Viveka Chudamani – Vers 287

Deutsche Übersetzung:

287. Halte weiten Abstand – wie von einem Ausgestoßenen – vom Körper, der aus Fleisch und Blut der Eltern entstanden ist, eine Anhäufung unreiner Substanzen (mala). Erfahre Gott, die Absolute Wirklichkeit! Das ist das Ziel und die Vollendung deines Lebens.

Sanskrit Text:

mātā-pitror malodbhūtaṃ mala-māṃsa-mayaṃ vapuḥ |
tyaktvā cāṇḍāla-vad dūraṃ brahmī-bhūya kṛtī bhava || 287 ||

मातापित्रोर्मलोद्-भूतं मलमांसमयं वपुः |
त्यक्त्वा चाण्डालवद् दूरं ब्रह्मीभूय कृती भव || २८७ ||

mata-pitror malodbhutam mala-mamsa-mayam vapuh |
tyaktva chandala-vad duram brahmi-bhuya kriti bhava || 287 ||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • mātā-pitroḥ : von Mutter (Mata) und Vater (Pitri)
  • malodbhūtam : der aus den Unreinheiten (Mala) entstanden ist (Udbhuta)
  • mala-māṃsa-mayam : den aus Unflat (Mala) und Fleisch (Mamsa) bestehenden (Maya)
  • vapuḥ : Körper (Vapus)
  • tyaktvā : zurücklassend („verlassen habend“, tyaj)
  • cāṇḍāla-vat : wie (Vat) von einem Ausgestoßenen (Chandala)
  • dūram : in weiter Ferne (Dura)
  • brahmī-bhūya : indem du zum Absoluten (Brahman) wirst („geworden bist“, bhū)
  • kṛtī : erfüllt („einer, der seine Absicht erreicht hat“, Kritin)
  • bhava : sei (bhū)     || 287 ||

Kommentar

Was heißt das auf eine Krankheit bezogen?
Angenommen du hast eine schwere Krankheit, vielleicht sogar eine ganz schlimme Krankheit, wie z.B. Krebs, schweres Asthma oder etwas anderes, eine Verletzung.
Musst du dir Sorgen machen?
Nein, musst du nicht. Der Körper geht durch sein Karma hindurch. D.h. der Körper wird mal Krankheiten, Unfälle und vieles mehr haben. Shankara sagt hier, dass der Körper letztlich unrein ist. Er besteht aus Fleisch und Blut. Umgekehrt könnte man auch sagen, dass der Körper etwas ganz Großartiges ist, wie die Zellen miteinander kommunizieren und miteinander harmonisieren, wie es dem Körper gelingt mit der Umwelt zu interagieren.
Aber bei allem Großartigen ist der Körper nicht das Selbst. Deshalb, alles, was funktioniert, kann auch nicht funktionieren. So könntest du eine Krankheit zum Anlass nehmen, um zu erkennen, dass du nicht der Körper bist. Du könntest sagen: „Bisher habe ich immer gedacht, ich bin etwas Großartiges. Der Körper ist toll. Was schreiben die Yogis darüber, dass sie sagen der Körper ist unrein?“ Aber wenn du erst einmal die Erfahrung machst, dass der Körper schmerzt, unrein ist, eklig riecht, komisch aussieht, du ihn nicht bewegen kannst, dann kannst du es erstmals nachvollziehen.
Dann kannst du sagen, dass sich der Körper von einer anderen Seite zeigt. Das ist nichts Außergewöhnliches. Menschen fragen ja gerne: „Warum ich? Warum passiert mir das?“ Das sind dumme Fragen. Allen geschieht es, dass sie mal krank sind. Viele Menschen sterben in ihren 20er, 30er oder 40er Jahren und so viele Menschen sterben, nachdem sie jahrelang gelitten haben. So viele haben chronische Schmerzen, chronische Erkrankungen, Behinderungen. Es gehört zum Leben dazu. Warum sollte es dir anders gehen? So ist das mit deinem Körper. Aber du bist nicht der Körper. Du bist das unsterbliche Selbst.
Ich weiß, dass das bei Schmerzen besonders schwierig zu verstehen ist. Oder wenn eine Erkrankung auch mit einem anderen Geisteszustand einhergeht oder die Krankheit bedingt, dass du Medikamente nehmen musst, die auf den Gemütszustand schlagen, ist das unangenehm. Aber du als Selbst bleibst gleich. Du könntest auch der Krankheit danken und ihr sagen: „Danke, liebe Krankheit. Du erinnerst mich daran, ich bin nicht der Körper und ich sollte meine Sicherheit nicht auf dem Körper oder auf der Gesundheit des Körpers aufbauen.“

Soweit der Kommentar zum Vers 287 des Viveka Chudamani. Was meinst du dazu? Schreibe doch etwas dazu in die Kommentare. Was hältst du jetzt von dieser neuen Weise, die ich seit etwa 10 Versen nutze, Viveka Chudamani anzuwenden auf Alltagsprobleme anstatt jetzt detailliert jeden Sanskritausdruck zu zerpflücken und genau diese Vedanta Methodik wieder und wieder zu erzählen? Ist es gut, dass ich jetzt auf die Alltagsprobleme eingehe? Lass es mich wissen. Hast du vielleicht auch noch andere Weisen vom Vedanta Standpunkt aus auf die herausragenden Alltagssituationen einzugehen, die ich erwähne.
Schreibe es in die Kommentare. Lass andere davon profitieren. Danke. Und noch etwas, bei Yoga Vidya haben wir auch jede Menge Vedanta Seminare, Vorträge, Weiterbildungen usw. Es ist durchaus von besonderer Schönheit solche Vorträge nicht nur als Video oder Audio zu hören, sondern direkt dabei zu sein. Mit anderen zu sprechen darüber. Dann wird das Ganze noch lebendiger und erfahrbarer. Und wenn du in einer Ashramatmosphäre bist, täglich meditierst, Yoga übst und Pranayama übst, also deinen Geist noch sattviger machst, dann fällt es viel leichter die Wahrheit dieser Aussagen zu verwirklichen. Daher möchte ich dich ermutigen, komm in einen Ashram und in manchen Yoga Vidya Stadtzentren gibt es auch Kurse in dieser Art. Auch dort kannst du lernen und wachsen.
Alle Informationen über die Yoga Vidya Ashrams und Zentren auf www.yoga-vidya.de Gib dort einfach Vedanta Seminare, Vedanta Weiterbildung oder Shankaracharya Weiterbildung ein, dann kannst du sehen, welche Seminare es momentan bei Yoga Vidya gibt.

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Ein Gedanke zu „Viveka Chudamani – Vers 287“

  1. OM Shanti
    Viveka Chudamani anzuwenden auf Alltagsprobleme
    ist für mich eine wunderbare Bereicherung und
    Freude ! Es hilft mir gegen Sorgen, Ängste und auch
    Selbstmitleid ! Meinen innigsten Dank dafür , lieber
    Sukadev ! Herzlichst Devashakti
    OM Shanti

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