Viveka Chudamani – Vers 165

Deutsche Übersetzung:

165. Die Lebenskraft / Lebensenergie (prana) verbunden mit den fünf Handlungsvermögen (karmaindriya) bildet die Energie/Vitalhülle (pranamaya-kosha). Sie durchdringt die Nahrungshülle (annamaya-kosha) und führt alle Aktivitäten des Körpers durch.

Sanskrit Text:

karmendriyaiḥ pañcabhir añcito’yaṃ
prāṇo bhavet prāṇa-mayas tu kośaḥ |
yenātmavān anna-mayo’nupūrṇaḥ
pravartate’sau sakala-kriyāsu || 165 ||

कर्मेन्द्रियैः पञ्चभिरञ्चितो ऽयं
प्राणो भवेत्प्राणमयस्तु कोशः |
येनात्मवानन्नमयो ऽनुपूर्णः
प्रवर्तते ऽसौ सकलक्रियासु || १६५ ||

karmendriyaih panchabhir anchito’yam
prano bhavet prana-mayas tu koshah |
yenatmavan anna-mayo’nupurnah
pravartate’sau sakala-kriyasu || 165 ||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • karmendriyaiḥ : Handlungsvermögen (Karmendriya)
  • pañcabhiḥ : mit den fünf (Pancha)
  • añcitaḥ : verbunden („geschmückt mit“, Anchita)
  • ayam : diese (Ayam)
  • prāṇaḥ : Lebensenergie („Atem“, Prana)
  • bhavet : ist („sei“, bhū)
  • prāṇa-mayaḥ : die aus Lebensenergie bestehende (Pranamaya)
  • tu : nun (Tu)
  • kośaḥ : Hülle (Kosha)
  • yena : durch die (Yad)
  • ātmavān : beseelt (Atmavat)
  • anna-mayaḥ : aus Nahrung bestehende (Annamaya) Hülle
  • anupūrṇaḥ : erfüllt (Anupurna)
  • pravartate : ausführt (pra + vṛt)
  • asau : die (Adas)
  • sakala-kriyāsu : sämtliche (Sakala) Handlungen (Kriya)     || 165 ||

Kommentar

Shankara hat in den letzten Versen viel gesprochen über den Körper Annamaya Kosha, Nahrungshülle.

Aber die Nahrungshülle funktioniert nicht aus sich selbst heraus. Damit die Nahrungshülle, der Körper etwas tut, braucht er die Pranamaya Kosha, das heißt die Energiehülle.

Jetzt könntest du Pranamaya Kosha auf verschiedene Weise interpretieren. Du könntest Pranamaya Kosha als die Organisationsprinzipien des Körpers ansehen in Verbindung mit den Kommunikationsstrukturen das elektromagnetische Spektrum, usw.

Und so könntest du sagen, das was den Körper organisiert, das ist Prana. Oder du könntest Prana als feinstoffliche Energie ansehen, die durch den Körper hindurch wirkt und auch ohne den Körper existiert.

Du könntest sagen, es gibt einen Astralkörper bestehend aus Pranamaya Kosha, Manomaya Kosha, Vijnanamaya Kosha. Dieser Astralkörper verlässt den physischen Körper im Moment des Todes. Und auch jede Nacht verlässt der Astralkörper teilweise den physischen Körper, bleibt noch verbunden mit der astralen Nabelschnur, der Silberkordel. Und kommt dann eben morgens beim Aufwachen wieder zurück.

So könntest du es sehen und so muss ich zugeben sehe ich es. Aber du könntest auch anders interpretieren. Jedenfalls nach der Yoga Philosophie wie es auch Shankara vertritt ist der physische Körper letztlich nur physische Materie, unbelebt. So ähnlich wenn du physisch tot bist, was dann übrig bleibt.

Du bist mit deinem Astralkörper in der Astralwelt. Aber der physische Körper ist tot, hat kein Leben mehr, hat kein Prana mehr, zerfällt. Ohne Prana kann der Körper nichts machen.

In diesem Sinne kann auch helfen dir bewusst zu sein vieles was du dem physischen Körper zu schreibst ist nicht im physischen Körper sondern ist in der Pranamaya Kosha. Wenn du denkst du bist körperlich müde ist vielleicht nur dein Prana vorübergehend regenerationsbedürftig. Wenn du denkst, der Körper ist nervös, ist vielleicht nur das Prana ein bisschen unruhig. Und wenn du denkst das du irgendwie nichts machen kannst, fehlt dir vielleicht nur das Prana.

Das kann manchmal auch helfen weil du sagst ok, dann muss sich halt mein Prana wieder regenerieren. Ich übe ein paar mehr Runden Pranayama. Ich bin wieder regelmäßiger mit meinen Asanas, achte mehr darauf das ich gesunde Ernährung habe, die mehr Vitalkraft, mehr Prana hat.

Prana wirkt also durch den physischen Körper. Und der physische Körper wird vom Prana belebt. Ohne Prana zerfällt der physische Körper relativ zügig. Wenn du das weißt, fällt es dir auch leichter dich vom physischen Körper zu lösen. Und du hast auch weniger Angst vor dem physischen Tod. Oder auch wenn ein dir anvertrauter oder ein Verwandter stirbt ist das nicht so tragisch. Er verlässt einfach nur den physischen Körper. Und Yogis sagen sogar, zu existieren ohne den physischen Körper ist viel schöner als zu existieren mit dem physischen Körper. Es ist viel schöner ohne die Behinderungen des physischen Körpers. Das ist ähnlich, angenommen du bist dein ganzen Tag in einem kleinen Auto und kannst das Auto nicht verlassen. Es ist schöner aus dem Auto raus zu gehen.

Und in diesem Sinne das Leben nach dem Tod ist schöner als das Leben vor dem Tod. Das heißt nicht, das du Suizid begehen solltest, im Gegenteil. Wenn du vorzeitig aus dem Leben gehst dann kann es heißen das du die Zeit, die du eigentlich noch im Leben hättest verbringen sollen in einer erdnahen Ebene als Preta verbringst. Das ist nicht unbedingt schön. Es ist also klüger das Leben zu leben.

Aber wenn ein naher Angehöriger stirbt, eigentlich wäre es klug dich für ihn zu freuen oder für sie. Insbesondere die meisten Menschen sind ja grundsätzlich gute Menschen.

Wer nicht ganz Schlimmes getan hat, für den ist das Leben nach dem Tod schöner, wie eine Erlösung. Und wenn du noch sehr an ihm oder an ihr hängst und euer Karma noch nicht zu Ende ist kein Problem. Ihr werdet euch wieder sehen entweder in der Astralwelt nach diesem, wenn du auch stirbst. Oder ihr werdet euch wiedersehen im nächsten Leben aber in unterschiedlicher Konstellation.

Dein Partner in diesem Leben muss nicht dein Partner im nächsten Leben sein. Er kann auch deine Mutter sein, der kann dein Sohn sein, kann dein Chef sein oder auch dein Yogalehrer oder Yogaschüler. Wir inkarnieren uns in unterschiedlichen Konstellationen.

In diesem Sinne habe keine Angst vor dem Tod und bedaure auch auch den Tod Anderer nicht. Sondern sei dir bewusst die Seele ist untsterblich. Du bist unsterblich.

Audio

Video

Ein Gedanke zu „Viveka Chudamani – Vers 165“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.