Viveka Chudamani – Vers 39

Deutsche Übersetzung:

39. Oh Meister! Ergieße den Nektar deiner Worte über mich, der wie aus einem Becher/ Krug / Wassergefäß rein und kühlend auf mich als Elixier wie die Wonne der Absoluten Wirklichkeit (brahman) wirkt. Ich verbrenne unter den Qualen im Kreislauf von Geburt und Tod, wie in den Flammen eines brennenden Waldes. Gesegnet sind jene, auf denen Dein Blick nur eine Sekunde ruht, die zu Dir Zuflucht gefunden haben.

Sanskrit Text:

brahmānanda-rasānubhūti-kalitaiḥ pūtaiḥ su-śītair yutaiḥ
yuṣmad-vāk-kalaśojjhitaiḥ śruti-sukhair vākyāmṛtaiḥ secaya |
santaptaṃ bhava-tāpa-dāva-dahana-jvālābhir enaṃ prabho
dhanyās te bhavad-īkṣaṇa-kṣaṇa-gateḥ pātrī-kṛtāḥ svī-kṛtāḥ || 39 ||

ब्रह्मानन्दरसानुभूतिकलितैः पूतैः सुशीतैर्युतैः
युष्मद्वाक्कलशोज्झितैः श्रुतिसुखैर्वाक्यामृतैः सेचय |
सन्तप्तं भवतापदावदहनज्वालाभिरेनं प्रभो
धन्यास्ते भवदीक्षणक्षणगतेः पात्रीकृताः स्वीकृताः || ३९ ||

brahmananda-rasanubhuti-kalitaih putaih su-shitair yutaih
yushmad-vak-kalashojjitaih shruti-sukhair vakyamritaih sechaya |
santaptam bhava-tapa-dava-dahana-jvalabhir enam prabho
dhanyas te bhavad-ikshana-kshana-gateh patri-kritah svi-kritah || 39 ||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • brahmānanda-rasānubhūti-kalitaiḥ : gesüßt („versehen“, Kalita) mit der Erfahrung (Anubhuti) des Geschmacks (Rasa) der Glückseligkeit (Ananda) des Absoluten (Brahman)
  • pūtaiḥ : rein (Puta)
  • su-śītaiḥ : mit angenehmer („guter“, Su) Kühle (Shita)
  • yutaiḥ : versehen („verbunden“, Yuta)
  • yuṣmad-vāk-kalaśojjhitaiḥ : ausgegossen („entlassen“, Ujjhita) aus dem Kelch (Kalasha) deiner („eurer“, Yushmad) Stimme (Vach)
  • śruti-sukhaiḥ : den Ohren (Shruti) angenehm (Sukha)
  • vākyāmṛtaiḥ : mit dem Nektar („Unsterblichkeitstränken“, Amrita) deiner Worte (Vakya)
  • secaya : besprenkle, übergieße (sic)
  • santaptam : (mich) gequälten („erhitzten“, Santapta)
  • bhava-tāpa-dāva-dahana-jvālābhiḥ : durch die Qualen (Tapa) der weltlichen Existenz (Bhava) wie durch die Flammen (Jvala) eines Waldbrandes (Davadahana)
  • enam : diesen (Ena)
  • prabho : oh Meister („Herr“, Prabhu)
  • dhanyāḥ : glücklich (Dhanya)
  • te : (sind) diejenigen (Tad)
  • bhavad-īkṣaṇa-kṣaṇa-gateḥ : aufgrund einer nur einen Augenblick (Kshana) währenden Bewegung (Gati) deiner (Bhavad) Augen (Ikshana)
  • pātrī-kṛtāḥ : (die als) würdige Person („zu einem geeigneten Gefäß gemacht“, Patrikrita)
  • svī-kṛtāḥ : (von dir) angenommen worden sind (Svikrita)     || 39 ||

Kommentar

brahmānanda  – das ist ein Charakteristikum der großen Meister. Wenn du als Schüler dich zu einem Meister wendest, dann tue das mit Demut und mache dir bewusst, warum bist du da? Wenn du in einen Ashram gehst, mache dir bewusst, du gehst dort nicht hin, um einen guten Urlaub zu verbringen. Du gehst dort nicht hin, um ein schönes Zimmer und ein schönes Essen zu haben. Du gehst dort nicht hin, um das beste Bett zu haben. Das kriegst du auch in Hotels u.s.w. – du gehst in einen Ashram, du gehst hin zu einem Lehrer, um spirituelle Unterweisung zu haben.

Du weist, äußere Dinge allein werden dich nicht glücklich machen. Du weist, es reicht nicht aus, nur bequem zu sein. Du machst dir bewusst, ich brenne unter meinem Dasein. Ich leide unter dem, was gerade passiert und du bittest darum, dass der Meister dich unterweist. Ob es jetzt ein Meister ist, der in einem physischen Körper ist, oder letztlich die Kraft des Meisters, die in einem Ashram ist. Wir bei Yoga Vidya haben wir den Segen von Shankaracharya, wir haben den Segen von Swami Sivananda, von Swami Vishnu-devananda. An sie kannst du dich vertrauensvoll wenden und du wirst merken, ihr Segen wird dich führen, ihr Segen wird dasein. Es ist nur wichtig, dass du dich für diesen Segen öffnest.

Daher öffne dich, bitte um Führung. Und wenn du so oft dich öffnest, um Führung bittest, dann wird dir die Lehre zuteil werden. Aber tatsächlich wichtig: mache dir immer wieder bewusst, warum wendest du dich an einen Meister. Auch bevor du ein Buch mit spiritueller Weisheit aufschlägst, verharre einen Moment und bitte um Führung. Es ist ja auch eine Möglichkeit, den Tag zu beginnen, ein Werk eines Meisters aufzuschlagen. Aber vorher bitte darum: „Mögen diese Worte mich inspirieren. Bitte – Meister, führe mich“.

Und auch eben wenn du in einen Vortrag gehst, in einen spirituellen Vortrag, bitte auch darum: „Oh großer Meister, inspiriere mich.“ Und wenn es selbst kein großer Meister ist, der spricht, sondern vielleicht ein Schüler, vielleicht sogar jemand, der relativ neu auf dem Weg ist, oder der selbst seine Probleme hat. Wenn ein spiritueller Mensch ein Vortrag hält, bittet er um Führung. Und wenn jemand in einem Vortrag ist, auch um Führung bittet, ja – dann kann wahre Begegnung passieren. Dann kann der Meister durch den Schüler sprechen. Daher bitte um Unterweisung und öffne dich für die Weisheit, die über ein Buch, über den Schüler eines Meisters oder über den Meister selbst zu dir fließen kann.

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