Viveka Chudamani – Vers 202

Deutsche Übersetzung:

202. Das falsche Wissen/ der Irrtum wird aufhören zu funktionieren, wenn sich das echte Wissen entwickelt/ durch wahre Erkenntnis (samyak jnanam). Wahre Erkenntnis bedeutet nach den Schriften/Veden (shruti) die Erfahrung der Einheit von Brahman und Atman.

Sanskrit Text:

vinivṛttir bhavet tasya samyag-jñānena nānyathā |
brahmātmaikatva-vijñānaṃ samyag-jñānaṃ śruter matam || 202 ||

विनिवृत्तिर्भवेत्तस्य सम्यग्ज्ञानेन नान्यथा |
ब्रह्मात्मैकत्वविज्ञानं सम्यग्ज्ञानं श्रुतेर्मतम् || २०२ ||

vinivrittir bhavet tasya samyag-jnanena nanyatha |
brahmatmaikatva-vijnanam samyag-jnanam shruter-matam || 202 ||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • vinivṛttiḥ : das Ende („Aufhören“, Vinivritti)
  • bhavet : erfolgt („wird sein“, bhū)
  • tasya : dieser (Verbindung, Tad)
  • samyag-jñānena : durch wahre Erkenntnis (Samyagjnana)
  • na : nicht (Na)
  • anyathā : auf andere Weise (Anyatha)
  • brahmātmaikatva-vijñānam : die Erkenntnis (Vijnana) der Einheit (Ekatva) des Selbst (Atman) und des Absoluten (Brahman)
  • samyag-jñānam : (als) wahre Erkenntnis
  • śruteḥ : zufolge der heiligen Schriften, Veden (Shruti)
  • matam : wird erachtet (Mata)     || 202 ||

Kommentar

Die Verbindung mit Nichtwissen, wie er im vorigen Vers gesagt hat, wird nur durch wahre Erkenntnis aufhören. Shankara sagt, dass man nicht einfach durch Pranayama und Mantrarezitation zum wahren Wissen kommt. Wahres Wissen selbst ist das, was entstehen muss. Alle anderen Praktiken sind nur insofern hilfreich, indem sie zum Jnana beitragen.
Aber Jnana wird direkt zum Auflösen von Nichtwissen führen.

Ich hatte dich beim letzten Mal beim Kommentar zum Vers 201 darum gebeten, dir bewusst zu machen, dass alle Erfahrungen, die kommen, allgemein menschliche Erfahrungen sind. Du machst gar keine individuellen Erfahrungen. Man könnte sagen, dass es ein Brahman gibt und dieses unendliche Brahman macht all diese Erfahrungen. Daher sei dir bewusst: „Aham Brahma Asmi“ – „Ich bin Brahman“.
Du könntest auch sagen, dass dieses unendliche Bewusstsein jetzt Erfahrungen durch so viele Körper-Geist-Komplexe macht. Dieses eine Brahman manifestiert sich in so vielem. So ähnlich, wie es im Traum ist. Die Traumanalogie hatte Shankara ja schon mal an anderer Stelle verwendet. Im Traum gibt es nur ein Bewusstsein, nämlich der Träumende. Wenn du träumst, du seist in einer Stadt, dann gibt es in der Stadt zehntausende von Menschen. Mit einem Dutzend davon kannst du dich unterhalten. Aber wer sind diese Menschen, mit denen du dich im Traum unterhältst?
Die Menschen, mit denen du dich im Traum unterhältst, sind auch nur Manifestationen des einen Bewusstseins. Du, der Träumende, bist die Einzelseele, mit der du dich gerade identifizierst. Du bist gleichzeitig die Seele von allen anderen Traumgestalten. Es gibt nur ein Selbst. Dieses Selbst manifestiert sich durch diesen Körper-Geist-Komplex und durch viele andere Körper-Geist-Komplexe. Diese eine Seele macht Erfahrungen durch deinen einen Körper, durch deine eine Psyche und durch andere Körper und andere Psychen.
Aber es sind immer ähnliche Erfahrungen. Das kann man als paradox ansehen. Aber sei dir bewusst, dass die Erfahrung, die du machst, nicht so viel anders ist von den Erfahrungen, die andere machen. Sei dir bewusst, dass, was andere für Erfahrungen machen, ähnliche Erfahrungen sind, die auch du machst.
In diesem Sinne erkenne, dass es ein Bewusstsein gibt. Dieses Bewusstsein macht Erfahrungen durch so viele Körper und Psychen und diese Erfahrungen, die dieses eine Bewusstsein macht, durch so viele Körper und Psychen, sind gar nicht unterschiedlich. Höre auf, dich für so besonders zu halten. Du machst nur die gleichen Erfahrungen wie andere und als Individuum sind das nur Teilerfahrungen des höchsten Bewusstseins.

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