Viveka Chudamani – Vers 499

Deutsche Übersetzung:

499. Selbst die größten Wassermengen, die bei einer Fata Morgana auftauchen, können niemals die Wüste benetzen. Das, was durch Menschen, die durch die Missstände in ihrem Geist getäuscht werden, übergelagert wird, kann niemals das Substrat beflecken.

Sanskrit Text:

āropitaṃ nāśraya-dūṣakaṃ bhavet
kadāpi mūḍhair mati-doṣa-dūṣitaiḥ |
nārdri-karoty ūṣara-bhūmi-bhāgaṃ
marīcikā-vāri-mahā-pravāhaḥ || 499 ||

आरोपितं नाश्रयदूषकं भवेत्
कदापि मूढैर्मतिदोषदूषितैः |
नार्द्रिकरोत्यूषरभूमिभागं
मरीचिकावारिमहाप्रवाहः || ४९९ ||

aropitam nashraya-dushakam bhavet
kadapi mudhair mati-dosha-dushitaih |
nardri-karoty ushara-bhumi-bhagam
marichika-vari-maha-pravahah || 499 ||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • āropitam : das, was (fälschlich) übertragen (Aropita) wird
  • na : nicht (Na)
  • āśraya-dūṣakam : die Grundlage (Ashraya) verunreinigen („verderben“, Dushaka)
  • bhavet : kann („kann sein“, bhū)
  • kadāpi : irgendwann (Kadapi)
  • mūḍhaiḥ : von den Narren, Verwirrten (Mudha)
  • mati-doṣa-dūṣitaiḥ : die durch die Mängel (Dosha) ihres Denkens (Mati) beeinträchtigt („verdorben“, Dushita) sind
  • na : nicht
  • ārdri-karoti : befeuchtet (Ardrikṛ)
  • ūṣara-bhūmi-bhāgam : die Salzwüste, eine Stelle (Bhumibhaga) salzhaltigen Bodens (Ushara)
  • marīcikā-vāri-mahā-pravāhaḥ : der gewaltige (Maha) Schwall (Pravaha) des Wassers (Vari) einer Fata Morgana (Marichika)     || 499 ||

Kommentar

Vedanta ist zum einen etwas, was du im Alltag leben solltest. So ist es gut täglich einen dieser Verse auf dich wirken zu lassen und dann diese Essenz umzusetzen im Alltag oder in der Meditation wirken zu lassen.

Es ist aber auch gut, manchmal für eine Woche oder fünf Tage, neun Tage, zwei Wochen in eine Ashram-Atmosphäre einzutauchen und dir ganz tief bewusst zu machen, was du wirklich bist und dich aus der Maya zu lösen. Denn wie Shankara hier sagt: Selbst die größten Wassermengen, die in einer Fatamorgana auftauchen, können niemals die Wüste benetzen. Im täglichen Leben jagst du immer wieder Fatamorganas hinterher. Du denkst: „Ich brauche dieses oder jenes. Dieser oder jener Mensch mag mich oder mag mich nicht. Dieser Mensch behandelt mich nicht richtig. Hier habe ich ihn oder sie nicht richtig behandelt. Ich werde diesem oder jenem nicht gerecht. Ich bin nicht gut genug.“ – Das sind alles Fatamorganas. Du selbst bist das nicht.
Du bist das unsterbliche Selbst, der Atman. Mache dir das bewusst.

Zwischendurch lächle – Fatamorgana.
Zwischendurch lächle – Raum.
Zwischendurch lächele – Improtheater. Trete aus, aus der Fatamorgana. Trete aus, aus dem Impro-Theater.
Trete aus, aus dem Traum.

Sei dir bewusst, dass dich all das nicht beflecken kann.

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