Viveka Chudamani – Vers 488

Deutsche Übersetzung:

488. Verehrung, nur Verehrung/Ehrerbietung Dir, dem großen Lehrer, der du mit einem Blick wie die herabströmende Lichtflut des Mondes, meine Erschöpfung/ Müdigkeit – die aus den Qualen des Kreislaufes von Geburt und Geburt entstanden sind – beseitigt hast. In einem Augenblick ist mir die ungeteilte Herrlichkeit und Freude, die unvergängliche Erhabenheit des Selbst zuteil worden.

Sanskrit Text:

yat-kaṭākṣa-śaśi-sāndra-candrikā-
pāta-dhūta-bhava-tāpaja-śramaḥ |
prāptavān aham akhaṇḍa-vaibhavā-
nandam ātma-padam akṣayaṃ kṣaṇāt || 488 ||

यत्कटाक्षशशिसान्द्रचन्द्रिका-
पातधूतभवतापजश्रमः |
प्राप्तवानहमखण्डवैभवा-
नन्दमात्मपदमक्षयं क्षणात् || ४८८ ||

yat-kataksha-shashi-sandra-chandrika-
pata-dhuta-bhava-tapaja-shramah |
praptavan aham akhanda-vaibhava-
nandam atma-padam akshayam kshanat || 488 ||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • yat-kaṭākṣa-śaśi-sāndra-candrikā-pāta-dhūta-bhava-tāpaja-śramaḥ : durch dessen (Yad) Blick („Seitenblick“, Kataksha), die den herabströmenden („Fall“, Pata) kühlenden („weichen“, Sandra) Lichtstrahlen (Chandrika) des Mondes (gleichen, Shashin), meine Erschöpfung (Shrama), die aus den (sengenden) Qualen (Tapa) des (weltlichen) Daseins (Bhava) entstand (Ja), beseitigt (Dhuta) wurde
  • prāptavān : habe erlangt (pra + āp)
  • aham : ich (Aham)
  • akhaṇḍa-vaibhavānandam : der die Glückseligkeit (Ananda) vollständiger (Akhanda) Meisterschaft („Herrlichkeit“ birgt, Vaibhava)
  • ātma-padam : Zustand („Stellung“, Pada) des Selbst (Atman)
  • akṣayam : den unvergänglichen (Akshaya)
  • kṣaṇāt : in einem (einzigen) Augenblick (Kshana)     || 488 ||

Kommentar

Das ist das, was einen großen Meister auszeichnet. Er kann dir helfen, in die höchste Verwirklichung zu kommen. Meister können es tun, die in ihrem Körper sind. Meister, die nicht mehr in ihrem Körper sind, können es tun.
Ich will dir eine Geschichte erzählen, was ich mit meinem Meister Swami Vishnu-devananda erlebt habe. Es war im Jahr 1984. Ich habe eine Yogalehrer Ausbildung mit gegeben. Ich habe die deutsche Gruppe betreut, die Yogastunden, die Unterrichtstechniken gegeben, die Bhagavad Gita durchgenommen und die Vorträge von Swami Vishnu-devananda und Shanmug übersetzt. Ich war von morgens bis abends beschäftigt. Es war eine etwas kritische Gruppe. Die Gruppe hat immer wieder gefragt, ob sie dieses oder jenes machen müssen. Ich habe immer wieder versucht, mit Geduld und teilweise mit etwas Strenge die Gruppe zu inspirieren.
Die Ausbildung war zu Ende und am Ende der Ausbildung konnte man mit seiner Sprachgruppe zu Swami Vishnu gehen und er hat einen dann ganz freundlich bewirtet. Man hat etwas Kakao bekommen und manchmal eine kleine Süßigkeit. Er hat jedem zugehört und Ratschläge gegeben, wenn man ihn etwas gefragt hat. Es war immer eine schöne Erfahrung mit einer Sprachgruppe zu Swami Vishnu zu kommen und ihn mal von dieser besonderen Seite zu erleben, seine persönliche Nähe zu spüren.
Die Prüfungen waren geschrieben, das Mittagessen gegessen und ich habe der Gruppe gesagt, dass wir heute noch zu Swami Vishnu gehen könnten. Ich dachte, die Gruppe müsse das ja lieben. Aber anstatt zu sagen, „Ja toll, das können wir machen“, fragten sie, ob das denn jetzt noch sein müsse, sie würden ja morgen wieder abfahren. Sie wollten gerne noch den Nachmittag frei haben. Dann habe ich mich geärgert. Es waren zwar nur zwei, die so etwas gesagt hatten, vermutlich wären die anderen 12-14 Teilnehmer gerne mitgekommen, aber ich war dann ärgerlich und dachte, dann gehe ich halt alleine.
Ich habe dort angerufen, mit der Assistentin gesprochen und ihr gesagt, dass ich dieses Mal alleine komme und die Gruppe nicht mitkommt. Dann sagte sie, dass das in Ordnung wäre und ich einfach hinkommen könnte. Swami Vishnu liegt in seiner Hängematte und ich sollte einfach dorthin gehen und dann könnte ich mich verabschieden. Ich habe noch gedacht, was ich dort machen soll: Swamiji in der Hängematte… aber ich dachte auch, die Gelegenheit Swamiji für mich alleine zu haben, will ich mir nicht entgehen lassen. Ich ging also zur Hütte von Swamiji an einen Bach mit einem kleinen Wasserfall vorbei, in dem auch eine kleine Murti, eine Statue von Swami Sivananda war. Sie war nicht sehr groß, vielleicht 30-40 cm und dahinter war auch Swami Vishnus Hängematte und Swami Vishnu liegend in der Hängematte. Ich wusste nicht, was ich tun sollte. Dann setzte ich mich einfach neben Swamiji, vor seine Hängematte, und ließ einfach die Schwingung von ihm auf mich wirken. Ich bin langsam dorthin gegangen. Aber Swamiji hatte mich gesehen. Er setzte sich auf, saß weiter in der Hängematte, hatte aber die Füße auf dem Boden und fragte mich ein paar Worte. Ich antwortete ihm. Und dann sagte er: „Verneige dich vor Meister Sivananda. Bekomme deinen Segen und dann meditiere.“ Ich ging also ein paar Schritte weiter. Dort war die Murti von Swami Sivananda. Ich verneigte mich. Setze mich dann gerade hin und plötzlich spürte ich einen Schwall von Energie in mich hineinströmen und ich spürte, wie diese Energie nach oben stieg. Ich spürte mich in eine andere Bewusstseinsebene katapultiert. Eine Erfahrung von Freude, Wonne, Einheit. Ich weiß nicht, wie lange ich darin geblieben bin. Nachher wusste ich nur, dass es eine längere Weile gewesen sein musste. Schließlich kam ich aus dem Bewusstseinszustand heraus. Ich verneigte mich vor Swami Sivananda. Swami Vishnu-devananda saß weiter dort in seiner Hängematte, die Füße auf dem Boden mich anschauend, liebevoll, voller Güte. Ich verneigte mich vor ihm. Er sagte noch ein paar Worte und ich war in der Tiefe meines Wesens transformiert.

So kann der Segen, die Gnade eines Meisters in dich hineindringen und durch dich wirken. Und ich habe auch Erfahrungen mit Swami Sivananda gehabt, worüber ich vielleicht ein anderes Mal erzählen werde. Du kannst diese großartigen Bewusstseinserweiterungserfahrungen haben mit einem lebenden Meister oder mit einem, der nicht mehr im physischen Körper ist. Es gilt dich auf den Meister einzustimmen, dem Werk des Meisters zu dienen, die Lehren umzusetzen und zu gegebener Zeit wirst du dann ins Überbewusstsein hineinkatapultiert werden. Eigene Bemühungen, Gnade Gottes, Gnade des Meisters, alles verbindet sich.

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