Viveka Chudamani – Vers 377

Deutsche Übersetzung:

377. Für den, dessen Gemüt beherrscht ist, sehe ich nichts, was größeres Glück brächte, als Losgelöstheit (vairagya). Wenn das verbunden ist mit einer klaren Erkenntnis des Selbst (atma bodha), dann führt das zu absoluter Herrschaft, innerhalb (svarajya) und außerhalb (samrajya). Und da dies das Tor zur Jungfrau der ewigen Befreiung (mukti yuvati) ist, sei im Interesse Deines eigenen Wohlbefindens anhaftungslos (aspriha) sowohl im Innen wie im Außen – richte Deinen Geist immer auf das ewige Selbst.

Sanskrit Text:

vairāgyān na paraṃ sukhasya janakaṃ paśyāmi vaśyātmanas
tac cec chuddhatarātma-bodha-sahitaṃ svārājya-sāmrājya-dhuk |
etad dvāram ajasra-mukti-yuvater yasmāt tvam asmāt paraṃ
sarvatrāspṛhayā sadātmani sadā prajñāṃ kuru śreyase || 377 ||

वैराग्यान्न परं सुखस्य जनकं पश्यामि वश्यात्मन-
स्तच्चेच्छुद्धतरात्मबोधसहितं स्वाराज्यसाम्राज्यधुक् |
एतद्द्वारमजस्रमुक्तियुवतेर्यस्मात्त्वमस्मात्परं
सर्वत्रास्पृहया सदात्मनि सदा प्रज्ञां कुरु श्रेयसे || ३७७ ||

vairagyan na param sukhasya janakam pashyami vashyatmanas
tach chech chhuddhataratma-bodha-sahitam svarajya-samrajya-dhuk |
etad dvaram ajasra-mukti-yuvater yasmat tvam asmat param
sarvatrasprihaya sadatmani sada prajnam kuru shreyase || 377 ||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • vairāgyāt : als Leidenschaftslosigkeit (Vairagya)
  • na : nicht (Na)
  • param : ein besseres (Para)
  • sukhasya : von Glückseligkeit (Sukha)
  • janakam : Mittel zum Erzeugen (Janaka)
  • paśyāmi : ich kenne („sehe“, paś)
  • vaśyātmanaḥ : für einen, der Kontrolle („Gewalt“, Vashya) über seinen Geist (Atman) hat
  • tat : diese (Leidenschaftslosigkeit, Tad)
  • cet : wenn (Ched)
  • chuddhatarātma-bodha-sahitam : mit einer vollkommen klaren („reinen“, Shuddha-tara„) Erkenntnis (Bodha) des Selbst (Atman) verbunden ist (Sahita)
  • svārājya-sāmrājya-dhuk : führt sie („gibt“, duh) zur Meisterschaft über sich selbst („Herrschaft“, Svarajya) und über das Äußere („Allherrschaft“, Samrajya)
  • etat : das (Etad)
  • dvāram : die Tür (Dvara)
  • ajasra-mukti-yuvateḥ : zur Jungfrau (Yuvati) der dauerhaften (Ajasra) Erlösung (ist, Mukti)
  • yasmāt : weil (Yasmat)
  • tvam : du (Tvam)
  • asmāt : deshalb (Idam)
  • param : nur noch (Param)
  • sarvatra : überall, in Bezug auf alles (Sarvatra)
  • aspṛhayā : frei von Begehren (Aspriha)
  • sadātmani : auf das wahre (Sat) Selbst (Atman)
  • sadā : stets (Sada)
  • prajñām : (dein) Bewusstsein (Prajna)
  • kuru : richte („mache“, kṛ)
  • śreyase : zu (deinem) Glück („Besten“, Shreyas)     || 377 ||

Kommentar

Shankara wiederholt nochmals das, was er in vorigen Versen gesagt hat. Glück kommt durch Verzicht und Loslösung. Glück kommt durch die Erkenntnis des Selbst. Diese beiden hat er als die zwei Flügel des Vogels zur Erleuchtung bezeichnet. Immer wieder verzichten, immer wieder loslassen. Damit sind sowohl der äußere Verzicht auf Sinnesobjekte, Besitz, Position usw. als auch der innere Verzicht auf Identifikation mit deinen Fähigkeiten und Möglichkeiten, Persönlichkeit, Temperament usw. gemeint.
Verzichte auf beides! Trainiere deinen Geist immer wieder! Das ist dieses Doppelte. Zum einen könnte man Neti-Neti und zum anderen Iti-Iti sagen. Mache dir bewusst: Ich bin nicht das und nicht das. Ich brauche nicht dies oder jenes. Ab und zu verzichte bewusst äußerlich. Aber noch wichtiger ist, dass du dich innerlich löst. Verzichte auf Identifikation.
Der zweite Teil, Iti-Iti, heißt, das bin ich und das bin ich. Ich bin das unsterbliche Selbst, eins mit der Weltenseele, eins mit dem Bewusstsein von jedem. Trainiere deinen Geist in diesem Sinne! So macht es auch Sinn, dass ich mich immer wieder wiederhole, so wie Shankaracharya sich wiederholt hat. Wenn du tatsächlich täglich einen Vers anhörst, und aus dem Geist dieses Verses lebst, dann wirst du täglich ein klein wenig mehr dich lösen und ein klein wenig mehr Brahman erfahren, ein klein wenig mehr Freude erfahren.

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