Viveka Chudamani – Vers 162

Deutsche Übersetzung:

162. Auch wenn einer noch so bewandert in der Philosophie des Vedanta ist, solange er die falsche Identifikation mit dem Körper, mit den Sinnesorganen usw. nicht aufgibt, erlangt er die Befreiung nicht.

Sanskrit Text:

dehendriyādāv asati bhramoditāṃ
vidvān ahantāṃ na jahāti yāvat |
tāvan na tasyāsti vimukti-vārttā-
py astv eṣa vedānta-nayānta-darśī || 162 ||

देहेन्द्रियादावसति भ्रमोदितां
विद्वानहन्तां न जहाति यावत् |
तावन्न तस्यास्ति विमुक्तिवार्त्ता-
प्यस्त्वेष वेदान्तनयान्तदर्शी || १६२ ||

dehendriyadav asati bhramoditam
vidvan ahantam na jahati yavat |
tavan na tasyasti vimukti-vartta-
py astv esha vedanta-nayanta-darshi || 162 ||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • dehendriyādau : (wie den) physischen Körper (Deha), die Sinnesorgane (Indriya) usw. (Adi)
  • asati : in bezug auf das Unwirkliche (Asat)
  • bhramoditām : die aus Verwirrung (Bhrama) entstandene (Udita)
  • vidvān : ein Gelehrter (Vidvams)
  • ahantām : Ich-Identifikation (Ahanta)
  • na : nicht (Na)
  • jahāti : aufgibt ()
  • yāvat : solange wie (Yavat)
  • tāvat : solange (Tavat)
  • na : nicht
  • tasya : für ihn (Tad)
  • asti : kann sein („ist“, Asti)
  • vimukti-vārtā : die Rede (Vartta) von Befreiung (Vimukti)
  • api : auch (Api)
  • astu : wäre (as)
  • eṣaḥ : er (Etad)
  • vedānta-nayānta-darśī : einer, der das Ziel (Anta) der Lehre (Naya) des Vedanta kennt („sieht“, Darshin)     || 162 ||

Kommentar

Hier sagt Shankara also: Es reicht nicht aus nur intellektuell etwas zu wissen. Es reicht nicht aus, dass du sagst: Ich bin nicht der Körper. Es reicht nicht aus, dass du alles sagen kannst über die Sanskrit Ausdrücke: Annamaya Kosha, Pranamaya Kosha, Manomaya Kosha, Vijnanamaya Kosha
Es reicht nicht aus, dass du die ganze Terminologie von Abheda Bodha Vakya Manolaya usw. kennst.

Im Alltag erkennst du: Womit identifizierst du dich? Und eine der einfachsten Weisen heraus zu finden womit du dich identifizierst ist: Wo bist du am leichtesten kränkbar?
Wenn du das nächste mal spürst, dass dich jemand gekränkt hat, dann kannst du dem Menschen dankbar sein. Und du kannst sagen: Aha, du hast mich an einem wunden Punkt getroffen. Angenommen du identifizierst dich mit deiner klugen Argumentationsweise und jetzt sagt jemand: Also, der erzählt einen Unsinn. Dann fühlst du dich gekränkt. Dann weißt du: Ah, ich habe mich mit meiner klugen Argumentation identifiziert. Oder angenommen jemand wirft dir vor, dass du nicht mitfühlend mit Menschen bist und du grade im Gegenteil, du denkst du bist ganz mitfühlend. Du hast dich identifiziert mit dieser Charaktereigenschaft. Dann bist du schnell gekränkt.
Daher eine kleine Aufgabe: Heute oder Morgen werde dir bewusst: Wann bist du gekränkt? Wann wirst du gekränkt von Ereignissen? Wann bist du gekränkt, von dem was Menschen sagen? Von dem wie Menschen mit dir umgehen? Dann sei dir bewusst: Wo identifizierst du dich? Und löse dich von diesen Identifikationen!

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