Viveka Chudamani – Vers 317

Deutsche Übersetzung:

317. Wenn das Ichbezogene Handeln aufhört, hört das Grübeln über Sinnesobjekte auf, gefolgt von der Zerstörung von vasanas. Die endgültige Zerstörung von vasanas ist Befreiung. Dies wird als zu Lebzeiten Befreit genannt (jivanmukti).

Sanskrit Text:

kriyā-nāśe bhavec cintā-nāśo’smād vāsanā-kṣayaḥ |
vāsanā-prakṣayo mokṣaḥ sā jīvan-muktir iṣyate || 317 ||

क्रियानाशे भवेच्चिन्तानाशो ऽस्माद्वासनाक्षयः |
वासनाप्रक्षयो मोक्षः सा जीवन्मुक्तिरिष्यते || ३१७ ||

kriya-nashe bhavech chinta-nasho’smad vasana-kshayah |
vasana-prakshayo mokshah sa jivan-muktir ishyate || 317 ||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • kriyā-nāśe : auf das Verschwinden (Nasha) des Handelns (Kriya)
  • bhavet : folgt („wird“, bhū)
  • cintā-nāśaḥ : das Verschwinden (Nasha) des Denkens (Chinta)
  • asmāt : danach (Idam)
  • vāsanā-kṣayaḥ : (erfolgt) die Vernichtung (Kshaya) der geistigen Eindrücke, Wünsche (Vasana)
  • vāsanā-prakṣayaḥ : die Vernichtung (Prakshaya) der geistigen Eindrücke, Wünsche (Vasana)
  • mokṣaḥ : (ist) Befreiung, Erlösung (Moksha)
  • sā : diese (Tad)
  • jīvan-muktiḥ : (als) Befreiung zu Lebzeiten (Jivanmukti)
  • iṣyate : wird betrachtet (iṣ)     || 317 ||

Kommentar

Wenn das ich-bezogene Handeln aufhört, Shankara hatte ja in den letzten Versen Tipps gegeben, wie wir unsere Gedanken beherrschen. Er hat gesagt, wenn du frei sein willst, dann musst du dich auch befreien von der Identifikation. Du musst dich von der Identifikation befreien, zum einen von der Identifikation mit den Instrumenten Körper, Psyche, physischer Körper, Energiekörper, Emotionshülle, Intellektuelle Hülle. Du musst dich von der Identifikation damit lösen.
Aber du solltest dich auch lösen von der Identifikation mit Wünschen und damit von Gedanken und Handlungen. Wie tust du das? Er hat eine kombinierte Strategie vorgeschlagen: Unwissenheit überwinden, Identifikation überwinden, die dahinter stehenden Wünsche überwinden, dann die Emotionalität überwinden und die daraus entstehenden Wünsche selbst überwinden und schließlich die Handlungen überwinden.
Und in diesem Vers sagt Shankara, dass du mindestens die Handlungen beherrschen sollst. Das ist das mindeste, was du tun kannst. Hier könnte man auch die Interpretation des Samadhi Shatkam heranziehen. Da geht es ja auch über Sama, Dama, Uparati, Titiksha. Sama wäre Beherrschung des Geistes. Dama wäre die Beherrschung der Sinne. Uparati heißt, den Ort des Geschehens verlassen. Wenn du merkst, dass dort eine Emotion ist, die vielleicht nicht angemessen oder nicht so gut ist, dann wäre das beste Sama, Ruhe des Geistes. Du beruhigst deinen Geist. Wenn das nicht geht, dann übe Dama, d.h. reagiere äußerlich nicht. Bewahre Haltung, schimpfe nicht, wirf nicht mit Steinen, renne nicht schreiend raus und so weiter. Lerne es einfach auszuhalten. Dama wird manchmal auch Titiksha genannt. Und wenn du merkst, dass du dich nicht beherrschen kannst, dann übe Uparati, d.h. meide den Ort des Geschehens, finde eine kluge Ausrede und verlasse den Ort bevor du die Fassung verlierst.

Shankara empfiehlt hier, dass du deine Handlungen beherrschen sollst. Wenn du also jemand bist, der sich über andere aufregt, sie dann beschimpft, die Stimme laut erhebt, dann kannst du sagen, dass es am besten wäre, wenn du erkennst, dass du das unsterbliche Selbst bist auch in allen Wesen und auch in demjenigen, über den du dich aufregst.

Du könntest auch sagen, dass es gut wäre, wenn du aufhörst, dich zu identifizieren; dich zu identifizieren als jemand, der etwas so und so tun sollte, als jemand, wo es so und so sein sollte usw. Ich sollte mal Raga und Dvesha überwinden und Abhinivesha, also die Emotionalität überwinden. Wenn ich merke, dass ein Ärger hochkommt, bewahre ich Ruhe, Freundlichkeit, Gelassenheit, Verständnis. Aber wenn das alles nicht geht, dann schimpfe nicht, sprich nicht laut los, beschimpfe den anderen nicht, beherrsche mindestens die Handlung. Ich muss jetzt gerade daran denken, dass ich einmal wieder etwas gemacht habe, was ich gerne mache, nämlich eine Weile auf Zucker zu verzichten. Irgendwie habe ich es mir gar nicht so bewusst vorgenommen, sondern einfach gedacht, dass es gut wäre, wenn ich das mal wieder machen würde. Deshalb habe ich in den letzten 3 Wochen nichts Industriezuckerhaltiges mehr gegessen. Und ich muss feststellen, dass ich gar keinen Wunsch nach Zucker habe.
Ein Beispiel die Herrschaft über das Handeln führt auch dazu, dass die Vasanas weniger werden. Du kannst an jeder Ebene arbeiten. Shankara empfiehlt ja gerne eine kombinierte Strategie. In diesem Vers sagt er: Beherrsche deine Handlungen.

Jetzt überlege: Was willst du beherrschen?

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