Viveka Chudamani – Vers 285

Deutsche Übersetzung:

285. Beseitige beharrlich – o Weiser – die Projektionen auf das Selbst, solange bis die begrenzte Einzelseelen und Welten (jiva-jagat) wie im Traum wahrgenommen werden!

Sanskrit Text:

pratītir jīva-jagatoḥ svapna-vad bhāti yāvatā |
tāvan nirantaraṃ vidvan svādhyāsāpanayaṃ kuru || 285 ||

प्रतीतिर्जीवजगतोः स्वप्नवद्भाति यावता |
तावन्निरन्तरं विद्वन्स्वाध्यासापनयं कुरु || २८५ ||

pratitir jiva-jagatoh svapna-vad bhati yavata |
tavan nirantaram vidvan svadhyasapanayam kuru || 285 ||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • pratītiḥ : die Wahrnehmung (Pratiti)
  • jīva-jagatoḥ : der Individualseele (Jiva) und der Welt (Jagat)
  • svapna-vat : wie (Vat) ein Traum (Svapna)
  • bhāti : erscheint (bhā)
  • yāvatā : bis („solange wie“, Yavat)
  • tāvat : solange (Tavat)
  • nirantaram : ununterbrochen (Nirantara)
  • vidvan : du Kluger („Wissender“, Vidvams)
  • svādhyāsāpanayam : die Beendigung („Vertreibung“, Apanaya) der falschen Identifikationen („Übertragung“, Adhyasa) des Selbst (Sva), die erlangt wurde (Prapta)
  • kuru : bewirke (kṛ)     || 285 ||

Kommentar

Warst du vielleicht schon mal in einer Menschenmenge und hast dich darüber geärgert? Hast dich schlecht gefühlt, schlechte Schwingungen gespürt? Warst du schon mal in einer U-Bahn oder einer Einkaufsstraße und denkst, wie unspirituell? Lausche, was Shankara im 285. Vers des Viveka Chudamani zu sagen hat:

pratītir jīva-jagatoḥ svapna-vad bhāti yāvatā |
tāvan nirantaraṃ vidvan svādhyāsāpanayaṃ kuru || 285 ||

„Beseitige beharrlich – o Weiser – die Projektionen auf das Selbst, solange bis die begrenzten Einzelseelen und Welten (jiva-jagat) wie im Traum wahrgenommen werden!“

In einem Traum bist du sowohl der Träumende, der sich selbst bewusst ist. Du schaffst in deinem Traum ja deinen eigenen Körper. Du schaffst aber auch die anderen Körper, die in deinem Traum sind und du bist die ganze Welt, die da ist.
Angenommen du bist in einem großen Wald, dann hast du den ganzen Wald mitgeträumt. Angenommen du schaust in die Sterne, dann hast du die ganzen Sterne geschaffen im Traum. Du bist alles im Traum. Genauso bist du alles auch in Menschenmassen. Wenn du das nächste Mal in einer Menschenmasse bist, dann sei dir bewusst, dass ihr alle Traumgestalten seid des einen Träumenden. Entweder du hast den Mut zu sagen, dass du der Träumende bist und alle sind Traumgestalten in meinem Traum oder du bist etwas demütiger und sagst, dass ihr alle Traumgestalten im Traum von Brahma, dem Schöpfer seid oder im Traum von Ishvara.
Wir sind alle miteinander verbunden und eins. Und auch wenn Menschen scheinbar hierhin und dorthin rennen und scheinbar eine schlechte Schwingung da ist, dann gehe tiefer. Selbst schlechte Schwingungen sind nur ein Traum. Schlechte Gerüche sind nur ein Traum. Selbst das Unangenehme, dass andere dann Wurst und Käse essen, ist nur ein Traum.

Spüre, dass hinter allem die eine unendliche Seele ist, das eine unendliche Selbst ist. Spüre das. Du kannst es erfahren. Und so kannst du inmitten einer großartigen Menschenmenge tiefe spirituelle Erfahrungen machen.

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