Viveka Chudamani – Vers 151

Deutsche Übersetzung:

151. Entfernt man gleicherweise die fünf Hüllen, wird das reine Höchste Selbst sichtbar, das dem Wesen nach ewig glückselig (nityananda) ist, im Innersten wohnt (pratyag-rupa), und aus sich selbst leuchtet (svayam-jyotis).

Sanskrit Text:

pañcānām api kośānām
apavāde vibhāty ayaṃ śuddhaḥ |
nityānandaika-rasaḥ
pratyag-rūpaḥ paraḥ svayaṃ-jyotiḥ || 151 ||

पञ्चानामपि कोशाना-
मपवादे विभात्ययं शुद्धः |
नित्यानन्दैकरसः
प्रत्यग्रूपः परः स्वयंज्योतिः || १५१ ||

panchanam api koshanam
apavade vibhaty ayam shuddhah |
nityanandaika-rasah
pratyag-rupah parah svayanjyotih || 151 ||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • pañcānām : fünf (Pancha)
  • api : aller (Api)
  • kośānām : Hüllen (Kosha)
  • apavāde : nach Ausschließung (in Bezug auf die Frage, was das Selbst ist, Apavada)
  • vibhāti : erscheint (vi + bhā)
  • ayam : dieses (Ayam)
  • śuddhaḥ : reine (Shuddha)
  • nityānandaika-rasaḥ : (als) unwandelbare (Ekarasa) ewige Glückseligkeit (Nityananda)
  • pratyag-rūpaḥ : innewohnende (Pratyagrupa)
  • paraḥ : höchste (Selbst, Para)
  • svayaṃ-jyotiḥ : das aus sich selbst leuchtet (Svayamjyotis)     || 151 ||

Kommentar

Hier im 151. Vers spricht Shankara von Panchanam, fünf Koshanam, Hüllen. Du weißt inzwischen, die fünf Hüllen sind Annamaya Kosha, die Nahrungshülle, Pranamaya Kosha, die Energiehülle, Manomaya Kosha, emotionale Hülle, Vijnanamaya Kosha, die intellektuelle Hülle, Anandamaya Kosha, die Wonnehülle.

Gut, diese gilt es zu entfernen. Wie entfernst du diese? Indem du erkennst: Ich bin sie nicht. Mache dir bewusst, da ist der Körper, Annamaya, gemacht aus Nahrung. Du isst. Daraus entsteht Nahrung. Du scheidest es wieder aus. Du urinierst, du hast Fäkalien, usw. das ist der Körper.

Wenn du dich mit dem Körper identifizieren wolltest, könntest du überlegen wo ist der Körper? Bin ich die Haare oder nicht die Haare? Der Körper kann nicht existieren ohne Mikroorganismen. Es heißt, dass im menschlichen Körper 100 mal so viele Zellen mit nichtmenschlicher DNA existieren als es Zellen mit menschlicher DNA gibt.

Du könntest dich fragen: bin ich dieser Körper, nur die menschliche DNA oder bin ich auch die ganzen Mikroorganismen?

Der Mensch kann nicht existieren ohne Bakterien und Hefepilze, usw.

Der Mensch ist letztlich ein Symbiont. Scherzhaft könnte man sagen, der Mensch dient als Wirtstier für so viele Mikroorganismen.

Du bist nicht der Körper. Es wäre ja die Frage, was ist der Körper? Du könntest wiederum überlegen, ab wann wird etwas zum Körper? Angenommen du würdest dich mit deinem Körper identifizieren und du trinkst jetzt ein Glas Wasser. Ab wann bist du das Wasser? Wenn du es trinkst? Im Glas? Im Mund? Im Magen? Im Blut?

Wenn du etwas isst ab, wann wirst du zu dem? Im Mund? Im Magen? Usw? Bist du auch die Fäkalien? Oder nicht? Bist du der Urin? Wird ein Teil von dir ausgeschieden? Wer bin ich?

Jetzt sage bitte nicht: Ich bin das Gehirn. Aber was ist das Gehirn? Kann Gehirn ohne Körper funktionieren? Inzwischen spricht man auch vom Bauchhirn. Und man weiß, irgendwo ist das ganze Nervengeflecht auch wichtig. Hirn allein reicht auch nicht aus. Wer bin ich?

Höre auf, dich zu identifizieren mit diesem Körper. Beobachte den Körper. Aber du bist nicht der Körper.

Genau so auch, sei dir bewusst das Prana, die Lebensenergie, mal mehr mal weniger, hat eine Auswirkung auf die Stimmung. Aber nicht du bist es,  der die Energien ist. Emotionen kommen und gehen. Sei dir bewusst, über des Kommens und Gehens der Emotionen. Aber du bist nicht die Emotionen.

Du bist auch nicht der Intellekt. Der Intellekt ist ein wichtiges Instrument gerade im Jnana Yoga. Aber du bist nicht der Intellekt. Und auch die Entzückungserfahrungen, die vielleicht kommen in tiefer Meditation oder beim Pranayama – auch die bist du nicht, Anandamaya Kosha.

Löse dich von all dem. Immer wieder erkenne das Spiel der Koshas. Und es gibt noch eine weitere Möglichkeit. Du könntest die Koshas auch noch sehen in sattva, rajas, tamas.

Du könntest z. Bsp. sagen mein Körper ist gerade sehr tamasig. Es ist schwer ihn zu bewegen. Aber nicht ich bin tamasig. Körper ist tamasig. Oder der Körper ist gerade rajasig, ein bisschen nervös. Oder es gibt irgendwo blockiertes rajas. Das sind Schmerzen.

Oder der Körper ist ganz entspannt und fühlt sich wohl, sattwig.

Oder die Energien sind gerade rajasig, unruhig. Oder sie sind gerade tamasig, wenig Energie. Oder sattwig, so leicht und subtil.

Oder die Emotionen sind gerade tamasig, traurig und niedergeschlagen. Oder sind rajasig, ängstlich, ärgerlich, gierig oder sattwig, mitfühlend, freudevoll. Oder der Intellekt ist gerade tamasig. Du verstehst gar nichts. Du kapierst nichts. Oder der Intellekt ist rajasig. Er springt von einem zum anderen, kann sich nicht konzentrieren. Oder ist sattwig, ist klar.

Du kannst das so klassifizieren und überlegen. Und dann kannst du dich davon lösen. So sagt der hier: dadurch Ayam, also Vipati, so erscheint Apavade nach Ausschließung der Koshas erscheint Ayam, dieses, Shudda, als rein. Mitanandaika rasa ha, als ekarasa, als unwandelbar, ewige Glückseligkeit, Nityananda, Pratyak rupa. Das innewohnde para höchstes Selbst. Swayam joti, das aus sich selbst leuchtet.

Löse und binde, „atach, detach“ hat Swami Sivananda gesagt. Steht auch in der Alchemie: Solve et coagula. Löse dich vom Begrenzten, was du nicht bist. Beobachte das, was du nicht bist und löse dich von der Identifikation. Und dann sei dir bewusst: Ich bin das unsterbliche Selbst, reines Licht, reine Freude, ewige Freude.

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