Viveka Chudamani – Vers 549

Deutsche Übersetzung:

549. Genau so wird der Kenner Brahmans, der frei von den Bindungen des Körpers ist, von den Unwissenden als einer mit physischem Körper gesehen. Was sie sehen ist aber lediglich eine täuschende Erscheinung.

Sanskrit Text:

tad-vad dehādi-bandhebhyo vimuktaṃ brahma-vittamam |
paśyanti dehi-van mūḍhāḥ śarīrābhāsa-darśanāt || 549 ||

तद्वद्देहादिबन्धेभ्यो विमुक्तं ब्रह्मवित्तमम् |
पश्यन्ति देहिवन्मूढाः शरीराभासदर्शनात् || ५४९ ||

tad-vad dehadi-bandhebhyo vimuktam brahma-vittamam |
pashyanti dehi-van mudhah sharirabhasa-darshanat || 549 ||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • tad-vat : in derselben Weise (Tadvat)
  • dehādi-bandhebhyaḥ : von den Bindungen (Bandha) an den Körper (Deha) usw. (Adi)
  • vimuktam : der frei ist (Vimukta)
  • brahma-vittamam : einen vorzüglichen („besten“, -tama) unter den Kennern des Absoluten (Brahmavid)
  • paśyanti : sehen, betrachten (paś)
  • dehi-vat : als („wie“, Vat) einen, der einen Körper hat (Dehin)
  • mūḍhāḥ : die Narren, Verwirrten (Mudha)
  • śarīrābhāsa-darśanāt : aufgrund des Sehens (Darshana) eines bloßen Scheins (Abhasa) des Körpers (Sharira)     || 549 ||

Kommentar

Leidest du vielleicht manchmal darunter, dass Menschen abfällige Bemerkungen über dein Aussehen machen? Über deine Frisur? Über deine Statur? Dass du vielleicht zu dick oder zu dünn bist? Dass dir Haare fehlen? Hast du Angst davor?
Shankara empfiehlt dir im Vers 549 des Viveka Chudamanis, dass du dich nicht mit deinem Körper identifizieren solltest und dir keine zu großen Sorgen um deinen Körper machen sollst.
In der heutigen Zeit ist ja die Sorge um das Aussehen und den Körper ganz stark verbreitet. Gerade weil Menschen nicht mehr im sozialen Kontext aufgehoben sind, sie sich nicht mehr so sehr mit ihrer Herkunft oder Familie identifizieren. Gerade weil sie nicht aus ihrer sozialen Position ein Selbstwertgefühl schöpfen, richten Menschen viel mehr Aufmerksamkeit auf ihren Körper und ihr Aussehen als Menschen früher. Aber das ist unsinnig und Shankara sagt dir warum:

tad-vad dehādi-bandhebhyo vimuktaṃ brahma-vittamam |
paśyanti dehi-van mūḍhāḥ śarīrābhāsa-darśanāt || 549 ||

„Genau so wird der Kenner Brahmans, der frei von den Bindungen des Körpers ist, von den Unwissenden als einer mit physischem Körper gesehen. Was sie sehen, ist aber lediglich eine täuschende Erscheinung.“

Der Körper ist nur eine täuschende Erscheinung. Du bist nicht dieser Körper. Du bist das unsterbliche Selbst. Mache dir nicht zu viele Sorgen um den Körper. Die einen mögen den Körper, die anderen mögen ihn nicht. Du kannst dich um den Körper kümmern und je nach Beruf mag es auch gut sein, sich um den Körper zu kümmern. Vielleicht brauchst du in dem einen oder anderen Beruf einen etwas gestylteren Haarstil. Vielleicht brauchst du sogar, wenn du regelmäßig vor der Kamera stehst, etwas Make-up auf dem Gesicht. Vielleicht brauchst du eine Brille, damit du etwas siehst. Vielleicht muss die Brille ein bisschen nach etwas aussehen. Vielleicht brauchst du eine Yogakleidung, die nach etwas aussieht. Vielleicht eine Yogalehrende Kleidung. Mache das, was nötig ist. Aber es ist alles nur äußere Erscheinung. So ähnlich angenommen du würdest in einem der virtuellen Computerspiele mitspielen wollen, wie z.B. Second Life oder Egoshooter oder anderen, ich weiß nicht welche es gibt, war da noch nie drinnen. Du kannst dir einen Avatar schaffen und dann dafür sorgen, dass er gut aussieht. Du kannst dir etwas kaufen, dass er noch besser aussieht und dann kannst du in diesem Spiel mitspielen.
Aber du weißt, dass du nicht dieser Avatar in diesem Computerspiel bist. Auch wenn ich um diesen Avatar zu spielen, mit diesem Avatar umgehen muss und auch wenn ich mich bemühe, dass dieser Avatar gut aussieht, bin ich nicht dieser Avatar. Du kannst sagen, dass dieser Körper in diesem Sinne auch nur ein Computer-Avatar ist. In diesem Spiel bist du. Und um in diesem Weltenspiel mitzuspielen, brauchst du einen Körper. Du kümmerst dich um den Körper, aber du bist nicht der Körper. Du bist das unsterbliche Selbst, der Atman. Du kannst auch aus dem Spiel heraustreten und dich selbst erfahren.
Denke darüber nach, dass diese Welt so ist wie ein Computerspiel und dein Körper wie ein Avatar in einem Computerspiel.
Du bist das unsterbliche Selbst, der Atman.

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