wenig wirst du das Auto, wenn du mit dem Auto fährst, so wenig bist du der Körper, die Psyche, die Emotionen. Du bist das unsterbliche Selbst. Lebe gerade heute in diesem Bewusstsein! Mindestens für dich sage nicht: „Ich bin ärgerlich“, sondern mache dir bewusst, da geht in meiner Psyche etwas vor. Das sind die Gründe dafür. Das ist die Kommunikation wie meine Psyche zu mir spricht. Aber nicht du bist ärgerlich, sondern dein Wahrnehmungsorgan will dir etwas mitteilen über einen Ärger, den du wahrnehmen kannst, ohne dazu zu werden.

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