Viveka Chudamani – Vers 561

Deutsche Übersetzung:

561. Körper, Sinne, Lebenskräfte und Intellekt/Gemüt vergehen, so wie Blätter, Blüten und Früchte vergehen, aber das Selbst, dessen wahre Natur die ewigen Wirklichkeit und Glückseligkeit ist, vergeht nicht. Es bleibt bestehen wie der Baum.

Sanskrit Text:

pattrasya puṣpasya phalasya nāśa-vad
dehendriya-prāṇa-dhiyāṃ vināśaḥ |
naivātmanaḥ svasya sad-ātmakasyā-
nandākṛter vṛkṣa-vad asti caiṣaḥ || 561 ||

पत्त्रस्य पुष्पस्य फलस्य नाशव-
द्देहेन्द्रियप्राणधियां विनाशः |
नैवात्मनः स्वस्य सदात्मकस्या-
नन्दाकृतेर्वृक्षवदस्ति चैषः || ५६१ ||

pattrasya pushpasya phalasya nasha-vad
dehendriya-prana-dhiyam vinashah |
naivatmanah svasya sad-atmakasya-
nandakriter vriksha-vad asti chaishah || 561 ||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • pattrasya : eines Blatts (Pattra)
  • puṣpasya : einer Blüte (Pushpa)
  • phalasya : einer Frucht (Phala)
  • nāśa-vat : wie (Vat) bei der Zerstörung (Nasha)
  • dehendriya-prāṇa-dhiyām : des physischen Körpers (Deha), der Sinnesorgane (Indriya), der Lebensenergien (Prana) und des Geistes, Intellekts (Dhi),
  • vināśaḥ : die Zerstörung (Vinasha)
  • na : nicht (Na)
  • eva : gewiss (Eva)
  • ātmanaḥ : (betrifft) Selbst (Atman)
  • svasya : das eigene (Sva)
  • sad-ātmakasya : das das Wesen („Selbst“, Atmaka) des Seins (Sat) hat
  • ānandākṛteḥ : (und) dessen Natur („Form“, Akriti) Glückseligkeit (Ananda) ist
  • vṛkṣa-vat : wie (Vat ) der Baum (Vriksha)
  • asti : existiert (weiter, Asti)
  • ca : sondern („aber“, Cha)
  • eṣaḥ : es (Etad)     || 561 ||

Kommentar

Wenn du jung bist entfaltest du die Fähigkeiten. So wie ein Baum neue Blätter bekommt. Wenn du älter wirst sind die Blätter groß, fleischig. Wenn der Baum älter wird, dann werden die Blätter langsam gelb. Schließlich fallen sie herunter. Der Baum bleibt gleich. Wenn du jung bist, kultivierst du deine Fähigkeiten. In einem bestimmten Alter werden die Fähigkeiten reifen und irgendwann vergeht die eine oder andere. Vielleicht wachsen Blätter nach. Hänge nicht daran! Manches kommt, manches geht.
Shankara spricht hier vom Körper. Vielleicht hattest du als Jugendlicher große körperliche Kräfte. Vielleicht praktizierst du schon ein paar Jahre Yoga und hattest gleich zu Anfang Kopfstand und Skorpion beherrscht, die volle Vorwärtsbeuge und in der Königskobra die Füße auf dem Kopf, im Pfau gestanden usw.
Vielleicht bist du jetzt älter und merkst, dass der Skorpion nicht mehr geht, der Kopfstand besser nicht mehr zu lange gehalten werden soll. Der Schulterstand besser etwas unterstützt werden sollte. Beim Drehsitz du das Bein besser mal ausgestreckt hältst. Vorwärtsbeuge geht noch gut, der Einbeinstand und Baum gehen auch noch gut. Aber eins nach dem anderen geht nicht mehr. Vielleicht merkst du, dass andere Dinge besser gehen.
Vielleicht konntest du früher Sanskritausdrücke leicht auswendig lernen. Vielleicht hattest du früher eine laute Stimme und sie wird leiser.
Blätter können verwelken. Früchte können vergehen. Blüten vergehen. Aber du selbst bleibst gleich. Hänge nicht an deinen Fähigkeiten. Es ist gut die Fähigkeiten zu kultivieren, aber hänge nicht daran. Du bist das unsterbliche Selbst, der Atman. Du bist nicht deine Fähigkeiten und du bist nicht der Körper oder die Psyche.

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