Viveka Chudamani – Vers 252

Deutsche Übersetzung:

252. So wie alles, was im Traum (nidra) erscheint – Orte, Zeit, Dinge und der Erkennende – unwirklich (mithya) ist, genauso unwirklich ist auch die Welt (jagat) im Wachzustand (jagrati), indem sie aus Unwissenheit über das Selbst entsteht. So sind diese Welt und auch der Körper (sharira), die Sinnesorgane (karana), die Lebenskräfte (prana) und das Ich (aham) unwirklich. Deshalb bist du das „tat tvam asi“ – die friedvolle, reine, Höchste (para), nicht-duale (advaya) Absolute Wirklichkeit, Brahman.

Sanskrit Text:

nidrā-kalpita-deśa-kāla-viṣaya-jñātrādi sarvaṃ yathā
mithyā tad-vad ihāpi jāgrati jagat svājñāna-kāryatvataḥ |
yasmād evam idaṃ śarīra-karaṇa-prāṇāham-ādy apy asat
tasmāt tat tvam asi praśāntam amalaṃ brahmādvayaṃ yat param || 252 ||

निद्राकल्पितदेशकालविषयज्ञात्रादि सर्वं यथा
मिथ्या तद्वदिहापि जाग्रति जगत्स्वाज्ञानकार्यत्वतः |
यस्मादेवमिदं शरीरकरणप्राणाहमाद्यप्यसत्
तस्मात्तत्त्वमसि प्रशान्तममलं ब्रह्माद्वयं यत्परम् || २५२ ||

nidra-kalpita-desha-kala-vishaya-jnatradi sarvam yatha
mithya tad-vad ihapi jagrati jagat svajnana-karyatvatah |
yasmad evam idam sharira-karana-pranaham-ady apy asat
tasmat tat tvam asi prashantam amalam brahmadvayam yat param || 252 ||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • nidrā-kalpita-deśa-kāla-viṣaya-jñātrādi : was im Traum („Schlaf“, Nidra) als Vorstellung erscheint („vorgestellt ist“, Kalpita) wie der Ort (Desha), die Zeit (Kala), die Sinnesobjekte (Vishaya), der Erkennende (Jnatri) usw. (Adi)
  • sarvam : alles (Sarva)
  • yathā : so wie (Yatha)
  • mithyā : unwirklich (ist, Mithya)
  • tad-vat : genauso (unwirklich, Tadvat)
  • iha : jetzt (Iha)
  • api : (ist) auch (Api)
  • jāgrati : im Wachzustand (jagrat)
  • jagat : die Welt (Jagat)
  • svājñāna-kāryatvataḥ : weil sie eine Auswirkung (Karyatva) der Nichtkenntnis (Ajnana) des Selbst (Sva) ist
  • yasmāt : weil (Yasmat)
  • evam : ebenso (Evam)
  • idam : das hier (Idam)
  • śarīra-karaṇa-prāṇāham-ādi : der Körper (Sharira), die Sinnesorgane (Karana), die Lebenskräfte (Prana), das Ich (Aham) usw. (Adi)
  • api : auch (Api)
  • asat : unwirklich (sind, Asat)
  • tasmāt : deshalb (Tasmat)
  • tat : das (Tad)
  • tvam : du (Tvam)
  • asi : bist (Asi)
  • praśāntam : stille (Prashanta)
  • amalam : makellose (Amala)
  • brahma : Absolute (Brahma)
  • advayam : non-duale (Advaya)
  • yat : das („was“, Yat)
  • param : Höchste (Para)     || 252 ||

Kommentar

Hier sind wir jetzt in Teilen des Viveka Chudamani wo es einen Abschlussvers gibt, der sich immer wiederholt. Er heißt: „tasmāt tat tvam asi praśāntam amalaṃ brahmādvayaṃ yat param“.
So hat der 251. Vers geendet und so endet auch der 252. Vers. Es heißt Tat Tvam Asi tasmad, d.h. so ist zu verstehen, dieser Vers (Tat Tvam Asi), du bist das, und was bist du? Prashanta, die reine Stille. Du bist amala, makellos. Du bist Brahma, das Absolute, advya, non-dual yat, (das) param (Höchste). Es ist wie eine Affirmation, eine Bestätigung. Das, deshalb Tat Tvam Asi, bist du das, das Friedvolle, das immer Makellose, das Brahman, das Non-duale, das Höchste. Das bist du. Und warum sagt er das? Er sagt es jedes Mal etwas anders.
Hier spricht er davon, dass der Traum unwirklich ist. Angenommen du würdest träumen, ich weiß, dass es immer wieder das gleiche Beispiel ist, aber trotzdem, angenommen du würdest träumen, dann erscheint eine Welt und die Welt erscheint als wirklich. Du identifizierst dich mit einer Person in diesem Traum. So ist es jetzt auch. Du denkst, dass du dieser Körper, diese Psyche bist. Du hast diese Eigenschaften und siehst die Welt und hast Vater, Mutter, Kinder, Partner, Partnerin, hast vielleicht Kinder, Schüler oder Yogalehrer, all diese Menschen sind da. Aber alles ist nur Illusion. Es ist so Illusion wie ein Traum. Die Welt, wie du sie wahrnimmst, ist Mitya, Täuschung, was wahr ist, ist Brahman das Bewusstsein hinter allem.
Mache dir das bewusst. Lass dich nicht zu sehr aufregen von dem, was in dieser Traumrealisation geschieht. Tat Tvam Asi, du bist das unsterbliche Selbst.

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