Viveka Chudamani – Vers 540

Deutsche Übersetzung:

540. Der Kenner des Selbst trägt kein Erkennungszeichen, ist nicht an Sinnesobjekte gebunden. Einem Kinde gleich benutzt er den Körper, ohne sich mit ihm zu identifizieren, erlebt Sinneseindrücke, wie sie durch fremden Willen auf ihn zukommen, wie ein Kind.

Sanskrit Text:

vimānam ālambya śarīram etad
bhunakty aśeṣān viṣayān upasthitān |
parecchayā bāla-vad ātma-vettā
yo’vyakta-liṅgo’nanuṣakta-bāhyaḥ || 540 ||

विमानमालम्ब्य शरीरमेतद्
भुनक्त्यशेषान्विषयानुपस्थितान् |
परेच्छया बालवदात्मवेत्ता
यो ऽव्यक्तलिङ्गो ऽननुषक्तबाह्यः || ५४० ||

vimanam alambya shariram etad
bhunakty asheshan vishayan upasthitan |
parechchhaya bala-vad atma-vetta
yo’vyakta-lingo’nanushakta-bahyah || 540 ||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • vimānam : geringeschätzten („ehrlosen“, Vimana)
  • ālambya : mit („ergriffen habend“, ā + lamb)
  • śarīram : Körper (Sharira)
  • etat : diesem (Etad)
  • bhunakti : genießt (bhuj)
  • aśeṣān : sämtliche (Ashesha)
  • viṣayān : Sinnesobjekte (Vishaya)
  • upasthitān : (die) anwesend sind („gekommen“, Upasthita)
  • parecchayā : durch den Wunsch, Willen (Ichchha) anderer (Para)
  • bāla-vat : wie (Vat) ein Kind (Bala)
  • ātma-vettā : ein Kenner (Vettri) des Selbst (Atman)
  • yaḥ : der („welcher“, Yad)
  • avyakta-liṅgaḥ : keine sinnlich wahrnehmbaren (Avyakta) Anzeichen (hat, Linga)
  • ananuṣakta-bāhyaḥ : (und) nicht am Äußeren (Bahya) hängt (Ananushakta)     || 540 ||

Kommentar

Willst du manchmal wissen, woran du einen Selbstverwirklichten erkennst? Woher du weißt du, dass jemand selbstverwirklicht ist? Gibt es im Internet eine Liste: die Selbstverwirklichten von heute, die besten Gurus?
Auch Arjuna hat Krishna diese Frage gestellt. „Woher erkenne ich einen Sthita Prajna, einen Selbstverwirklichten? Wie geht er? Wie steht er? Wie sitzt er? Wie sieht er aus? Wie ist er gekleidet?“
Krishna antwortet dort ganz anders. Er sagt: „Wer in Erfolg und Misserfolg der gleiche bleibt, wer Lob und Tadel gleichbehandelt, wer Hitze und Kälte gleich erträgt, wer den Sünder, den Heiligen und den Neutralen aus dem gleichen Geist der Liebe betrachtet, der ist ein Gottverwirklichter.“

Was sagt Shankara im Vers 540: „Der Kenner des Selbst trägt kein Erkennungszeichen, ist nicht an Sinnesobjekte gebunden. Einem Kinde gleich benutzt er den Körper, ohne sich mit ihm zu identifizieren, erlebt Sinneseindrücke, wie sie durch fremden Willen auf ihn zukommen, wie ein Kind.“
Der Weise hat keine Erkennungszeichen. Es gibt weibliche und männliche Gottverwirklichte. Es gibt junge und alte Gottverwirklichte. Es gibt solche, die den Körper majestätisch gerade tragen und solche, die einen Rundrücken haben.
Es gibt solche, die graue Haare haben, lange Haare, gar keine Haare haben.
Es gibt solche, die hellhäutiger oder dunkelhäutiger sind, mit Brille oder ohne Brille.
Es gibt solche mit extrovertiertem und solche mit introvertiertem Temperament.
Es gibt solche, die eine gepflegte Sprache sprechen und solche, die eine vulgäre Sprache sprechen. Ein Kenner hat kein Erkennungszeichen, aber es gibt trotzdem einiges, woran man sie erkennen kann.

Sie sind nicht an Sinnesobjekte gebunden. Ein Gottverwirklichter wird nicht in seiner Freude getrübt, wenn er schlechtes Essen, gutes Essen oder gar kein Essen bekommt. Ein Selbstverwirklichter benutzt den Körper, ohne sich mit ihm zu identifizieren. Einem Gottverwirklichten macht es nichts aus, wenn der Körper eine Erkältung hat, wenn er einen Unfall hatte oder eine Krankheit diagnostiziert wird. Ein Gottverwirklichter akzeptiert die Welt, ob sie kalt oder warm ist, Menschen freundlich oder unfreundlich sind. Er sieht alles an und schaut alles aus dem gleichen Geist an. Es macht ihm nichts aus. So erkennst du einen Gottverwirklichten. So wirst du sein, wenn du gottverwirklicht sein wirst.

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