Viveka Chudamani – Vers 280

Deutsche Übersetzung:

280. „Ich bin nicht die begrenzte Einzelseele (jiva), sondern die höchste Absolute Wirklichkeit (param brahma) „ – mit diesem Gedanken eliminiere alles, was Nicht-Selbst ist und beseitige die Projektionen auf das Selbst, die durch die Macht deiner vergangenen Wünsche entstanden sind.

Sanskrit Text:

nāhaṃ jīvaḥ paraṃ brahmety atad-vyāvṛtti-pūrvakam |
vāsanā-vegataḥ prāpta-svādhyāsāpanayaṃ kuru || 280 ||

नाहं जीवः परं ब्रह्मेत्यतद्व्यावृत्तिपूर्वकम् |
वासनावेगतः प्राप्तस्वाध्यासापनयं कुरु || २८० ||

naham jivah param brahmety atad-vyavritti-purvakam |
vasana-vegatah prapta-svadhyasapanayam kuru || 280 ||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • na : nicht (Na)
  • aham : ich (bin, Aham)
  • jīvaḥ : die Individualseele (Jiva)
  • param : sondern (Param)
  • brahma : das Absolute (Brahman)
  • iti : so (denkend, Iti)
  • atad-vyāvṛtti-pūrvakam : nach (Purvaka) Ausschluss (Vyavritti) dessen, was nicht das (Absolute, Atad) ist
  • vāsanā-vegataḥ : durch das Ungestüm (Vega) der Wünsche (Vasana)
  • prāpta-svādhyāsāpanayam : die Beendigung („Vertreibung“, Apanaya) der falschen Identifikationen („Übertragung“, Adhyasa) des Selbst (Sva), die erlangt wurde (Prapta)
  • kuru : bewirke (kṛ)     || 280 ||

Kommentar

Om Namah Shivaya und herzlich willkommen zum Viveka Chudamani Vortrag, Viveka Chudamani Podcast. Mein Name ist Sukadev von www.yoga-vidya.de. Ich bin gerade dabei eines der wichtigsten Werke des Vedanta zu kommentieren. Viveka Chudamani, das Kronjuwel der Unterscheidung. Der große Yogameister Shankaracharya erläutert, wie wir die Unterscheidung machen können zwischen dem Selbst und dem Nichtselbst. Im 280. Vers sagt er:

nāhaṃ jīvaḥ paraṃ brahmety atad-vyāvṛtti-pūrvakam |
vāsanā-vegataḥ prāpta-svādhyāsāpanayaṃ kuru || 280 ||

„Ich bin nicht die begrenzte Einzelseele (jiva), sondern die höchste Absolute Wirklichkeit (param brahma)“ – mit diesem Gedanken eliminiere alles, was Nicht-Selbst ist und beseitige die Projektionen auf das Selbst, die durch die Macht deiner vergangenen Wünsche entstanden sind.
Angenommen es geschieht dir, dass jemand anderes dir vorgezogen wird. Nehmen wir mal an, du wartest in einer Arztpraxis. Du wartest schon eine halbe Stunde. Es gibt weitere fünf bis zehn Menschen im Wartezimmer. Jemand ist gerade vor einer Viertelstunde ins Wartezimmer gekommen und die Sprechstundenhilfe ruft den Menschen direkt auf. Der Mensch ist eine halbe Stunde später als du gekommen. Jetzt kannst du dich darüber ärgern: „Ungerecht. Ungerechte Gesellschaft. Wahrscheinlich Privatpatient. Vielleicht kennt er den Arzt persönlich.“ Du kannst dich aufregen und es ist auch gut gegen Ungerechtigkeit etwas zu tun, aber in dem Moment nützt das nichts. Stattdessen freue dich darüber und sage dir: „Vielleicht hat die Person eine besondere Erkrankung. Vielleicht ist sie schon zum fünften oder sechsten Mal da. Vielleicht war sie schon mal vor einer Stunde da. Gut, dass sie zuerst dran ist.“ Anstatt dich darüber zu ärgern, dass du noch nicht dran bist, dass du vernachlässigt worden bist, freue dich über die andere Person. Wenn du also siehst, dass jemand anderes mehr Aufmerksamkeit bekommt als du, dann freue dich, denn eigentlich ist es nicht jemand anderes, der mehr Aufmerksamkeit bekommt, sondern es bist du, da der- oder diejenige ja auch dein Selbst ist. D.h. du in einem anderen Körper bekommst mehr Aufmerksamkeit als du in diesem Körper. Probiere das aus. Das nächste Mal wenn du dich irgendwie gekränkt fühlst, weil jemand anderes dir vorgezogen wird, sei dir bewusst, dass du das unsterbliche Selbst bist. Ich bin das Selbst in diesem Körper, der jetzt vorgezogen wurde. Nicht jemand anderes ist mir vorgezogen worden, sondern ich bin in einem anderen Körper gut behandelt worden.

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