Viveka Chudamani – Vers 357

Deutsche Übersetzung:

357. Allein diejenigen sind frei von den Fesseln des Geburtenkreislauf, die die einpünktige Vertiefung / Samadhi erreicht haben, diejenigen, die die objektive Welt, die Sinnesorgane, den Geist, ja eben das Ego im Selbst als reines Bewusstsein auflösen – und nicht diejenigen, die lediglich über ihr indirektes Wissen plappern.

Sanskrit Text:

samāhitā ye pravilāpya bāhyaṃ
śrotrādi cetaḥ svam ahaṃ cid-ātmani |
ta eva muktā bhava-pāśa-bandhair
nānye tu pārokṣya-kathābhidhāyinaḥ || 357 ||

समाहिता ये प्रविलाप्य बाह्यं
श्रोत्रादि चेतः स्वमहं चिदात्मनि |
त एव मुक्ता भवपाशबन्धै-
र्नान्ये तु पारोक्ष्यकथाभिधायिनः || ३५७ ||

samahita ye pravilapya bahyam
shrotradi chetah svam aham chid-atmani |
ta eva mukta bhava-pasha-bandhair
nanye tu parokhsya-kathabhidhayinah || 357 ||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • samāhitā : gesammelt, meditativ versenkt (Samahita)
  • ye : diejenigen, die (Yad)
  • pravilāpya : vollständig verschwinden lassen haben (pra + vi + )
  • bāhyam : das Äußere (Bahya)
  • śrotrādi : (die Sinnesorgane wie) das Hören (Shrotra) usw. (Adi)
  • cetaḥ : den Geist, das Denken (Chetas)
  • svam : sein eigenes (Sva)
  • aham : Ich, Ego (Aham)
  • cid-ātmani : im Selbst, das reines Bewusstsein ist (Chidatman)
  • te : die (Tad)
  • eva : nur, allein (Eva)
  • muktā : sind befreit (Mukta)
  • bhava-pāśa-bandhaiḥ : aus den Banden (Bandha) der Fesseln (Pasha) der materiellen Existenz („des Werdens“, Bhava)
  • na : nicht (Na)
  • anye : die anderen (Anya)
  • tu : aber (Tu)
  • pārokṣya-kathābhidhāyinaḥ : die Geschichten (Katha) über Mysterien (Parokshya) nachplappern („lehren“, Abhidhayin)     || 357 ||

Kommentar

Bist du vielleicht jemand, der nicht die tolle Bildung hat? Bist du vielleicht jemand, der nicht die Universitätsbildung hat wie andere? Bist du vielleicht ein einfacher Yogalehrer, eine einfache Yogalehrerin und es gibt andere, die vielleicht sogar Indologie studiert haben, Philosophie studiert haben? Oder hast du Teilnehmer, Teilnehmerinnen, die Mediziner, Heilpraktiker, Psychotherapeuten sind und du fühlst dich etwas unsicher? Du denkst andere wissen so viel mehr, wie kann ich mit den Menschen umgehen?
Lausche was Shankara dir da im 357. Vers des Viveka Chudamani dazu sagt:

Allein diejenigen sind frei von den Fesseln des Geburtenkreislauf, die die einpünktige Vertiefung / Samadhi erreicht haben, diejenigen, die die objektive Welt, die Sinnesorgane, den Geist, ja eben das Ego im Selbst als reines Bewusstsein auflösen – und nicht diejenigen, die lediglich über ihr indirektes Wissen plappern.
Es spielt keine Rolle, wenn andere mehr intellektuelles Wissen haben. Das ist nicht so erheblich. Erheblicher ist, dass du in der Lage bist, in die meditative Versenkung zu gehen. Dass du in der Lage bist, dich vom Relativen zu lösen. Dass du in der Lage bist, das Selbst aller Wesen zu erfahren. Habe keine Komplexe, wenn andere indirekt etwas mehr wissen als du. Es gibt große Heilige, die ungebildet waren. Einer der bekanntesten Schüler von Ramakrishna Paramahamsa konnte kaum lesen und schreiben. Er hat trotzdem die Gottverwirklichung erreicht. Anandamayi Ma hatte keine großartige Schulbildung. Sie war eine selbstverwirklichte Meisterin. Ramakrishna Paramahamsa hatte zwar eine gewisse Grundbildung. Er konnte lesen und schreiben, auch wenn es manchmal heißt, er konnte das nicht. Er hatte kein Schriftenstudium, keine höhere Bildung gehabt. Viele seiner Schüler waren sehr viel gebildeter als er. Aber Ramakrishna hat die Gottverwirklichung erreicht.

Ich kann mich erinnern, als ich meinen ersten Meditationskurs gegeben habe, da war ich gerade mal 19 Jahre alt. Die durchschnittlichen Teilnehmer waren doppelt so alt wie ich. Ich habe mir die Kursliste angeschaut und da war ein Arzt dabei, ein Psychologe, ein Psychotherapeut und ein Heilpraktiker. Ich habe da „Au weia“ gedacht. Damals wurde am Telefon abgefragt, was jemand für einen Beruf hat. Manche haben es gesagt, manche nicht. Ich wusste nicht, wie ich denen etwas sagen konnte. Ich war so jung und wusste wenig.
Meine Lehrerin hatte mir dann mehreres gesagt, z.B.: „Es ist nicht wichtig, was die intellektuell wissen. Sie kommen her, um etwas zu lernen. Du hast Erfahrungen in der Meditation. Du kannst es ihnen weitergeben.“ Und sie hat mir gesagt: „Wenn Swami Sivananda gewollt hätte, dass dort jemand wäre, der mehr weiß als du, dann hätte er jemand anderen gefunden, der den Kurs übernimmt. Es gibt niemand anderen. Er hat dich hineingegeben, also bist du genau der richtige Lehrer. Lasse Swami Sivananda durch dich wirken. Dann wird alles gut sein.“

In diesem Sinne habe keine Minderwertigkeitskomplexe, wenn du Yogalehrer oder Yogalehrerin bist und andere intellektuell mehr wissen. Habe weder Minderwertigkeitskomplexe gegenüber anderen Yogalehrenden noch gegenüber deinen teilnehmenden Yogaschülern noch gegenüber solchen, die vielleicht über dich urteilen. Wichtig ist, dass du das unsterbliche Selbst bist. Wichtig ist die eigene Praxis und das Bemühen, zur Ruhe zu kommen; und immer wieder die Verbindung von deinem Selbst zum Selbst anderer zu suchen, das Aufleuchten-Lassen in deinem Bewusstsein von Einheit zwischen dir und jedem anderen. Das ist wichtig.

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