Viveka Chudamani – Vers 307

Deutsche Übersetzung:

307. Daher, mit dem großen/scharfen Schwert der Erkenntnis zerstöre das Ichgefühl (ahankara) – deinen Feind, der einem Dorn im Hals des Essenden gleicht. Genieße in vollen Zügen das Glück /die Glückseligkeit im Königreich des Selbst (atmasamrajyasukha).

Sanskrit Text:

tasmād ahaṅkāram imaṃ sva-śatruṃ
bhoktur gale kaṇṭaka-vat pratītam |
vicchidya vijñāna-mahāsinā sphuṭaṃ
bhuṅkṣvātma-sāmrājya-sukhaṃ yatheṣṭam || 307 ||

तस्मादहङ्कारमिमं स्वशत्रुं
भोक्तुर्गले कण्टकवत्प्रतीतम् |
विच्छिद्य विज्ञानमहासिना स्फुटं
भुङ्क्ष्वात्मसाम्राज्यसुखं यथेष्टम् || ३०७ ||

tasmad ahankaram imam sva-shatrum
bhoktur gale kantaka-vat pratitam |
vichchhidya vijnana-mahasina sphutam
bhunkshvatma-sanrajya-sukham yatheshtam || 307 ||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • tasmāt : daher (Tasmat)
  • ahaṅkāram : Ego (Ahankara)
  • imam : das (Ayam)
  • sva-śatrum : deinen („eigenen“, Sva) Feind (Shatru)
  • bhoktuḥ : eines Essenden (Bhoktri)
  • gale : in der Kehle (Gala)
  • kaṇṭaka-vat : als („wie“, Vat) ein Dorn (Kantaka)
  • pratītam : das betrachtet wird (Pratita)
  • vicchidya : nachdem du vernichtet hast („gespalten habend“, chid)
  • vijñāna-mahāsinā : mit dem gewaltigen (Maha) Schwert (Asi) der Erkenntnis (Vijnana)
  • sphuṭam : säuberlich („genau“, Sphuta)
  • bhuṅkṣva : genieße (bhuj)
  • ātma-sāmrājya-sukham : die Glückseligkeit (Sukha) der Allherrschaft (Samrajya) des Selbst (Atman)
  • yatheṣṭam : nach Herzenslust („wunschgemäß“, Yatheshta)     || 307 ||

Kommentar

Shankara nutzt wieder klare Worte. Er will seinen Punkt sehr klar machen. Das Ego stört deine Glückseligkeit. Angenommen du hättest einen Stachel hinten im Hals, einen Dorn im Hals. Dann kannst du nichts mehr Essen oder nichts mehr genießen. Selbst wenn du es Essen könntest, es schluckst, würde es wehtun. Genauso ist es auch wenn du das Ego hast, das die Glückseligkeit zerstört. Es wichtig zu erkennen, dass die Identifikation mit dem Ego das Problem ist. Die Identifikation mit dem Ego gilt es zu überwinden. Dann bist du glückselig. Sage nicht einfach: „So bin ich halt. Das ist nicht mein Ding.“ Du kannst es sagen, aber du verhinderst damit deine Glückseligkeit. Du bist nicht so. Du bist das unsterbliche Selbst, der Atman. Das bist du. Du bist nicht dein Ego, nicht dein Körper, nicht deine Psyche. Überwinde die Identifikation. Das ist das, was nötig ist. Das mögen dir Psychologen nicht sagen. Psychologen sagen dir vielleicht: „Erkenne deine Bedürfnisse und erfülle deine Bedürfnisse. Löse deine Probleme aus der Kindheit. Stehe zu dir selbst, entwickle Eigenliebe.“ Sie verstehen darunter, dass du deinen Körper und deine Psyche lieben sollst usw. Das führt langfristig nicht zu viel. Du musst deinen Körper und deine Psyche nicht hassen. Du bist weder Körper noch Psyche. Du bist das unsterbliche Selbst. Das bist du, tat tvam asi. Das gilt es zu verwirklichen. Aus diesem Geist gilt es zu leben. Dann bist du glücklich.

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