Viveka Chudamani – Vers 141

Deutsche Übersetzung:

141. Wer die Selbsterkenntnis durch den verblendeten Geist – wie von einem Krokodil verschluckt – verloren hat, projiziert die verschiedenen Zustände des Geistes auf das Selbst, weil er fälschlicherweise meint, das Selbst habe die Eigenschaften. Dieser Tor treibt im uferlosen Ozean vom samsara – in der Giftflut der Sinnesobjekte – umher. Mal versinkt er im Meer, mal taucht er auf. Was für ein erbärmliches Schicksal!

Sanskrit Text:

mahā-moha-grāha-grasana-galitātmāvagamano
dhiyo nānāvasthāṃ svayam abhinayaṃs tad-guṇatayā |
apāre saṃsare viṣaya-viṣa-pūre jala-nidhau
nimajyonmajyāyaṃ bhramati kumatiḥ kutsita-gatiḥ || 141 ||

महामोहग्राहग्रसनगलितात्मावगमनो
धियो नानावस्थां स्वयमभिनयंस्तद्-गुणतया |
अपारे संसरे विषयविषपूरे जलनिधौ
निमज्योन्मज्यायं भ्रमति कुमतिः कुत्सितगतिः || १४१ ||

maha-moha-graha-grasana-galitatmavagamano
dhiyo nanavastham svayam abhinayans tad-gunataya |
apare samsare vishaya-visha-pure jala-nidhau
nimajyonmajyayam bhramati kumatih kutsita-gatih || 141 ||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • mahā-moha-grāha-grasana-galitātmāvagamanaḥ : (ein Mensch, dessen) Selbsterkenntnis (AtmanAvagamana) von dem Krokodil (Graha) der großen (Maha) Verwirrung (Moha) durch Verschlucken (Grasana) verschwunden (Galita) ist
  • dhiyaḥ : des Geistes („Intellekts“, Dhi)
  • nānāvasthām : die verschiedenen (Nana) Zustände (Avastha)
  • svayam : selbst (Svayam)
  • abhinayan : überträgt („hinführend“, abhi + )
  • tad-guṇatayā : (auf das Selbst) als dessen Eigenschaften (Tadgunata)
  • apāre : (diesem) unermesslichen (Apara)
  • saṃsare : im Daseinswandel (Samsara)
  • viṣaya-viṣa-pūre : voll („eine Flut“, Pura) des Gifts (Visha) der Sinnesobjekte (Vishaya)
  • jala-nidhau : Ozean (Jalanidhi)
  • nimajya : untertauchend (ni + majj)
  • unmajya : auftauchend (ud + majj)
  • ayam : dieser (Ayam)
  • bhramati : treibt umher („irrt“, bhram)
  • ku-matiḥ : Dummkopf (Kumati)
  • kutsita-gatiḥ : (und) hat ein elendes („geschmähtes“, Kutsita) Schicksal (Gati)      || 141 ||

Kommentar

Shankara gebraucht hier starke Worte. Er sagt: Höre auf zu denken du hättest etwas zu tun mit den Zuständen deines Geistes. Du bist das unsterbliche Selbst. Er hämmert uns das richtig ein. In fast jeden Vers sagt er es wieder und wieder. Weil es so wichtig ist!

Mache dir bewusst, wann projizierst du die Zustände deines Geistes auf dich selbst? Du kennst das Prinzip der Projektion, auch wenn du es in anderer Hinsicht kennst. Dich ärgert etwas, also projizierst du es und denkst der andere ärgert sich. Oder du verliebst dich in jemanden und der andere verliebt sich nicht in dich, aber du denkst er gibt es nur nicht zu. Oder du hast Angst und denkst der andere ist ängstlich. Das ist eine Ebene der Projektion. Auch darüber ist es gut sich bewusst zu werden. Mache dir bewusst: Du bist das unsterbliche Selbst und nicht der Geist. Höre auf, die Zustände des Geistes auf das Selbst zu projizieren. Probiere dazu vielleicht eine der folgenden Techniken aus, je nachdem welchen Bezugspunkt du hast. Sage dir:

  • In meinem Gemüt ist gerade ein ärgerlicher Zustand.
  • Das Pitta ist gerade hoch gegangen.
  • Da ist viel Rajas.
  • Irgendwelche Aktionspotenziale im Hirn werden aktiviert.
  • Der Gerechtigkeitsminister ist in mir aktiv.
  • Der Engel der Gerechtigkeit meldet sich gerade.

Aber du bist das nicht.

Probiere eine dieser Techniken aus, um dich zu lösen. Höre auf, die Zustände des Geistes auf dich zu projizieren. Du bist nicht ärgerlich, du bist nicht ängstlich, du bist nicht freudevoll. Du bist das reine unsterbliche Selbst.

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