Viveka Chudamani – Vers 265

Deutsche Übersetzung:

265. Erkenne dich als reines Bewusstsein, als reine Wahrheit, so wie man in der Menge oder im Heer den König erkennt! Halte dich an diese Erkenntnis, halte dich fest gegründet in deinem inneren Selbst, dann verschmilzt das objektive Universum (vishva) mit Brahman/ löst sich im Brahman auf.

Sanskrit Text:

saṃbodha-mātraṃ pariśuddha-tattvaṃ
vijñāya saṅghe nṛpa-vac ca sainye |
tadāśrayaḥ svātmani sarvadā sthito
vilāpaya brahmaṇi viśva-jātam || 265 ||

संबोधमात्रं परिशुद्धतत्त्वं
विज्ञाय सङ्घे नृपवच्च सैन्ये |
तदाश्रयः स्वात्मनि सर्वदा स्थितो
विलापय ब्रह्मणि विश्वजातम् || २६५ ||

sambodha-matram parishuddha-tattvam
vijnaya sanghe nripa-vach cha sainye |
tadashrayah svatmani sarvada sthito
vilapaya brahmani vishva-jatam || 265 ||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • saṃbodha-mātram : (als) reines („nur“, Matra) Bewusstsein („Erkenntnis“, Sambodha)
  • pariśuddha-tattvam : die reine (Parishuddha) Wirklichkeit (Tattva)
  • vijñāya : wenn man (sich) erfahren hat („erfahren habend“, vi + jñā)
  • saṅghe : in der Menge (der Körperteile, Sangha)
  • nṛpa-vat : wie (Vat) einen König (Rajan)
  • ca : gerade („und“, Cha)
  • sainye : in (seinem) Heer (Sainya)
  • tadāśrayaḥ : auf dieser (Tad) Grundlage (Ashraya)
  • svātmani : im eigenen Selbst (Svatman)
  • sarvadā : stets (Sarvada)
  • sthitaḥ : verankert („befindlich“, Sthita)
  • vilāpaya : man lasse verschwinden (vi + )
  • brahmaṇi : im Absoluten (Brahman)
  • viśva-jātam : das ganze („alle Art von“, Jata) Universum (Vishva)     || 265 ||

Kommentar

Erkenne dich als Matra (als nur) sambodha (als reine Erkenntnis). Auf dieser Grundlage (tadasrayah) sei im eigenen Selbst (svatami) stets (sarvada) verankert (sthitah), lasse alles andere verschwinden (vilapaya) und lande in Brahman (brahmani).
Shankara fordert uns immer wieder und wieder mit machtvollen Worten auf, uns selbst als reines Bewusstsein zu erkennen. Du sollst dich immer wieder von den Gedanken lösen. Immer wieder löse dich von den Identifikationen. Du bist nicht der Körper, du bist nicht die Psyche. Du bist nicht dein Besitz. Du bist nicht die Rollen, die du in der Gesellschaft spielst. Du bist nicht dein Geschlecht und nicht dein Alter. Du bist reines Bewusstsein, Brahman. Alles andere kommt und geht. Halte dich in dieser Erkenntnis auf. Und dann lasse auch das ganze Universum im Selbst verschmelzen. Jiva ist Atman und Jagad ist Brahman. Atman ist ebenfalls Brahman. Deshalb ist überall, wo du hinschaust, Brahman. Du kannst in die Welt hineinschauen. Du kannst sagen, dass die ganze Welt Brahman ist. Wenn du Name und Form von allem in der Welt wegnimmst, dann bleibt Bewusstsein. Du könntest auch sagen, dass Elektronen, Protonen, Neutronen bleiben oder Schwingungen und wenn du dann auch noch Zeit wegnimmst, was auch nur eine Produktion des Geistes ist, was bleibt?
Elektronen, Protonen, Neutronen sind nur Schwingungen. Denn die Schwingungen sind etwas, was in der Zeit ist und wenn die Zeit weg ist, dann gibt es keine Schwingung mehr.
Wenn du nichts in der Zeit wahrnimmst, dann gibt es keine Schwingungen. Es gibt nur alles gleichzeitig und dieses alles gleichzeitig bewegt sich nicht. Es bleibt nur Bewusstsein, Brahman. Gehe tief nach innen, auch dort ist Brahman. Dazwischen gibt es Zeit und Raum und alles Mögliche. Du kannst dich mit dem Körper, der vergänglich ist, identifizieren und kommst ins Unglück. Du kannst in die Welt hineingehen und dich ihr hilflos ausgeliefert fühlen und ins Unglück gehen. Du kannst aber auch sagen: „Ich bin das unsterbliche Selbst. Ich habe einen Körper und ich spiele in dieser Welt eine Rolle. Aber eigentlich bin ich das Selbst und das Bewusstsein hinter der ganzen Welt. Aham Brahma Asmi – ich bin Brahman. Tat tvam asi, auch das bin ich.“ Brahman satyam – es gibt nur Brahman. Fülle deinen Geist mit diesen Worten, meditiere darüber und verwirkliche es immer mehr.

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