Viveka Chudamani – Vers 276

Deutsche Übersetzung:

276. Je mehr sich das Gemüt /der Geist (manas) nach innen wendet, desto mehr löst er sich von den äußeren Eindrücken. Wer von diesen Eindrücken restlos befreit ist, verwirklicht unbehindert das Selbst.

Sanskrit Text:

yathā yathā pratyag-avasthitaṃ manas
tathā tathā muñcati bāhya-vāsanām |
niḥśeṣa-mokṣe sati vāsanānāṃ
ātmānubhūtiḥ pratibandha-śūnyā || 276 ||

यथा यथा प्रत्यगवस्थितं मन-
स्तथा तथा मुञ्चति बाह्यवासनाम् |
निःशेषमोक्षे सति वासनाना-
मात्मानुभूतिः प्रतिबन्धशून्या || २७६ ||

yatha yatha pratyag-avasthitam manas
tatha tatha munchati bahya-vasanam |
nihshesha-mokshe sati vasananam
atmanubhutih pratibandha-shunya || 276 ||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • yathā yathā : in dem Maße, wie (Yatha)
  • pratyag-avasthitam : in der Individualseele (Pratyanch) verweilt (Avasthita)
  • manaḥ : der Geist (Manas)
  • tathā tathā : im selben Maße (Tatha)
  • muñcati : lässt er los (muc)
  • bāhya-vāsanām : auf Äußeres (Bahya) gerichtete Wünsche (Vasana)
  • niḥśeṣa-mokṣe : das vollständige (Nihshesha) Loslassen (Moksha)
  • sati : sobald besteht („seiend“, Sat)
  • vāsanānām : (aller) Wünsche (Vasana)
  • ātmānubhūtiḥ : (erfolgt) die Erfahrung (Anubhuti) des Selbst (Atman)
  • pratibandha-śūnyā : frei (Shunya) von (allen) Hindernissen (Pratibandha)     || 276 ||

Kommentar

Nach innen gehen – eine wunderbare Gelegenheit ist zum Beispiel ein Stau. Ist es dir schon mal passiert, dass du in einem Stau warst und dich furchtbar darüber aufgeregt hast?
Angenommen du wohnst in einer Region in Deutschland, wie z.B. dem Ruhrgebiet, Hamburg oder München, Berlin, dann bist du sicherlich schon in einem Stau gewesen. Du kannst dich auch darüber aufregen oder du kannst es als Gelegenheit für Vedanta sehen. Wir sehen uns den Vorschlag an, den Shankara uns macht:

„Je mehr sich das Gemüt /der Geist (manas) nach innen wendet, desto mehr löst er sich von den äußeren Eindrücken. Wer von diesen Eindrücken restlos befreit ist, verwirklicht unbehindert das Selbst.“

So sagt Shankara im 276. Vers. Wenn du also in einem Stau bist, dann freue dich darüber. Nimm es als kleine Gelegenheit, den Geist nach innen zu wenden. Wenn du großes Glück hast, stehst du in einem Vollstau. Du stehst dort einfach. Bleibe einen Moment lang sitzen, wende deinen Geist nach innen, löse dich von allen äußeren Eindrücken und erfahre die Freude des Selbst. Es muss ja nicht gleich die volle Selbstverwirklichung sein, aber ein wenig Verweilen im Selbst.
Was machst du, wenn es kein Vollstau ist, sondern nur ein kleiner Stau? Dann bleibst du mit einem Teil deiner Achtsamkeit natürlich auf der Straße und mit einem anderen Teil deiner Achtsamkeit gehe tief nach innen. Mit einem weiteren Teil der Achtsamkeit dehne deine Bewusstheit weit aus. Sei dir bewusst, so wie das Auto sich langsam bewegt in dieser Straße, so ähnlich bewegt sich dieser Körper in diesem Lebensweg.
Du bist nicht das Auto, du bist nicht der Körper. Du bewegst dich mit dem Körper in dem Auto in diesem Universum und hinter dem ganzen Universum ist ein höchstes Bewusstsein. Tat tvam asi, das bist du. Das kannst du dir auch selber sagen. Du siehst die ganzen Menschen und gerade im Stau geht es relativ ruhig zu. Tat tvam asi, du bist das Selbst aller Wesen. Tat tvam asi, du bist die Seele hinter dem Universum. Tat tvam asi, du bist das, was tief in dir ist.

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